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Pjöngjang im Besitz von zwanzig Sprengköpfen : Wachsendes Arsenal: China warnt vor Nordkoreas Atomwaffen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Regierung in Pjöngjang könnte bereits im nächsten Jahr über doppelt so viele Atomsprengköpfe verfügen wie jetzt.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 15:47 Uhr

Pjöngjang | China hat nach Angaben der Zeitung „Wall Street Journal“ vor einer wachsenden Zahl nordkoreanischer Atomwaffen gewarnt. Pjöngjang könnte nach Einschätzung chinesischer Experten bereits über 20 Sprengsätze verfügen, berichtete das Blatt unter Berufung auf US-Experten, die kürzlich mit chinesischen Vertretern hinter verschlossenen Türen beraten haben.

Nordkorea ist eines der isoliertesten Länder der Erde. Das Land wird, obwohl offiziell demokratisch, diktatorisch regiert. 2005 wurde bekannt gegeben, dass ein nordkoreanisches Atomwaffenprogramm existiert. 2012 erklärte sich das Land offiziell zur Atommacht. Der Staat wird von Kim Jong-un seit 2011 regiert. Nordkorea steht immer wieder wegen Missachtung der Menschenrechte in der Kritik. Mehr als 200.000 Menschen, hauptsächlich politische Gefangene, sind in Konzentrations- oder Umerziehungslagern inhaftiert. Es gibt öffentliche Hinrichtungen, Folter, Hunger und Menschenversuche. Es herrscht Ausreiseverbot. Die öffentlichen Medien werden vom Staat kontrolliert.

Zudem habe Nordkorea die Fähigkeit, gegenügend atomwaffenfähiges Uran anzureichern, um das Arsenal voraussichtlich bis zum kommenden Jahr zu verdoppeln, berichtet das Wall Street Journal. Nordkorea könne im Land offenbar mehr Uran anreichern, als bisher angenommen, zitierte das Blatt den Wissenschaftler Siegfried Hecker von der Stanford-Universität. Hecker hatte an dem Gespräch teilgenommen. Ein nordkoreanisches Nukleararsenal würde nach seiner Einschätzung Verhandlungen mit dem Westen erheblich erschweren. Mit den Waffen könnte Pjöngjang die regionale Sicherheit der USA und deren Verbündeter - insbesondere Japan und Südkorea - gefährden, mahnen die Experten.

Die USA befürchten, dass Nordkorea bereits in der Lage ist, nukleare Sprengköpfe auf Interkontinentalraketen zu montieren. Diese wurden zwar laut US-Militärexperten noch nicht abschließend getestet, hätten aber eine Reichweite von 5.600 Meilen (rund 9000 Kilometer). Damit wären Teile der Westküste der USA, zum Beispiel Kalifornien, potenziell gefährdet.

Eine Übersicht über die Geschichte des nordkoreanischen Atomprogramms:

1985 Auf Druck der UdSSR tritt Nordkorea dem Atomwaffensperrvertrag bei. Dieser beinhaltet den Verzicht auf die Herstellung und Nutzung von Kernwaffen.
1992 Nord- und Südkorea einigen sich auf ein Abkommen, das die Koreanische Halbinsel zur kernwaffenfreien Zone erklärt.
1993 Nordkorea verweigert Inspektoren der IAEO (Internationale Atomenergiebehörde) den Zutritt zur Kerntechnischen Anlage Nyongbyon und plant den Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.
Oktober 1994 Zwischen den USA und Nordkorea wird das Genfer Rahmenabkommen unterzeichnet. Nordkorea verpflichtet sich darin zur Aufgabe des Atomprogramms und zum Verbleib im Atomwaffensperrvertrag
1996/1997 Vier-Parteien-Gespräche: Die USA, China, Nord- und Südkorea erkennen das Waffenstillstandsabkommen von 1953 an.
August 1998 Eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete überfliegt Japan.
2002 Nordkorea landet auf George W. Bushs Liste der „Schurkenstaaten“ der „Achse des Bösen“. Die USA beschuldigen Nordkorea, noch immer an einem Atomprogramm zu arbeiten. Pjöngjang sieht in der Aggression der USA seine Berechtigung, an so einem Programm festzuhalten.
Januar 2003 Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus.
Mai 2003 Das Abkommen mit Südkorea von 1992 wird für nichtig erklärt.
Februar 2005 Nordkorea gibt bekannt, einsatzfähige Atomwaffen zu besitzen, und kündigt Waffentests an.
September 2005 Bei Sechs-Parteien-Gesprächen (Nordkorea, Südkorea, Japan, USA, Russland, China) signalisiert die Regierung in Pjöngjang, ihr Kernwaffenprogramm aufzugeben, sofern wirtschaftliche und technologische Hilfe erfolge.
Juli 2006 Nordkorea testet insgesamt sechs Raketen. Darunter eine vom Typ „Taepodong-2“. Diese wäre in der Lage, Atomsprengköpfe zu transportieren.
April 2009 Nordkorea startet eine Trägerrakete mit einem Kommunikationssatelliten. Der Start löste internationale Kritik aus. Nordkorea bekräftigte seine Pläne zum Atomwaffenprogramm
Mai 2009 Nordkorea führt einen weiteren Atomwaffentest durch und feuert mehrere Kurzstreckenraketen ab. Die Sprengkraft der Bombe wird mit 20 Kilotonnen angegeben.
Juli 2009 Die Vereinten Nationen verabschieden Resolution 1874. Sie sieht härtere Sanktionen gegen Nordkorea vor, insbesondere ein verschärftes Waffenembargo und erhöhte Auflagen für Finanztransaktionen.
September 2009 Nordkorea kündigt an, weiter Uran anreichern zu wollen. Plutonium aus Brennstäben solle waffenfähig gemacht werden.
November 2010 Ein Bericht der IAEO wird veröffentlicht, wonach das Atomprogramm Nordkoreas weiter fortgeschritten ist, als bislang angenommen.
Februar 2011 Nordkorea kündigt an, sein Atomwaffenprogramm weiter auszubauen.
Februar 2012 Nordkorea erklärt ein Moratorium für die Anreicherung von Uran. Dieses schließt auch das Testen von Langstreckenraketen mit ein. Von den USA wird im Gegenzug über Lebensmittellieferungen zu verhandeln.
April 2012 Das Land erklärt sich in einer Verfassungsänderung offiziell zur Atommacht.
Februar 2013 Mehrere Länder registrieren künstliche Erdbeben der Stärke 4,9 bis 5,2 nahe des Kernwaffentestgeländes P'unggye-ri in Nordkorea. Deutsche Experten schätzen die Sprengkraft später auf 40 Kilotonnen.
März 2013 Der UN-Sicherheitsrat verschärft Sanktionen gegen Nordkorea. diese richten sich gegen Reiseverbote und Kontosperren. Vor der Sitzung drohte Nordkorea den USA und Südkorea erstmals mit einem präventiven Atomschlag. Wenig später kündigt Nordkorea den Nichtangriffspakt mit dem Süden auf.
Januar 2014 In seiner Neujahrsansprache spricht Kim Jong-un von einer „massiven nuklearen Katastrophe“, sollte erneut ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen. Er droht den USA.
September 2014 Ein Bericht der IAEO sieht Hinweise, dass der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei.
Januar 2015 Nordkorea bietet den USA das Ende seiner Atomwaffentests an. Bedingung sei der Verzicht der USA auf gemeinsame Manöver mit Südkorea.
März 2015 Als Reaktion auf das gemeinsame Manöver zwischen den USA und Südkorea feuert Nordkorea zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 Kilometern ab.
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