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Brexit-Verhandlungen : Von der EU zur Nafta? Großbritannien denkt an Kontinental-Brexit

vom
Aus der Onlineredaktion

Laut Medienberichten versucht die May-Regierung eine neue Tür zu öffnen, wenn sich die alte zusperrt.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:38 Uhr

London | Ganz für sich will Großbritannien doch nicht sein. Für den Fall eines „no-deal”-Szenarios bei den Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union prüft die Regierung des Königreichs den Anschluss an die Nafta-Zone. Das berichten britische Medien. In dem Fall würde das Königreich Teil der Freihandelszone mit den USA, Kanada und Mexiko.

Angestrebt werden soll dieses politisch schwierige Unterfangen dann, wenn es zu einem harten Brexit ohne das in London angestrebte Freihandelsabkommen mit der EU kommt. Nach dem EU-Austritt 2019 will sich das Land auf keinen Fall völlig vom gemeinsamen Markt abkoppeln. Wenn man sich mit der EU über einen Verbleib in dieser Annehmlichkeit einig wird, müsste ein neuer Marktplatz her. Dieser würde sich in der Theorie quer über den Atlantik zu den alten Kolonien spinnen. Die Idee könnte auch als Argumentationskniff bei den Verhandlungen funktionieren, denn die EU ist bisher nicht bereit, den Briten Rosenpickerei durchgehen zu lassen.

Eigentlich hat die Nafta genug mit sich selbst zu tun. US-Präsident Donald Trump hat mit dem Austritt aus dem Vertrag gedroht, weil er darin Nachteile für die USA sieht. Wirtschaftlich lukrativ wäre der Anschluss für Großbritannien allemal. Die Nafta umfasst ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts und ist vor der Europäischen Union die größte Freihandelszone der Welt. Anders als die EU kommt sie ohne den steten Dorn im Auge der Briten aus, der letztlich den Ausstieg begünstigenden supranationalen Säule.

Abseits dieser Spekulationen hat die Regierung von Theresa May über ein Positionspapier einen anderen Plan B veröffentlicht. Im Falle einer Trennung ohne weitere Abkommen sollen sich die Handelsbeziehungen zunächst nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) ablaufen. Der weitere Kurs könnte sich in den nächsten Tagen markant ändern. Es wird vermutet, dass die angeschlagene Regierungschefin ihr Kabinett umbildet. Brexit-Gesicht und Außenminister Boris Johnson könnte fallen gelassen werden.

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