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Politik

22. Oktober 2017 | 18:21 Uhr

Von Siegern und Verlierern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 00:36 Uhr

„The winner takes it all“, singt Abba. Dem Sieger gehört die Welt im Sport, in der Kultur, in der Politik. Nur, wenn der Verlierer ein richtiger Versager ist, beim Marathonlauf erst im Ziel eintrifft, wenn die Zuschauer das Stadion schon verlassen haben, dann findet der arme Teufel wieder Beachtung, darf Interviews geben, als habe er gewonnen. Das läuft dann unter dem Sammelbegriff Kuriositäten. Der stinknormale Verlierer aber kann bestenfalls mit etwas Mitleid rechnen.

Willy Brandts jüngster Sohn Matthias hat gerade ein bemerkenswertes Interview gegeben. Nicht deshalb, weil er ein gefragter Schauspieler ist, sondern weil er einen berühmten Vater hat. In Gesprächen dieser Art erzählen Söhne meistens, was sie vom großen Vater halten. In der Politik fallen die Aussagen oft nicht besonders günstig aus. Man denke an die Kohl-Söhne. Matthias Brandt dagegen mag – im Gegensatz zu seinem Bruder Peter – nichts über sein Verhältnis zum Vater sagen, sondern er verrät: „Ich bin verliebt ins Verlieren“ und beklagt, dass die Deutschen „ein gestörtes Verhältnis zum Scheitern“ haben. Er persönlich sei stets sehr berührt, wenn ein Mensch etwas versuche, was ihm nicht gelinge. Ein solches Bekenntnis erwartet man von der Kanzel, nicht aber von einem prominenten Schauspieler.

Die besten Fragen fallen einem Interviewer oft erst ein, wenn das Gespräch schon beendet ist. Im Gespräch mit Matthias Brandt vermisst man die Frage, ob er bei der Verkörperung des Spions Günter Guillaume auch Sympathie für den Verlierer, der von der Stasi kam, empfand.

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