Trump gegen den Westen : US-Präsident Donald Trump isoliert sich bei G7-Gipfel

Das „Familienfoto“ der Staats- und Regierungschefs.
Das „Familienfoto“ der Staats- und Regierungschefs.

Beim G7-Gipfel in Kanada setzt US-Präsident Trump beim Thema Handel, Iran und Klima auf das Recht des Stärkeren.

shz.de von
09. Juni 2018, 11:34 Uhr

Charlevoix, Quebec | Das Lächeln der beiden Staatsmänner beim Händeschlag vor den saftig grünen Hügeln Quebecs wirkte ein wenig gequält. Justin Trudeau, der Gastgeber des G-7-Gipfels im vornehmen „Fairmont Le Manoir Richelieu“-Hotel in Charlevoix, gab sein bestes, sich die Verärgerung über den mit einstündiger Verspätung eingetroffenen Donald Trump nicht anmerken zu lassen. 

Auch von der die im April noch zur Schau gestellten „Bromance“ zwischen dem amerikanischen Präsidenten und Emmanuel Macron war beim Auftakt des Treffens der Führer der sieben wichtigsten Industrienationen nicht viel zu spüren. Konnte der französische Präsident die Absage des geplanten Vieraugen-Gesprächs mit Trump als kaum etwas anderes als Unfreundlichkeit zu verstehen.

Angespannte Stimmung

Nicht anders nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die britische Premierministerin Theresa May, der neue italienische Regierungschef Giuseppe Conte und EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Ankündigung des Präsidenten auf, sich den zweiten Tag des Gipfels zu schenken. Um einen Eklat zu vermeiden, zogen die Gipfelstürmer das Gruppenbild mit Trump vor. Bereits am Samstag früh wollte Trump zu dem Gipfel am Dienstag mit Kim Jong-Un nach Singapur aufbrechen.  

Analysten sehen in der demonstrativen Abreise ein Symbol für den Abschied der USA aus der westlichen Werte-Gemeinschaft. „Die Leute müssen aufwachen und verstehen, dass Donald Trump Vertrauen und Einfluss überall auf der Welt unterminiert“, schlägt Steven Clemons von der „New America Foundation“ Alarm. „Das wird mit Kosten verbunden sein.“   

Trump wünscht sich Russland

„Er hat nettere Dinge über den Diktator zu sagen als über die engsten Freunde der USA“, beobachtet MSNBC-Moderatorin Chris Jansing über die Breitseiten, die Trump vor dem G7-Treffen abfeuerte. Und über Wladimir Putin, dessen Rückkehr in die illustre Runde er vor seiner Abreise nach Kanada gefordert hatte. „Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen.“ Und zwar ohne jedwede Vorbedingung.

Russland war 2014 ausgeschlossen worden, weil es mit militärischer Gewalt den Anschluss der Krim erzwungen hatte. Wegen der ersten gewaltsamen Grenzänderung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg bestand bisher Konsens, dass eine Rückkehr so lange ausgeschlossen bleibe, bis die Annexion des ukrainischen Staatsgebiets rückgängig gemacht werde. 

Unisono wiesen die Europäer in Charlevoix das Ansinnen zurück, Russland einfach so wieder aufzunehmen. Die fragen sich schon seit einiger Zeit immer offener, in welchem Team die USA unter dem „America First“-Präsident eigentlich spielen? Der britische „Economist“ illustriert die Stimmung in Charlevoix mit einem Titelbild, das Trump zum Reiter einer Abrissbirne der Nachkriegsordnung darstellt.

Kritik an Trump

Das konservative Blatt rät den Verbündeten, den Anfängen zu wehren und die auf Regeln basierte multilaterale Weltordnung zu verteidigen. „Mr. Trump zieht es vor, zu der alten Idee, des Rechts des Stärkeren zurückzukehren.“ Es sei besser, „Trump jetzt in die Schranken zu weisen, wo der Disput noch relativ klein ist.“

Macron führte die Kritiker in Kanada an. Dann werde es eben ein Kommuniqué ohne die USA geben, sagte er zu dem traditionellen Schlussdokument, dessen in Inhalt zu Beginn des Treffen nicht einmal in den Grundzügen stand.

„Vielleicht macht es dem amerikanischen Präsidenten heute nichts aus, isoliert zu sein“, erklärte der französische Präsident, „aber uns macht es auch nichts aus, wenn wir nur zu sechst sind, wenn es sein muss.“ Damit spricht Macron offen an, was in den Delegationen schon hinter vorgehaltener Hand als „6 plus 1“-Gipfel bezeichnet wurde.

Hauptstreitpunkte in Charlevoix bleiben Strafzölle und Handelsprotektionismus, die Aufkündigung des Atomabkommens mit Iran und der Ausstieg aus dem Klimaabkommen.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow sorgte für massive Verstimmung als er das auf Regeln basierte System für „Kaputt“ erklärte. „Multilaterale internationale Organisationen werden die amerikanische Politik nicht bestimmen.“

Wie sehr der Präsident selber auf Krawall in Quebec gebürstet ist, machte er vor der Abreise klar. „Ich freue mich darauf die unfairen Handelsabkommen mit den G7-Ländern auszubügeln“, erklärte Trump. „Wenn das nicht gelingt, wird es uns umso besser gehen.“

Für den Handelsexperten Eswar Prasad von der Elite-Universität Cornell ist der offene Schlagabtausch auf dem während der Ölkrise in den 70er Jahren als Demonstration der Einigkeit des Westens ins Leben gerufene Gipfel ein Vorbote. „Trump’s Bereitschaft, von Kernelementen der Nachkriegsordnung suggeriert, dass ein massiver Bruch bevorsteht.“

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