Quinn räumt Niederlage ein : Volksentscheid in Irland: Klare Mehrheit für Homo-Ehe

Beim Volksentscheid über die Zulassung der Homo-Ehe deutet sich eine klare Mehrheit der Befürworter an.

shz.de von
22. Mai 2015, 11:43 Uhr

Dublin | Im katholisch geprägten Irland wird es künftig Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare geben. Nach dem Volksentscheid vom Freitag zeichnete sich bei der Auszählung am Samstag eine klare Mehrheit für die Verfassungsänderung ab.„Glückwunsch an die Ja-Seite. Gut gemacht“, sagte der Leiter der Gegenkampagne, David Quinn, und räumte damit die Niederlage ein.

Irland ist das erste Land, das per Volksentscheid die Homo-Ehe zulässt. Bisher stand dort homosexuellen Paaren - ähnlich wie in Deutschland - nur die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offen. Diese bot aber nicht den gleichen verfassungsmäßigen Schutz der Familie.

Die Regierung von Premierminister Enda Kenny hatte sich vehement für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt. „Das ist ein großer Tag für Irland“, sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar. Er hatte erst im Januar seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht. „Für mich persönlich ist das nicht nur ein Referendum, sondern eine soziale Revolution.“ Bis 1993 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in Irland noch strafbar. 

Gegen die Zulassung der Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare hatte sich vor allem die katholische Kirche eingesetzt. Die Organisation Mothers and Fathers Matter, die sich streng gegen die Verfassungsänderung eingesetzt hatte, gab sich geschlagen: „Das Resultat von heute wurde erreicht durch die Regierung, nachdem sie bestimmte Versprechungen hinsichtlich Leihmutterschaft, Adoption und anderen Dingen gemacht hat. Viele Wähler haben das geglaubt, jetzt muss es auch eingehalten werden.“

Den Kirchen bleibt weiterhin freigestellt, ob sie gleichgeschlechtliche Paare trauen wollen. Schwulen und Lesben bliebe als Alternative eine standesamtliche Zeremonie.

Premier Kenny lobte die hohe Wahlbeteiligung. Allein 60.000 Menschen hatten sich eigens für die Abstimmung ins Wahlregister eingetragen. Viele, vor allem junge Menschen, kamen aus dem Ausland in ihre irische Heimat zurück, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. 

Die Iren stimmten gleichzeitig in einer zweiten Referendumsfrage über das Mindest-Wählbarkeitsalter ihres Präsidenten ab. Es soll von 35 auf 21 Jahre herabgesetzt werden. Dieser Vorschlag hat nicht die erklärte Unterstützung der Regierung. Der amtierende Präsident Michael D. Higgins ist 74 Jahre alt.

In vielen Ländern ist die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare bereits erlaubt. In Deutschland ist lediglich die Eintragung einer Lebenspartnerschaft legitim. Laut einer Emnid-Umfrage vom Februar 2013 sind jedoch 68 Prozent der Deutschen für die gleichgeschlechtliche Ehe. Auch auf Twitter sprechen sich nun viele Deutsche dafür aus.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ein bisschen Irland täte uns ja auch gut.</p>&mdash; Amateurtrueffi (@larifariabel) <a href="https://twitter.com/larifariabel/status/602077373769605121">23. Mai 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Angesichts des JA aus <a href="https://twitter.com/hashtag/Irland?src=hash">#Irland</a> ist es umso beschämender, wie weit Deutschland bei gleichen Rechten hinterher hinkt! <a href="https://twitter.com/hashtag/notmybundesregierung?src=hash">#notmybundesregierung</a></p>&mdash; Sven Lehmann (@svenlehmann) <a href="https://twitter.com/svenlehmann/status/602055409541742592">23. Mai 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Sieht so aus, als würde sogar das erzkatholische Irland Ehegleichheit bekommen, bevor Deutschland es schafft. Danke, CSU <a href="https://twitter.com/hashtag/volksabstimmung?src=hash">#volksabstimmung</a></p>&mdash; Michael Valkenberg (@Zyaama) <a href="https://twitter.com/Zyaama/status/602078498300243969">23. Mai 2015</a></blockquote></center>

Ein Verfassungsverbot für die gleichgeschlechtliche Ehe gibt es in Europa unter anderem in Polen, der Ukraine, der Slowakei, Ungarn, Albanien, Bulgarien, Lettland und Litauen sowie Kroatien und Slowenien. Hier gibt es teilweise jedoch Regelungen über eine Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.

Land Homoehe erlaubt seit
Niederlande 1. April 2001
Belgien 1. Juni 2003
Spanien 3. Juli 2005
Kanada 20. Juli 2005
Norwegen 1. Januar 2009
Schweden 1. Mai 2009
Portugal 5. Juni 2010
Island 27. Juni 2010
Argentinien 22. Juli 2010
Dänemark 15. Juni 2012
Frankreich 18. Mai 2013
Uruguay 5. August 2013
Brasilien 16. Mai 2013
Großbritannien 13. März 2014
Luxemburg 1. Januar 2015
Finnland 1. März 2017

Anders als in Großteilen Europas und Amerikas, ist in Afrika und Asien die rechtliche Situation für gleichgeschlechtliche Paare sogar gefährlich. So erlaubt derzeit kein asiatisches Land die Eheschließung. In vielen Staaten gibt es Strafen für Homosexuelle. Auch in Russland wird die Äußerungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Dies betrifft auch Afrika. In einigen Ländern steht darauf sogar die Todesstrafe. Einzig in Südafrika ist die Homoehe erlaubt.

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