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Kommentar zum Tag der Pressefreiheit : Verunglimpfungen, Entlassungen, Verhaftungen: Eine bedenkliche Entwicklung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Pressefreiheit ist zunehmend gefährdet – erschreckenderweise in etablierten Demokratien, kommentiert Martin Schulte.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 13:17 Uhr

Wenn Medien über sich selbst berichten, mutet das meist etwas seltsam an. Denn Medien sollen vor allem recherchieren, analysieren, bewerten: Vor der eigenen Haustür – und im Rest der Welt. Am Tag der Pressefreiheit aber, der am Mittwoch begangen wird, muss eine Ausnahme gemacht werden. Denn die Pressefreiheit, die wir hier in Deutschland immer noch als selbstverständlich voraussetzen, ist gefährdet wie lange nicht mehr.

Die Sorge gilt dabei nicht nur den Ländern, die erwartungsgemäß in der Rangliste der Pressefreiheit ganz hinten liegen – afrikanische, asiatische und südamerikanische Staaten zumeist –, sondern vor allem vielen etablierten Demokratien, in denen die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt wird. Die Türkei ist hier an erster Stelle zu nennen, wo 150 Journalisten im Gefängnis sitzen.

 

Aber es geht auch um viele andere Länder, in denen die Einschränkungen nicht so deutlich sichtbar sind: Im französischen Präsidentschaftswahlkampf werden Journalisten von der Politik wegen ihrer Berichterstattung verunglimpft, in Polen hat die nationalkonservative Regierung unliebsame Redakteure beim Fernsehen entlassen, die britische BBC wurde wegen ihrer Brexit-Berichterstattung von Austritts-Befürwortern offen angefeindet. Und in Deutschland werden Journalisten vermehrt angegriffen und bedroht. Eine bedenkliche Entwicklung.

Die Pressefreiheit ist die Voraussetzung für den Erhalt jeder demokratischen Gesellschaft durch freie Meinungsäußerung – ob nun in Printprodukten, Fernsehen oder sozialen Netzwerken. Denn Meinungsfreiheit bedeutet auch Meinungspluralität. Diese Freiheit durchzusetzen ist Sache der Bürger. Deshalb darf aus gegebenem Anlass der Blick in die USA nicht fehlen, wo der neue Präsident kritische Medien leidenschaftlich beschimpft. Genau deshalb setzen sich dort immer mehr Menschen für guten und objektiven Journalismus ein, allein die New York Times hat eine sechsstellige Zahl an Neu-Abonnenten gewonnen. Eine Form von bürgerlich getragener Pressefreiheit. Und ein Zeichen der Hoffnung.

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