SPD, CDU, Grüne, FDP, Linke : Vor der Landtagswahl in SH: Parteien rüsten zum Millionen-Wahlkampf

Der schleswig-holsteinische SPD-Parteichef Ralf Stegner (l) und Ministerpräsident Torsten Albig sitzen beim Landesparteitag der SPD auf dem Podium. Archiv

Der schleswig-holsteinische SPD-Parteichef Ralf Stegner (l) und Ministerpräsident Torsten Albig sitzen beim Landesparteitag der SPD auf dem Podium. Archiv

Im Rennen um die Landtagssitze setzen Landespolitiker auf direkte Kontakte zum Bürger.

fju_maj_0203 von
09. März 2017, 19:10 Uhr

Mit mehr Veranstaltungen denn je gehen die Parteien in den Landtagswahlkampf bis zum 7. Mai. Als Grund nennen die politischen Anbieter lagerübergreifend, dass sie individueller auf die Anliegen der Bürger eingehen wollen. Das gehe in kleineren Formaten besser als in großen Hallen. Unterm Strich dennoch genug Menschen zu erreichen, so die Rechnung, müsse es von den intimeren Wahlkampfterminen umso mehr geben. Allein der SPD-Landesverband plant 100, der CDU-Landesverband 90.

Zwei Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein gewinnt die Auseinandersetzung zwischen CDU und SPD an Schärfe. CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther forderte am Donnerstag 100.000 Euro von den Genossen für das Land SH.

„Die Wähler haben Gesprächsbedarf. Sie wollen nicht mehr in durchgestylten Vieraktern auf Märkten angeschrien werden“, sagt SPD-Geschäftsführer Christian Kröning. „Politik ist derart komplex geworden, dass sie mit einem nur einseitigen Senden kaum noch vermittelbar ist“, meint Krönings CDU-Pendant Vitalij Baisel. Ihm geht es mit dem dialog-orientierten Stil auch darum, Bürger für die Politik zurückzugewinnen, die sich von den etablierten Kräften vergessen fühlen.

CDU, SPD und Grüne kündigen – ebenfalls für den direkteren Kontakt – eine deutliche Ausweitung des Haustür-Wahlkampfes an. „Wir wollen einfach signalisieren, dass wir als Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, erklärt Grünen-Sprecherin Claudia Jacob. Die Linke wendet die Haustür-Strategie sogar erstmals überhaupt an. Allein die Christdemokraten möchten auf 50.000 Klingelknöpfe drücken.

Insgesamt geben die politischen Wettbewerber mehr als dreieinhalb Millionen Euro aus, um die Wähler von sich zu überzeugen. CDU und SPD verfügen wie beim letzten Wahlkampf 2012 über ein Budget von je rund einer Million Euro. Um 36 Prozent auf 450.000 Euro draufgesattelt haben die Grünen. Die Liberalen kalkulieren wie 2012 mit 300.000 bis 400.000 Euro. Die Linke bleibt ebenfalls konstant und blättert 287.000 Euro hin. Der SSW geht mit 200.000 Euro und damit mit zehn Prozent mehr ins Rennen. Die Piraten müssen mit 30.000 Euro auskommen. Die AfD schweigt sich als einzige über ihren Etat aus.

Allein SPD-Ministerpräsident Torsten Albig und sein CDU-Herausforderer Daniel Günther werden jeweils 15.000-mal plakatiert.

Unisono verzeichnen alle Parteien ein steigendes Interesse an Politik. „Es wandelt sich etwas, vielleicht liegt es an der insgesamt unruhigen politischen Gemengelage“, sagt etwa FDP-Geschäftsführer Jan Voigt. „Unsere Kandidaten werden von Vereinen, Verbänden, Schulen und anderen Veranstaltern zu deutlich mehr Diskussionen eingeladen als früher“, beobachtet er. „Noch nie waren unsere Kandidaten auf Podien so gefragt“, bestätigt SSW-Sprecher Per Dittrich.

Nur eine Konstellation gibt es kaum: Zu einem Spitzenduell Albig-Günther kommt es allein beim NDR. Rund ein Dutzend weiterer Veranstalter haben Albig nach Informationen des sh:z ebenfalls für ein direktes Aufeinandertreffen mit dem Herausforderer angefragt – doch die SPD schickt stets Parteichef Ralf Stegner.

CDU-Geschäftsführer Baisel wirft dem Regierungschef vor zu „kneifen“. SPD-Geschäftsführer Kröning entgegnet: Albig wolle sich auf Gespräche mit Bürgern konzentrieren. „Duelle im Wahlkampf führen naturgemäß zu persönlichen Auseinandersetzungen, die Herr Albig ausdrücklich nicht führen will.“
 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen