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Terror-Anschlag in Berlin : Verbindung zu Anis Amri - drei Männer in Tunesien festgenommen

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Einer der Verdächtigen ist Anis Amris Neffe. In Deutschland werden die Weihnachtsgottesdienste stärker bewacht.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2016 | 14:35 Uhr

Tunesische Sicherheitskräfte haben drei Männer festgenommen, die mit dem mutmaßlichen Attentäter von Berlin in Verbindung stehen sollen. Einer der Verdächtigen sei der Neffe von Anis Amri, teilte das Innenministerium in Tunis am Samstag mit. Die Festgenommenen seien demnach zwischen 18 und 27 Jahre alt.

Der Neffe habe gestanden, dass er mit Amri auf einem verschlüsselten Weg über eine Nachrichtenapp in Kontakt gestanden habe. Sein Onkel habe gewollt, dass er der Terrormiliz Islamischer Staat die Treue schwöre. Auch habe er ihm Geld geschickt. Das Ministerium bezeichnete die drei Männer als eine Terrorzelle, die Sicherheitskräfte bereits am Freitag nahe der Stadt Kairouan ausgehoben hätten. In dieser Region lebt auch die Familie von Amri. Kairouan gilt als Salafistenhochburg.

Der mutmaßliche Terrorist war bei einem Schusswechsel mit zwei Polizeibeamten am Bahnhof Sesto San Giovanni bei Mailand am frühen Freitagmorgen gestorben. Er hatte bei einer Routinekontrolle nach Angaben der italienischen Regierung seine Waffe gezogen und auf die Beamten gefeuert. Durch die Schüsse Amris wurde einer der beiden Polizisten verletzt.

Der 24-Jährige war nach Überzeugung der Ermittler der Mann, der am Montagabend in Berlin mit einem gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast ist. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen, 53 wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Amris Fingerabdrücke wurden mehrfach an dem Lastwagen sichergestellt.

Die Opfer des Terroranschlags von Berlin sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes identifiziert. Unter den Toten seien sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit.Angaben zu Geschlecht und Alter machte eine Sprecherin in Wiesbaden mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte nicht. Kinder seien aber nicht unter den Getöteten.

Die Polizei verstärkt an Heiligabend in vielen deutschen Städten ihre Präsenz vor Kirchen. In Hannover, Frankfurt und anderen Großstädten erhielten die Beamten die Anweisung, das Geschehen rund um die Weihnachtsgottesdienste in den Blick zu nehmen. Am Kölner Dom sollen Polizisten an den Ein- und Ausgängen stehen. Allerdings sind nicht in allen größeren Städten Kontrollfahrten speziell vor Kirchen angekündigt. So plant die Polizei nach eigenen Angaben in Hamburg und Sachsen neben der ohnehin üblichen Kontrollen keine zusätzlichen Einsätze.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte nach dem Tod des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri mitgeteilt, dass die terroristische Bedrohungslage in Deutschland hoch bleibe.

Für Gottesdienste in Hamburg sind der Polizei zufolge „keine besonderen Präsenzmaßnahmen im Gange“. Die Beamten würden die Feiern an Heiligabend „im Rahmen der normalen Streife“ bewachen, wie ein Sprecher sagte. Auf den Plätzen und vor den Geschäften in der Innenstadt halte die Polizei die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen am Tag vor Weihnachten wie in den vergangenen Tagen aufrecht.

Kirchenvertreter erinnerten angesichts der jüngsten Schreckensmeldungen an die hoffnungsvolle Weihnachtsbotschaft. „Christen leben aus einer uralten guten Nachricht von Hoffnung, die so viele von uns seit Kinderzeiten kennen: Fürchtet Euch nicht! Friede auf Erden!“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, der „Leipziger Volkszeitung/Dresdner Neueste Nachrichten“ (Samstag). Der Präses der rheinischen evangelischen Kirche, Manfred Rekowski, erklärte: „Nicht Gewalt und Macht werden sich durchsetzen, sondern Gewaltlosigkeit.“

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