US-Soldat nach fünf Jahren in der Gewalt der Taliban wieder frei

Präsident Obama (M.) mit den Eltern des befreiten Soldaten.
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Präsident Obama (M.) mit den Eltern des befreiten Soldaten.

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01. Juni 2014, 16:10 Uhr

Das Weiße Haus zog alle Register, die Befreiung des Feldwebels der US-Army in Szene zu setzen. Barack Obama trat im Rosengarten vor die Kameras, um die Rückkehr „Amerikas einzigen Kriegsgefangenen“ zu zelebrieren. „Während Bowe weg war, haben wir ihn nicht vergessen“, sagte der Präsident mit viel Pathos und den gerührten Eltern an seiner Seite.

Vater Bob Bergdahl und Mutter Jani zeigten sich überwältigt. „Wir bleiben für Dich stark“, versprach sie ihrem Jungen nach der dramatischen Übergabe in Afghanistan. Er wurde zur Untersuchung in die US-Militärklinik im deutschen Landstuhl (Rheinland-Pfalz) ausgeflogen, wo Bowe Bergdahl gestern Abend eintraf.

Der Gefangenenaustausch ist jedoch alles andere als unumstritten. Handelte es sich bei den im Gegenzug aus Guantanamo in den Golfstaat Katar freigelassenen fünf Taliban doch um ehemalige Anführer. Darunter Ex-Innenminister Khirullah Said Wali Khairkhwa, der enge Kontakte zu Osama bin-Laden unterhielt und der hochrangige Militärbefehlshaber Mullah Mohamad Fazi, der den Tod Tausender Schiiten auf dem Gewissen hat. „Diese speziellen Individuen sind knallharte Terroristen“, stänkert der republikanische Senator John McCain. Andere Senatoren und Repräsentanten beschwerten sich lautstark, der Präsident habe geltendes Recht gebrochen. Der Kongress sei nicht wie vorgeschrieben 30 Tage vorher informiert worden. Verteidigungsminister Chuck Hagel wies die Vorwürfe zurück. „Wir brauchten die Flexibilität, schnell zu handeln“. Im Umfeld der Regierung heißt es, das Scheichtum habe Vorkehrungen getroffen, damit die Freigelassenen keine Gefahr mehr darstellten.

Bergdahl war 2009 auf mysteriöse Weise im Südosten Afghanistans verschwunden. Filmreif verlief seine Rückkehr in der Provinz Khost. Gegen 19 Uhr 30 Ortszeit landeten US-Hubschrauber an einem mit den Taliban vereinbarten Ort. Diese übergaben den abgemagerten Soldaten. Laut Pentagon war Bowe völlig verunsichert. Im Hubschrauber versicherten ihm seine Kameraden: „Wir haben lange nach Dir gesucht“. Bowe sei darauf in Tränen zusammengebrochen.

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