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Politik

13. Dezember 2017 | 02:54 Uhr

Vergessene Geburtstage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 14:02 Uhr

Alle denkbaren Jubiläen werden groß bejubelt: Kriege, Siege, Wagner, Goethe, Schiller. Aber wenn wirklich volkstümliche Gestalten „runde“ Geburtstage feiern, dann bringt das Fernsehen nicht einmal nach Mitternacht eine Gedenksendung. Gut, es mag im vorliegenden Fall daran liegen, dass keine Zeitzeugen zur Verfügung stehen und kein Bildmaterial vorhanden ist. Was allerdings nicht ganz richtig ist, denn es gibt sehr gelungene Zeichnungen vom Treiben der beiden Geburtstagskinder. Max heißt der eine, Moritz der andere. Vor 150 Jahren erblickten sie als ungleiches Zwillingspaar das Licht der Welt. Und sie wirken wie am ersten Tag jung und frech und sehr authentisch. Moralische Vorbilder sind sie allerdings nicht; denn ihre sieben Streiche erfüllen den Tatbestand schwerster Straftaten. Der rüde Umgang mit Witwe Boltes Hühnern ist Tierquälerei, ihre anschließende Entwendung mit Hilfe einer Angelschnur durch den Schornstein ist Diebstahl, die Anschläge auf Schneider Böck (Ansägen einer Brücke) und das Füllen von Lehrer Lämpels Pfeife mit Schießpulver sind Mordversuche.

Nach heutigem Jugendstrafrecht gelten die beiden Delinquenten als Kinder und blieben unbehelligt, vor anderthalb Jahrhunderten herrschten jedoch strengere Sitten. Meister Müllers Mühle machte „Rickeracke mit Geknacke“, dann war das Urteil vollzogen. Die Selbstjustiz blieb unbestraft und ohne Protest: „Als man dies im Dorf erfuhr, war von Trauer keine Spur.“

Bleibt als ein Fazit: Wilhelm Busch bot reichlich Anregung für Krimi-Autoren.

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