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Porno, Prostitution, Brüste-Wahlkampf : Vom Rotlicht ins Rampenlicht der Politik

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Sex sells“ – „Sex verkauft (sich)“ – heißt ein Geheimnis erfolgreicher Werbung. Und wo Erfolg ist, ist die Politik nicht weit. Doch nicht immer ebnet der „Dienst am Mann“ (oder der Frau) den Weg ins Amt.

Die AfD legt in ihren Veröffentlichungen hohen Wert auf Anstand und preußische Tugenden, der Schutz von Ehe und Familie geht ihr über alles – die Landtagskandidatin der Partei in Mecklenburg-Vorpommern, Petra Federau, ist da moralisch scheinbar flexibler: Die Schweriner Stadtverordnete hat Informationen, die der „Schleswig-Holstein am Sonntag“ vorliegen, noch vor wenigen Jahren für den in Abu Dhabi ansässigen EliteEscortService „Beauty Escort 4You – German Beautys“ junge Frauen aus der Region angeworben. Teilweise begleitete sie demnach die Frauen selbst zu Einsätzen im arabischen Raum, aber auch in Mecklenburg. Pikant: Federau warnte auf Facebook davor, Deutschland hole sich mit den Flüchtlingen nicht nur Religionskriege ins Land, sondern auch alle Krankheiten der Welt. Doch die AfD ist mit der problematischen Nähe von Macht und Sex nicht allein.

Prostitution und Pornografie werden nach gängigen Moralvorstellungen häufig in die Schmuddel-Ecke verbannt. Politiker, an die höchste moralische Ansprüche gestellt werden, bringt eine Verbindung in diese Milieus meist in Schwierigkeiten.

„Nationalismus darf auch sexy sein“, meinte auch Ina Groll und diente sich in kürzester Zeit an die Seite von NPD-Spitzenkandidat Udo Voigt hoch, begleitet diesen unter anderem zu öffentlichen Auftritten wie beim Politischen Aschermittwoch. Auf ihrer Facebook-Seite verkündete sie: „Ich prostituiere mich wieder! Der Escortservice heißt Deutschland.“ Groll wusste, wovon sie schrieb, schließlich war die blonde Frau mit den langen Beinen und den tätowierten Armen in einem früheren Leben einmal Kitty Blair, eine Pornodarstellerin. Als jedoch einer ihrer Filme auftauchte, in dem sie mit einem schwarzen Kollegen Sex hatte, schwenkten die Kameraden um. Das Ex-Pornosternchen erhielt Hausverbot. „Sie darf in keinem Fall zu NPD-Veranstaltungen und sonstigen Aktivitäten aller Art zugelassen werden. Ihr wird im Rahmen der geltenden Rechtsordnung Hausverbot erteilt“, schrieb Frank Schwerdt, stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD.

In Italien schaffte Elena Anna Staller, als Pornostar bekannt unter ihrem Künstlernamen „Cicciolina“ (italienisch „Schnuckelchen“), sogar von 1987 bis 1992 den Sprung ins römische Parlament. Bereits 1978 hatte Staller für Schlagzeilen gesorgt, als sie in der Fernsehshow „C’era due Volte“ vor laufender Kamera ihre Brüste entblößte, was zuvor im italienischen Fernsehen undenkbar war. 1979 wurde sie zur Spitzenkandidatin der Lista del Sole, Italiens erster grünen Partei, gewählt. Zu ihrem Wahlkampf gehörte es, bei ihren Auftritten die Brüste zu entblößen. 1985 schloss sie sich dem Partito Radicale an und kämpfte gegen Nuklearenergie, für Menschenrechte und gegen den Hunger in der Welt. 1989 drehte Cicciolina ihren letzten Pornofilm. 2013 strebte sie für den Partito Liberale Italiano noch einmal erfolglos das Amt der Bürgermeisterin von Rom an, unterlag aber bereits bei der bei der innerparteilichen Kandidatenaufstellung gegen Edoardo de Blasio, der bei der Bürgermeisterwahl jedoch nur 0,08 Prozent der Stimmen bekam.

Doch nicht nur das Rotlicht sucht die Nähe der Politik, auch Abgeordnete geraten im Gewirr aus Erotik, Machtrausch und Sex immer wieder ins Straucheln. So musste Rheinland-Pfälzer Bundestagsabgeordnete Gert Winkelmeier am 13. Februar 2006 die Linksfraktion verlassen, nachdem verschiedene Zeitungen berichtet hatten, Winkelmeier habe in einem ihm gehörenden Haus Räumlichkeiten an Prostituierte vermietet.

Der Schweriner Rechtsanwalt und Stadtvertreter Andreas Lange (CDU) musste im Dezember 2007 als Stadtpräsident des Landeshauptstadt zurücktreten, nachdem die Polizei seinen Dienst-Laptop im Zuge von Ermittlungen gegen das Umfeld der früheren Prostituierten Isabel K. in deren Schweriner Wohnung beschlagnahmt hatte. Langes Erklärung damals: Er habe das Gerät in einer Wohnung vergessen. Isabel K. jedoch erklärte gegenüber den Medien, Lange habe ihr seinen von der Stadt gestellten Dienst-Laptop als Pfand für ausstehende Liebesdienst-Schulden in Höhe mehrerer tausend Euro überlassen. Mehr noch: „Ich habe in seinem Beisein auch das persönliche Passwort geändert. Als Garantie dafür, dass er seine Schulden zahlt“, so die Dame später. Die Staatsanwaltschaft stellte später ihre Ermittlungen gegen den CDU-Politiker wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Datenschutzgesetz ein. „Das Maß der Schuld ist gering, hier geht es um leichte Kriminalität“, so Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek damals.

Deutlich mehr Aufsehen erregte die VW-Affäre: Vor dem Amtsgericht Wolfsburg gab der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl zu, 2001 in Barcelona und Seoul Dienste von Prostituierten auf Kosten von Volkswagen in Anspruch genommen zu haben und wurde zu einer Geldstrafe von 39.200 Euro verurteilt. Neben dem früheren Personalvorstand Peter Hartz (zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie Geldstrafe von 576.000 Euro) wurde in der VW-Rotlichtaffäre auch der ehemalige niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Günter Lenz zu einer Geldstrafe von 11.250 Euro verurteilt. Auch Lenz soll die Dienste von Prostituierten in den Jahren 2001 und 2002 in Seoul und während einer Indien-Reise des VW-Gesamtbetriebsratsausschusses in Anspruch genommen haben. Die Kosten seien mit Wissen oder mit Billigung von Lenz bei VW abgerechnet worden.

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erstellt am 20.Mär.2016 | 16:32 Uhr

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