Donald Trump gegen Kim Jong Un : USA senden gemischte Signale an Nordkorea

Ein US-Air Force B-1B Langstreckenbomber wirft über Südkorea eine Bombe ab.  South Korea Defense Ministry/AP
Ein US-Air Force B-1B Langstreckenbomber wirft während einer Übung über Südkorea eine Bombe ab.

Der US-Präsident rasselt im Atomstreit mit Nordkorea mit dem Säbel, sein Verteidigungsminister agiert diplomatisch.

shz.de von
31. August 2017, 18:37 Uhr

Washington | Zum Abschluss ihres jährlichen Manövers schickten die USA und Südkorea eine Bomberflotte über die koreanische Halbinsel. Zwei von dem US-Stützpunkt auf Guam gestartete Langstreckenbomber vom Typ B-1B, vier US F-35B Kampfflugzeuge aus Japan und vier südkoreanische F-15 Jets führten ein Übung durch, die chirurgische Luftschläge auf Ziele in Nordkorea simulierte.  

Die Amerikaner wollen den Überflug als „Demonstration der Stärke“ und Antwort auf den jüngsten Abschuss einer Hwasong-12 Mittelstreckenrakete Richtung Japan verstanden wissen.

Analysten weisen auf die zeitliche Nähe zu dem Säbelrasseln Trumps auf Twitter hin. „Die USA haben mit Nordkorea verhandelt und über 25 Jahre Lösegeld gezahlt“, echauffierte sich der US-Präsident in einem Tweet am Mittwoch. „Reden ist nicht die Antwort.“

 

Der kryptische Tweet reiht sich ein in die „Feuer und Wut“-Äußerung, mit der Trump Anfang August auf den Test einer Interkontinental-Rakete reagiert hatte. Später drohte der Präsident damit, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen“. 

Während sich damals Außenminister Rex Tillerson beeilte, zu versichern, die USA hielten daran fest, auf friedlichem Weg den Druck auf Nordkorea zu erhöhen, lag es diesmal an Pentagon-Chef James Mattis die bellizistischen Äußerungen Trumps zu relativieren.   

Nach einem Gespräch mit seinem südkoreanischen Kollegen Song Young-moo im Pentagon am Mittwoch, erkundigte sich ein Reporter, ob nach dem Raketenüberflug von Japan die Diplomatie am Ende sei. „Wir sind niemals am Ende mit diplomatischen Lösungen“, sagte Mattis nur wenige Stunden nach dem Trump-Tweet.

Experten über Trumps Nordkorea-Strategie

Abraham Denmark, der früher als stellvertretender Ministerialdirektor im Pentagon für Ostasien zuständig war, erklärt die gemischten Signale der US-Regierung gegenüber CNN als strategisches Durcheinander. „Die Idee, das hier einer die Rolle des Guten und ein anderer die des Bösen übernimmt, sieht mir mehr nach einer Ausrede für das Chaos in der Regierung aus.“

Zumal dieses Spiel keinen Sinn machte. „Es unterminiert dramatisch die Fähigkeit des Außenministeriums, Nordkorea Gespräche anzubieten, wenn der Präsident gleichzeitig deutlich macht, dass er nicht an Bord ist“, meint Denmark. „Das hat null Glaubwürdigkeit.“

Bruce Klingner von der Trump nahen Heritage-Stiftung widerspricht. „An der Strategie, Druck auszuüben hat sich nichts geändert.“ Verhandlungen hätten bisher keine Ergebnisse produziert. Das reflektiert die Sicht des Präsidenten, der am Mittwoch eine halbe Stunde lang mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe über die Lage nach dem Überflug einer nordkoreanischen Rakete sprach.

Nordkoreas Drohungen sollen Kalkül sein

Nordkorea zeigte sich wenig beeindruckt von den Drohgebärden Trumps. Die staatliche „Korean Central News Agency“ nannte den Raketentest vom Dienstag „ein bedeutsames Präludium, Guam einzudämmen“. Damit gemeint ist das US-Territorium im Pazifik, von dem aus die USA ihre Macht in Ostasien projizieren. Nordkorea hatte damit gedroht, die amerikanischen Militäranlagen dort könnten Ziel eines Raketenschlags werden

„Suzanne DiMaggio von der New America Foundation“ in Washington hält die Ankündigung der Nordkoreaner, weitere Tests durchzuführen, für plausibel. Pjöngjang versuche damit eine Verhandlungsposition aufzubauen. „Sie könnten dann in einer Position der Stärke in Gespräche gehen.“

Auch andere Analysten, wie der ehemalige Direktor der Nationalen Geheimdienste, James Clapper, erkennen dahinter ein Kalkül des Nordens, der wisse, dass den USA und deren Verbündeten die strategischen Optionen im Umgang mit der Nuklearmacht fehlten. „Wir werden uns die Nase zuhalten müssen, um dann ein paar Zugeständnisse zu erwägen.“    

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen