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Bundesagentur für Arbeit : Vielen Beschäftigten droht Mini-Rente

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Niedrige Löhne: 92.000 Arbeitnehmer erwartet im Alter nur Grundsicherungsniveau. Sie werden ihre Rente aufstocken müssen.

Kiel | Weit mehr als 92.000 Schleswig-Holsteiner, die in Vollzeit beschäftigt sind, werden im Alter ihre Rente aufstocken müssen. Das ergibt sich aus Angaben des Bundesarbeitsministeriums sowie aus Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion rechnet Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller vor, dass ein Arbeitnehmer bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden 11,50 Euro in der Stunde verdienen müsste, um im Alter eine Rente zu erhalten, die über der aktuellen Grundsicherungsschwelle von 769 Euro liegt. Vorausgesetzt, er arbeitet durchgehend 45 Jahre lang.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdienten Ende 2013 – neuere Zahlen liegen nicht vor – 92.597 sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftige im Norden weniger als 1800 Euro im Monat. Nach den rechnerischen Vorgaben der BA kämen sie gerade einmal auf einen Stundenlohn von 10,79 Euro. Dabei schließen die Zahlen der BA auch Zulagen für Überstunden wie auch Weihnachts- und Urlaubsgeld mit ein. Insgesamt zählt die Agentur rund 561.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in Vollzeit im Norden.

Sorgen um die künftige Rentnergeneration hat das Arbeitsministerium dennoch nicht. „Diese Betrachtung vernachlässigt zusätzliche Altersversorge, mit der eine deutlich höhere Gesamtversorgung erzielt werden kann“, heißt es im Schreiben an die Linksfraktion.

„Wir wissen seit der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass Haushalte mit niedrigen Einkommen seltener einen Riester-Vertrag abschließen als Haushalte mit hohen Einkommen“, entgegnet dort jedoch der rentenpolitische Sprecher, Matthias W. Birkwald. Tatsächlich sparen laut DIW nur rund sieben Prozent des untersten Zehntels, aber rund 22 Prozent des oberstens Zehntels der Einkommensverteilung zurzeit mit Riester-Verträgen.

Aus Sicht von Uwe Polkaehn sind die Zahlen Ergebnis verfehlter Lohnpolitik. „Mit Minijobs kann man Altersarmut nicht verhindern, und von 8,50 Euro kann man keine private Altersvorsorge betreiben“, sagt der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord. „Wenn es keine Lösungen gegen die Altersarmut gibt, wird das zu einem großen Thema im nächsten Bundestagswahlkampf.“

Bereits jetzt verdienen sich immer mehr Senioren im Norden ein Zubrot. Zwischen 2005 und 2014 legte die Erwerbstätigenquote bei den über 65-Jährigen im Land von 3,4 auf 6,1 Prozent zu. Arbeiteten vor zehn Jahren noch 18.000 Menschen nach Erreichen des 65. Lebensjahres weiter, waren es zuletzt laut Statistik 41.000. Ob Not oder der Wunsch nach Beschäftigung sie antreibt, ist dabei aber unklar.

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erstellt am 09.Nov.2015 | 06:30 Uhr

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