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Wer ist diese Hjemmeværnet? : Video: Grenzkontrollen in Dänemark – Jetzt wacht die Heimwehr

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Aus der Onlineredaktion

Freiwillige der dänischen Heimwehr haben am Dienstag ihren Dienst an der Grenze angetreten. Das shz.de-Videoteam war vor Ort.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2016 | 13:45 Uhr

Krusau | „Freude fürs Leben finden und Abenteuer erleben, die du dir kaum vorstellen kannst“ – mit diesen ins Abstrakte gelagerten Worten wirbt die Reserve der dänischen Streitkräfte für neue Mitglieder. Die dramatisierten Bilder des aktuellen Rekrutierungsfilms zeigen Soldaten in Uniform bei bewaffneten Einsätzen. In der Nacht. Im Schnee. Auf See. In Wahrheit dürfte der Alltag der dänischen Heimwehr spätestens seit Ende des Kalten Kriegs deutlich geräuschloser ablaufen. So regeln die Einheiten der freiwilligen Reserve seit 1990 nämlich vorrangig den Straßenverkehr bei Großveranstaltungen. Auch bei den Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze werden die Soldaten auf das Tragen von Waffen verzichten.

Die über 200 Polizisten, die für die Grenzkontrollen eingesetzt sind, kommen aus ganz Dänemark und werden in Hotels untergebracht. Da sich die Situation zum Dauerzustand entwickelt, es aber keine Infrastruktur für dauerhafte Kontrollen gibt, soll die Last auf viele Schultern verteilt werden.


Im Grenzland helfen die der Polizei unterstellten Soldaten in Tarn-Uniform und grellem Leibchen seit Dienstagmorgen in Krusau, Pattburg und Fröslee bei der Kontrolle von Personen und Fahrzeugen als auch bei der Verkehrsregulierung. Vor dem Dienst hatte das Personal der Heimwehr an einem von der dänischen Polizeischule organisierten fünf-Tage-Kursus in Dokumentenkontrolle, Grenzkontrolle und Notwehr teilgenommen. Die Heimwehr assistiere, die Verantwortung liege weiterhin bei der Polizei, sagte der kommandierende Oberst Flemming Agerskov von der Heimwehr dem „Nordschleswiger“ bei einem Pressetermin am Grenzübergang Krusau.

Hintergrund: Wer oder was ist die Heimwehr?

Die „Heimwehr“ („Hjemmeværnet“) ist als freiwillige Reserve der dänischen Streitkräfte eine Art „freiwillige Feuerwehr“ des Staates. Nach Kriegsende 1945 weigerten sich in Dänemark viele Widerstandskämpfer, ihre Waffen abzugeben und gründeten daraufhin Verbände in mehreren Städten des Landes. Eine Gesetzgebung beschloss drei Jahre später den landesweiten Zusammenschluss in einen Dachverband.

Als Hauptaufgabe der Heimwehr definierte das Kopenhagener Parlament die Überwachung dänischen Territoriums und militärischer Einrichtungen sowie die Seenotrettung. Die Heimwehr gliedert sich in Reserveeinheiten für Heer, Marine und Luftstreitkräfte. Nach Ende des Kalten Kriegs änderte sich die Rolle der Heimwehr. So regelt die Reserveeinheit seit 1990 vorrangig den Straßenverkehr bei Großveranstaltungen. Seit Juni 2016 wird die Heimwehr auch zur Unterstützung der Polizei bei den Kontrollen im Grenzgebiet eingesetzt.

Foto: Cornelius von Thiedemann

„Diese Woche werden insgesamt 75 Leute eingesetzt, und sie werden bis Ende des Jahres sieben Tage die Woche arbeiten. Es handelt sich um eine Mischung freiwilliger Zivilisten, die Heimwehrsoldaten sind und im Berufsleben stehen. Von ihren Beschäftigungen wurden sie freigestellt, jetzt sind sie reguläre Soldaten“, erklärt der Oberst, „das kostet, aber es kostet auch, die Polizisten zu schicken, die dann in ihren Revieren fehlen würden“. Zur Frage, ob er die Kritik am Einsatz von Soldaten an der deutsch-dänischen Grenze nachvollziehen könne, sagte Oberst Agerskov: „Ich glaube nicht, dass man das komisch nennen kann, aber klar ist es etwas ungewöhnlich. Aber die Zeiten in denen wir leben, sind ja auch etwas ungewöhnlich.“ Aber: „Wir haben immer Soldaten von der Heimwehr, die die Polizei unterstützen, zum Beispiel auch bei der Bewachung von Tatorten.“

Bei der dänischen Polizei sind die Personalressourcen knapp, wie Brian Fussing, der Ausländerkontrollabteilung in Pattburg, sagt. Daher sei Unterstützung nötig. Es gebe eine klare Aufgabenverteilung. Die unbewaffneten Männer und Frauen der Heimwehr helfen bei der Passkontrolle, bei komplizierteren Sachverhalten oder wenn eine gründlichere Überprüfung notwendig ist, übernimmt ein Polizist, der ebenfalls immer vor Ort ist. Die Angehörigen der Heimwehr würden nie alleine kontrollieren, betonte Fussing. Auch Festnahmen oder Ähnliches dürfen, wenn nötig, nur Polizisten vornehmen.

Durch den Einsatz der Heimwehr soll die Polizei insgesamt um etwa 165 Beamte entlastet werden. Die Anzahl soll auch angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen reduziert werden. In den letzten Monaten hatten sich bei den in Hotels untergebrachten Polizisten reichlich Überstunden angehäuft. Nun sollen sich die Beamten ihre eigentlichen polizeilichen Aufgaben in ihren heimischen Bezirken wieder besser wahrnehmen. 170 Heimwehr-Soldaten hat Agerskov im Grenzland zur Verfügung.

Der Chef der Ausländerkontrollabteilung in Pattburg, Brian Fussing, koordiniert den Einsatz seitens der Polizei. „Von Kleinigkeiten abgesehen war es ein guter Beginn“, sagt er. In Rødby und Gedser wird die Heimwehr erst ab 27. Juni eingesetzt.

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