Kommentar zur Landtagswahl in Hessen : Volker Bouffier und der Lohn der Treue

Ein Mitglied der Jungen Union steht mit einem T-Shirt mit dem Konterfei von Volker Bouffier (CDU)

Ein Mitglied der Jungen Union steht mit einem T-Shirt mit dem Konterfei von Volker Bouffier (CDU).

Das hessische Ergebnis der CDU ist besser als befürchtet, aber schlimm genug, um den Druck auf Berlin zu erhöhen, kommentiert Stefan Hans Kläsener.

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28. Oktober 2018, 20:01 Uhr

Flensburg | Treue lohnt sich in der Politik nur selten. Schnell ist man der Letzte, der das Licht ausmacht, wenn die Loyalität größer ist als der taktische Nutzen. Volker Bouffier, eine politische Figur aus dem vergangenen Jahrhundert, hat diese altmodische Disziplin gewahrt und damit Angela Merkel einen großen Dienst erwiesen: Sie kann nun den Staffelstab übergeben, an wen auch immer, aber sie muss es noch nicht. Das hessische Ergebnis der CDU ist besser als befürchtet, aber schlimm genug, um den Druck auf Berlin zu erhöhen.

Treue lohnt sich eher nicht in der Politik. Thorsten Schäfer-Gümbel hat mit hoher Glaubwürdigkeit zu den Themen gestanden, die der SPD klassischerweise gut zu Gesicht stehen. Damit hat er seinen zerstrittenen Landesverband geeint und wieder kampagnenfähig gemacht. Aber die Unterströmung aus Berlin zog den hessischen Genossen die Beine weg, die Staatskanzlei bleibt unerreichbar für Schäfer-Gümbel. Die Wähler jedenfalls haben ihm die Treue nicht gedankt.

Ganz nebenbei wachsen für die AfD die Bäume nicht in den Himmel, wohl aber bei den Grünen. Sie haben die Mitte ins Visier genommen, ohne sich untreu zu werden. Es hat sich gelohnt.

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