Nordirak : Vorwurf: „ungläubig“: IS-Terrormiliz tötet jesidische Gefangene

Angehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben Berichten zufolge im Nordirak mindestens 70 Jesiden getötet. Die jesidische Fortschrittspartei spricht sogar von mehr als 300.

shz.de von
03. Mai 2015, 17:52 Uhr

Mossul | Zahlreiche Mitglieder der uralten religiösen Minderheit der Jesiden sind in der Nähe von Mossul von IS-Terroristen ermordet worden. Wie viele Menschen genau starben, ist unklar. Die nicht-staatliche Menschenrechtskommission berichtet von mehr als 70 Toten, die jesidische Fortschrittspartei von mehr als 300. Die Jesiden starben den Berichten zufolge am Freitag in der Stadt Tel Afar, die nahe der vom IS kontrollierten Millionenmetropole Mossul liegt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Der IS betrachtet die kurdischstämmigen Jesiden als „Ungläubige“. Beim IS-Vormarsch im vergangenen Jahr im Nordirak hatten die Extremisten Hunderttausende Jesiden vertrieben und Tausende von ihnen in die Gefangenschaft geführt oder getötet. Der IS kontrolliert weite Gebiete im Nordirak und im Norden Syriens.

Die Gewalt im Irak reißt nicht ab. Bei einem Bombenanschlag in Bagdad wurden am Samstag mindestens 13 Menschen getötet, wie lokale Medien berichteten. Ein mit Sprengstoff präpariertes Fahrzeug explodierte vor einer Reihe von Straßencafés im Innenstadtviertel Karrade. Zu dem Anschlag bekannte sich der IS, wie die amerikanische Terrorbeobachtungsstelle Site mitteilte.

Ein US-Luftangriff auf IS-Stellungen im benachbarten Syrien soll indes 52 Zivilisten das Leben gekostet haben. Bei dem Bombardement im Dorf Bir Mahli nahe der nördlichen Stadt Kobane seien demnach auch sieben Kinder getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. 13 Menschen würden noch unter den Trümmern vermisst. Es dürfte das bisher folgenschwerste Bombardement der US-geführten Allianz in Syrien sein.

Das Pentagon in Washington hatte am Freitag mitgeteilt, dass bei sechs Luftangriffen sieben IS-Stellungen und ein Fahrzeug der Terrormiliz zerstört wurden. Auch Kämpfer der Extremisten seien getötet worden. Über zivile Opfer machte Washington keine Angaben. Unklar war, ob die IS-Miliz die zivilen Bewohner von Bir Mahli als Schutzschilde missbraucht hat.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardieren seit September vergangenen Jahres regelmäßig Stellungen, Waffenlager und Fahrzeug-Konvois des IS in Syrien und im Irak.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen