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Vorwahlen 2016 : US-Präsidentenwahl: New Hampshire entscheidet sich für die Außenseiter

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Donald Trump und Bernie Sanders deklassieren die etablierten Kandidaten. Was Sie noch über die Vorwahl in New Hampshire wissen sollten.

Washington | Der Ausgang der Vorwahlen in dem Granitstaat sendet politische Schockwellen durch die USA. Sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten entschieden sich die Wähler für Kandidaten, die gegen das Establishment ihrer Parteien angetreten waren. Trump und Sanders setzten sich nicht nur knapp, sondern mit deutlichem Abstand durch. Trump siegte mit 34 Prozent der Stimmen, mehr als doppelt soviel wie der zweitplatzierte John Kasich (16 Prozent). Sanders lag mit 60 zu 38 Prozent satte 21 Punkte vor Clinton.

Wie sind die Reaktionen auf das Ergebnis? Im Liveblog halten wir Sie auf dem Laufenden.

Die ersten drei Wahlen in Iowa, New Hampshire und South Carolina - plus die vierte in Nevada - sind eine sehr wichtige Rampe. Früher Erfolg bringt Geld, Unterstützung, Aufmerksamkeit und das „Momentum“. Wer bei den Republikanern gewinnen will, sollte in mindestens zwei dieser Wahlen sehr gut abschneiden. Wer drei von vier gewinnt, könnte theoretisch im März schon am Ziel sein. Es spricht aber viel für ein langes Rennen.

„Wir werden Amerika wieder groß machen”, zitierte der strahlende Wahlsieger der Republikaner seinen Wahlslogan zum Auftakt der Siegesrede vor seinen enthusiastischen Anhänger, die „USA, USA” skandierten. „Lieben wir unser Land”, fragt der Kandidat, der seinen Wahlkampf mit nationalistischen Parolen, Mexikaner- und Muslimen-Hetze führte.


Was will Trump verändern?

Trump versprach an der Südgrenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, das Militär aufzurüsten und das Waffenrecht zu verteidigen. „Ich werde der größte Job-Präsident sein, den Gott jemals geschaffen hat”. Amerika werde unter seiner Führung nur noch siegen. „Wir schlagen China, Japan und Mexiko den klassischen Weg. Die Welt wird uns wieder respektieren. Glaubt es mir.”  

Die Republikaner entschieden sich damit für einen Kandidaten, der verspricht, elf Millionen umdokumentierte Einwanderer zu deportieren und keine Muslime mehr in die USA einreisen zu lassen. Nachwahl-Umfragen zeigen, dass Zweidrittel aller republikanischen Wähler für den Muslimen-Bann sind.

Eine Übersicht der Vorwahl-Ergebnisse der Republikaner:

Sanders deutlich vor Clinton

Der demokratische Wahlsieger trat mit einer fast entgegen gesetzten Botschaft vor seine begeisterten Anhänger, die Schilder mit der Aufschrift „Eine Zukunft an die wir glauben können” in die Luft hielten. Nach einem Schluck aus der Wasserflasche verschaffte sich der 74-jährige Senator Gehör über enthusiastische „Bernie, Bernie”-Rufe.

Er dankte seinen Anhängern und den Wählern für die Rekord-Wahlbeteiligung. „Die Menschen in New Hampshire haben eine klare Botschaft an das politische, wirtschaftliche und Medien-Establishment geschickt: Die Leute wollen wirkliche Veränderungen.” Sanders versprach eine politische Revolution und grundlegende wirtschaftliche Reformen.   

Der Senator sprach über seine Herkunft als Sohn einer Immigranten-Familie aus Polen, die der in einer Sozialwohnung in Brooklyn aufwuchs. Seine Eltern hätten niemals davon geträumt, ihren Sohn für das Präsidentenamt der USA kandidieren zu sehen. Das ist das Versprechen Amerikas, das wir am Leben erhalten müssen wir die nächste Generation.”   Das Land könne es sich nicht leisten, die Republikaner zurück ins Weiße Haus zu lassen. „Die Rechtsaußen-Kandidaten dürfen die Präsidentschaft nicht gewinnen”.  

