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Jahrzehntelang unter Verschluss : Videos zeigen geheime Atomwaffentests der USA – auf Youtube

vom
Aus der Onlineredaktion

Die US-Regierung hat Dutzende Videos geheimer Atomwaffentests im Internet veröffentlicht.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2017 | 14:50 Uhr

Washington | Millisekunden blicken Zuschauer auf Strand und Meer, dann überdeckt gleißend helles Licht das gesamte Panorama. Eine Explosion, Feuer ist zu sehen, dunkler Rauch steigt zum Himmel auf, dann wächst der typische Pilz. Es ist ein Video der Operation Hardtack, einer Serie von Kernwaffentests der USA auf den Marshallinseln. 1958 wurden die Bomben gezündet und die Explosionen gefilmt. Seitdem waren die Videoaufnahmen unter Verschluss – bis heute.

210 Atomwaffentests waren es insgesamt, die die USA zwischen 1945 und 1962 durchgeführt haben, bevor die Tests 1963 verboten wurden. Rund 10.000 Filme entstanden dabei, die das Zerstörungspotenzial der Bomben dokumentieren.

Zum ersten Mal hat eine amerikanische Forschungseinrichtung das Material gesichtet, archiviert und online veröffentlicht. Die ersten 64 Videos zeigt das „Lawrence Livermore National Laboratory“ auf seinem eigens eingerichteten Youtube-Kanal. Viele weitere sollen in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren folgen.

Computermodelle lagen daneben

„Es ist einfach unglaublich, wie viel Energie bei den Explosionen freigesetzt wird“, sagt der Waffenphysiker Greg Spriggs, der das Videoprojekt leitet. „Wir hoffen, dass wir Atomwaffen nie wieder einsetzen müssen.“

Erkenntnisse, die aus den Aufnahmen gewonnen werden können, sind für Wissenschaft und Militär gleichermaßen interessant. Seit Freiluft-Tests verboten sind, berechnen US-Atomphysiker die Auswirkungen von Atomwaffen anhand von Computermodellen. Die Filme lassen nun eine Überprüfung der berechneten Schockwellen zu: Wie schnell sind sie, wie weit sind sie spürbar? Fragen, die letztlich über Leben und Tod entscheiden, wenn es um atomare Explosionen geht.

Wie sicher ist das Atomwaffenarsenal der US-Streitkräfte?

Erste Ergebnisse von Spriggs und seinem Team zeigen, dass einige Berechnungen um 20 bis 30 Prozent daneben lagen. „Das ist eine ordentliche Hausnummer, wenn es um akkurate Formeln gehen soll“, so der Physiker.

Die nun archivierten und ausgewerteten Filmaufnahmen sollen dafür sorgen, dass das in die Jahre gekommene Atomwaffenarsenal der US-Streitkräfte sicher und effektiv bleibt. Dabei war das Videomaterial selbst in Gefahr, unverwertbar zu werden. Die Speichermedien setzten Staub an, der die Aufnahmen angreift. Zudem drohte sich das Material zu zersetzen, was die Bilder für immer zerstört hätte.

Nun können sich Menschen weltweit einen Eindruck von der massiven Kraft der Waffen verschaffen. Wissenschaftler Spriggs verbindet damit eine Hoffnung: „Wenn wir ihre Geschichte einfangen und zeigen, wie verheerend die Zerstörungen sind, die Atomwaffen anrichten, dann wird es vielleicht die Leute davon abhalten, sie zu nutzen.“

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