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Terrorismus : USA fassen Top-Terroristen in Libyen

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US-Spezialeinheiten ist ein Doppelschlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2013 | 08:35 Uhr

In der libyschen Hauptstadt Tripolis fassten sie am Samstag den Top-Terroristen Abu Anas al-Libi, der wegen der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 international gesucht wurde. Praktisch zeitgleich griff die US-Elitetruppe Navy Seals die islamistische Al-Shabaab-Miliz in Somalia an, die zwei Wochen zuvor die blutige Geiselnahme in Nairobi verübt hatte.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel lobte die Aktionen. «Diese Einsätze in Libyen und Somalia senden ein starkes Signal an die Welt, dass die Vereinigten Staaten keine Mühen scheuen werden, um Terroristen zur Verantwortung zu ziehen, egal wo sie sich verstecken und wie lange sie sich der Justiz entziehen.» Die USA würden den «unerbittlichen Druck gegen terroristische Gruppen» auch weiterhin aufrechterhalten, erklärte Hagel.

US-Außenminister John Kerry sagte im Vorfeld des Apec-Gipfels in Nusa Dua auf Bali, der Doppelschlag mache deutlich, dass die USA nie in ihrem Bemühen nachlassen würden, die Urheber von Terrorakten zur Rechenschaft zu ziehen. Hagel teilte mit, die Präzision, globale Reichweite und Fähigkeiten des US-Militärs seien «unvergleichlich».

Al-Libi werde von US-Militärs an einem sicheren Ort außerhalb Libyens festgehalten, schrieb Pentagon-Sprecher Little beim Kurznachrichtendienst Twitter. US-Medien zufolge soll die libysche Regierung über den Einsatz in Tripolis unterrichtet gewesen sein. Allerdings kritisierte die libysche Führung die Festnahme Al-Libis.

Die Übergangsregierung verlange wegen der «Entführung» eines libyschen Staatsbürgers von den US-Behörden Aufklärung, meldete die offizielle Nachrichtenagentur Lana am Sonntag. Zugleich äußerte Tripolis die Hoffnung, dass die strategische Partnerschaft mit den USA von diesen Ereignissen nicht beeinflusst werde.

Laut «New York Times» und CNN wurde Al-Libi in der libyschen Hauptstadt gefasst. Der mutmaßliche Terroranführer war im Jahr 2000 von einem Gericht in New York wegen seiner Schlüsselrolle bei den Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) angeklagt worden. Bei den zeitgleichen Anschlägen im Jahr 1998 waren 230 Menschen getötet und Tausende verletzt worden.

Die US-Bundespolizei FBI hatte eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (3,7 Millionen Euro) auf Hinweise ausgesetzt, die zu Al-Libis Ergreifung führen. Ob der mutmaßliche Terroristenchef bei der Festnahme verletzt wurde, war zunächst nicht bekannt. Al-Libi gehörte zu den meistgesuchten Terroristen weltweit.

«Das war ein großer Coup», sagte ein CNN-Terrorexperte, «Al-Libi ist eine Schlüsselfigur der Al-Kaida.» US-Experten erhoffen sich von ihm Insiderinformationen über das Terrornetzwerk.

Im Süden Somalias griffen Soldaten der Elitetruppe Navy Seals in der Nacht zum Samstag das Haus eines Anführers der islamistischen Al-Shabaab an. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, George Little, bestätigte einen Einsatz mit US-Beteiligung. Augenzeugen in der somalischen Hafenstadt Barawe berichteten, die Soldaten seien mit Booten gekommen und hätten ein Al-Shabaab-Versteck gestürmt.

Noch vor Morgengrauen seien die Spezialkräfte vom Indischen Ozean aus angerückt und hätten das Feuer auf ein Haus eröffnet, hieß es bei der «New York Times». Der Angriff sei vor mehr als einer Woche geplant worden - als Reaktion auf den Anschlag der Al-Shabaab in Nairobi. Maskierte Terroristen hatten dort im Einkaufszentrum Westgate um sich geschossen und Geiseln genommen. Erst nach mehreren Tagen endete die Geiselnahme mit mindestens 72 Toten.

Wie ein US-Regierungsvertreter der «Washington Post» sagte, wurden bei dem Einsatz in Barawe vermutlich fünf Al-Shabaab-Kämpfer getötet, darunter ein hochrangiges Mitglied der Miliz. Doch vor einer Überprüfung habe die Spezialtruppe sich zurückziehen müssen, sagte ein US-Regierungsvertreter der «New York Times». US-Militärs wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht verletzt. Die Navy Seals sind die Elite-Einheit, die im Mai 2011 auch Terrorchef Osama bin Laden in Pakistan tötete.

In Somalia liefern sich die Regierungstruppen seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Bürgerkrieg gegen radikalislamische Milizen. Sie werden im Kampf gegen die Al-Shabaab von afrikanischen Truppen unterstützt.

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