Was will Sanders verändern?

Bei den Demokraten stimmten die Wähler damit für einen Bewerber, der offen dazu steht, ein demokratischer Sozialist zu sein. Sanders setzt sich unter anderen für höhere Steuern für Spitzenverdiener, kostenlose Universitäten, bezahlten Familien-Urlaub und eine allgemeine Krankenkasse für alle Amerikaner ein. 

Clinton trat am Wahlabend als erste vor die Kameras und gratulierte Sanders. Mit Ehemann Bill und Tochter Chelsea an ihrer Seite richtete sie den Blick nach vor auf die nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina. „Jetzt tragen wir den Wahlkampf ins ganze Land”. 

Die Kandidatin zeigte Verständnis für den Ärger der Wähler und empfahl sich als Reformern. „Ich werde härter als jeder arbeiten, die Veränderungen zu bringen, die ihr wollt.”    

Für Hillary Clinton wird es nun eng

 

Die Schlappe in New Hampshire signalisiert mehr als eine Niederlage bei den ersten Primaries der Vorwahl-Saison. Die Wähler in dem Bundesstaat, der Hillary 2008 und Ehemann Bill 1992 ein Comeback bescherte, weist die gesetzte Favoritin entschieden zurück. Clinton hatte die Rückendeckung aller Funktionäre und Mandatsträger der Partei in New Hampshire

Sie verlor nicht nur 85 Prozent der Wähler unter 30 Jahren an den 74-jährigen Polit-Opa aus Vermont, sondern auch die Frauen. Sanders schlug Clinton bei den Frauen mit 53 zu 47 Prozent. Das ist ein Tiefschlag für Hillary, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden möchte. Bei den Unabhängigen lag Sanders mehr als 40 Punkte vor Hillary, die dieses Segment der Wähler vor acht Jahren im Wettbewerb mit Barack Obama für sich sichern konnte. 

Ein wesentlicher Grund für ihr schlechtes Abschneiden ist das Glaubwürdigkeitsdefizit der Kandidatin. Umgekehrt profitiert Sanders von dem Vertrauen, das die Wähler ihm entgegenbringen.

Eine Übersicht der Vorwahl-Ergebnisse der Demokraten:



Bei den Republikaner landete der Gouverneur aus Ohio, John Kasich, auf dem zweiten Platz. Im Unterschied zu allen anderen Kandidaten der Konservativen führte der moderate Politiker einen rundherum positiven Wahlkampf mit traditionell republikanischen Themen. Seine Strategie zahlte sich aus, bei 106 Versammlungen den direkten Dialog mit den Bürgern zu suchen. Dritter wurde der Wahlsieger von Iowa Ted Cruz (12 Prozent). Der ultrakonservative Senator aus Texas schnitt in Neuengland besser als erwartet ab. 

Dagegen büßte Marco Rubio (11 Prozent) für einen katastrophalen Fauxpas bei der letzten Repubunlikaner-Debatte vergangenen Samstag als drei Mal hintereinander im Wortlaut dasselbe sagte. Er entschuldigte sich bei seinen Anhängern für sein Versagen und versprach: „Das wird nicht wieder passieren”.  

Chris Christie (8 Prozent), der Rubio bei der Debatte regelrecht vorgeführt hatte, konnte seinerseits nicht davon profitieren. Er schnitt unter den etablierten Kandidaten am schwächsten ab und könnte in den kommenden Tagen das Ende seiner Kandidatur erklären. Ebenfalls enttäuschend war das Abschneiden Jeb Bushs (11 Prozent), der mit mehr als 70 Millionen Dollar am meisten von allen Kandidaten ausgegeben hat.

Die Republikaner werden Samstag in einer Woche vor einer spannenden Entscheidung in South Carolina, dem ersten Südstaat, stehen. In Nevada muss Bernie Sanders am selben Tag bei den Demokraten zeigen, dass er auch in einem Bundesstaat mit einem größeren Anteil an Minderheiten gewinnen kann.

Wer sind die Kandidaten eigentlich? Wofür stehen sie? Hier ist eine Übersicht.

 

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erstellt am 10.Feb.2016 | 07:37 Uhr

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