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Umstrittener Unkrautvernichter : Verlängerung der Glyphosat-Zulassung: EU-Staaten sollen abstimmen

vom

Im Gespräch ist nun eine Verlängerung der Zulassung. Nun sollen die EU-Staaten wieder über das Thema beraten. Ob sie zu einer Entscheidung kommen, bleibt fraglich.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 06:54 Uhr

Brüssel | Rund drei Wochen vor Ablauf der Glyphosat-Zulassung sollen die EU-Staaten erneut über die Zukunft des Unkrautvernichters beraten. Nachdem für eine Neuzulassung nicht die nötige Mehrheit zustande gekommen war, schlägt die EU-Kommission nun eine Verlängerung für 12 bis 18 Monate vor. In dieser Zeit soll die EU-Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung der Substanz vorlegen.

Der Unkrautvernichter Glyphosat sorgt immer wieder für Schlagzeilen: zuletzt, als Spuren davon in Bier nachgewiesen worden waren. Die Verbraucher sind angesichts verschiedener Studien verunsichert und auch in der Politik ist das Thema umstritten.

Deutschland wird sich in der Abstimmung enthalten, weil es in der Bundesregierung „weiterhin keine einheitliche Auffassung“ gebe, wie das Umweltministerium am Sonntag mitteilte. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Unionsseite in der schwarz-roten Koalition sind für eine neue Zulassung - die SPD-Minister lehnen dies bis auf weiteres ab und verweisen auf eine ungeklärte gesundheitliche Einstufung.

Wenn bei der Abstimmung an diesem Montag nicht die nötige Mehrheit zustande kommt, würde eine weitere Abstimmung in einem höherrangig besetzten Gremium nationaler Experten nötig. Dies gilt im Moment als wahrscheinlich. Fehlt auch hier die nötige Mehrheit, liegt die Entscheidung bei der EU-Kommission.

Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Substanz ist der weltweit am meisten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. In Deutschland kommt er auf rund 40 Prozent der Felder zum Einsatz.

Hintergrund: Wo und wie wird Glyphosat eingesetzt?

Glyphosat wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt – in der Landwirtschaft, der Industrie und auch in privaten Haushalten – in Deutschland auf rund 40 Prozent der Felder. Bundesweit wurden laut Umweltbundesamt im Jahr 2012 knapp 6000 Tonnen reine Wirkstoffmenge aufgebracht.

Das Breitbandherbizid hemmt ein für das Wachstum der Pflanze wichtiges Enzym. Nutzpflanzen können mittels Gentechnik eine Resistenz gegen Glyphosat erhalten. In Deutschland spielen diese Pflanzen allerdings keine Rolle. Die deutsche Landwirtschaft setzt das Pestizid um die Aussaat herum, zwischen Ernte der Winterfrucht und Aussaat der Sommerfrucht ein. Stark eingeschränkt auch vor der Ernte.

2015 wurde Glyphosat von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt und in über 130 Ländern verkauft. Bekannte Unkrauftvernichter mit Glyphosat heißen „Round Up“ (Monsanto), „Glyfos“ (Cheminova) oder „Touchdown“ (Syngenta). Dabei werden Glyphosat oft noch Beistoffe zugemischt. Diese Stoffe sind nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zum Teil giftiger als das Glyphosat selbst.

Der Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein, allerdings sind die Forschungsergebnisse unter Experten umstritten. Zuletzt fanden sich in einer Studie zweier UN-Organisationen keine Hinweise darauf, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme zu genetischen Zellveränderungen führt. Rückstände des Giftes lassen sich in Tierfutter, Brot, Bier, Wein, Saft und auch im Urin von Menschen nachweisen.

 

Die EU-Kommission will die Staaten auch eine Reihe von Auflagen für den Glyphosat-Einsatz vorschlagen, etwa ein möglichst geringer Einsatz in Parks oder auf Spielplätzen. Die Entscheidung darüber kann aber jeder Staat selbst treffen. Das Bundesumweltministerium erklärte am Sonntag, nationale Beschränkungen könnten zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Staaten führen.

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