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DVBT-Fernsehen : Viele Haushalte bald ohne TV-Empfang

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Minister Dobrindt will das DVB-T-Fernsehen schon 2017 abschalten – früher als geplant. 200.000 Haushalte in SH und Hamburg sind davon betroffen. Für Fernsehgucker könnte die Neuerung teuer werden.

Kiel/Hamburg | Schlechte Nachricht für die 200.000 Haushalte in Schleswig-Holstein und Hamburg, die ihr Fernsehprogramm nicht über Kabel, Satellit oder Internet beziehen: Sie müssen sich womöglich schon zur Fußball-EM in Frankreich 2016 einen neuen Fernseher oder zumindest einen neuen Empfänger kaufen. Denn die große Koalition will das jetzige digitale DVB-T-Antennenfernsehen früher abschalten als geplant: Statt erst 2020 soll der Umstieg auf die bessere DVB-T2-Norm schon 2016 losgehen und 2017 beendet sein.

„Es ist zu prüfen, ob die Umstellung auf DVB-T2 bis Mitte 2016 mindestens in den Hauptverbreitungsgebieten realisierbar ist, um durch Großereignisse wie die Fußballeuropameisterschaft eine schnelle Marktdurchdringung zu erreichen“, steht in einem Antrag von Union und SPD, den der Bundestag Donnerstagabend beschlossen hat. Zudem ergibt sich aus Minister Alexander Dobrindts „digitaler Agenda“, dass mit DVB-T 2017 Schluss sein soll.

Grund für den raschen Abschied vom erst zur Jahrtausendwende gestarteten DVB-T sind Dobrindts Pläne zum Ausbau des leistungsstarken LTE-Breitbandfunknetzes, mit dem der CSU-Politiker flächendeckend schnelles Internet ermöglichen will. Dazu aber braucht er die vom DVB-T-Fernsehen genutzten Frequenzen, die an LTE-Dienstleister versteigert werden sollen.

Allerdings müssen die Länder mitziehen. Doch die zögern. „Schleswig-Holstein hat großes Interesse am schnellen Breitbandausbau – im Interesse der Fernsehnutzer sollte der Übergangszeitraum mit gleichzeitigem DVB-T und DVB-T2 aber möglichst verbraucherfreundlich gestaltet werden“, sagte ein Regierungssprecher in Kiel.

Denn was für Internetnutzer auf dem Dorf ein Fortschritt wäre, würde für die zwei Millionen DVB-T-Haushalte in der Republik teuer. 100 bis 200 Euro kosteten die DVB-T-Geräte bei der Einführung vor 15 Jahren. Ähnlich viel müssten Verbraucher nun wohl wieder ausgeben. „Wir rechnen mit Kosten von mindestens 300 Millionen Euro – und einer Menge Elektroschrott“, kritisiert die Medienexpertin der Grünen im Bundestag, Tabea Rößner.

Sie hält die Pläne für „skandalös“ – zumal sie bezweifelt, dass im Gegenzug wirklich flächendeckend Internetanschlüsse mit dem von Dobrindt zugesagten Tempo von 50 Megabit pro Sekunde möglich werden. Dazu müssten auf dem Land zahllose Funkmasten errichtet werden – laut einer Studie der Uni Braunschweig alle 500 bis 1500 Meter einer. Das aber halten die Grünen wegen der Sorgen der Bürger vor Elektrosmog für kaum durchsetzbar.

Dobrindt findet dagegen das frühe Aus fürs DVB-T vertretbar, da es an Bedeutung verliere: „Bei der Verbreitung durch DVB-T ist ein Rückgang zu verzeichnen“, erklärt seine Staatssekretärin Dorothee Bär.

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erstellt am 09.Okt.2014 | 20:37 Uhr

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