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Der Präsident als Sicherheitsrisiko : US-Geheimdienste ringen mit täglichem Briefing für Trump

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Die Experten in den Fachreferaten sorgen sich um den Umgang des Präsidenten mit sensiblen Informationen.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 17:38 Uhr

Washington | Das „Presidential Daily Briefing“ (PDB) gehört zu den wenigen Konstanten im Weißen Haus, an denen der sprunghafte Amtsinhaber festhält. Spätestens um 10.30 Uhr finden sich sein Nationaler Geheimdienst-Direktor Dan Coats und CIA-Chef Mike Pompeo im Oval Office ein. Nach Lage der Dinge kommen auch andere Spitzen der insgesamt 17 US-Geheimdienste und ein Tross an Experten aus den Fachreferaten hinzu. „Alles klar, was sind die schlechten Nachrichten heute morgen?“, gehört zu den Sätzen, mit denen Trump hinter seinem als „The Resolute“ bekannten Schreibtisch die Runde begrüßt. Stets dabei ist auch der Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster, den Trump bloß „meinen General“ nennt, Vizepräsident Mike Pence und hohe Mitarbeiter aus dem West Wing.

Das FBI untersucht Vorwürfe einer russischen Einflussnahme auf die US-Wahl sowie Kontakte zwischen Mitgliedern von Trumps Wahlkampfteam und Vertretern Russlands. Der Bericht der „Washington Post“ über einen möglichen Geheimnisverrat an Russland sorgte im Mai zusätzlich für Zündstoff.

Sein in der Russland-Affäre bedrängter Schwiegersohn Jared Kushner sitzt meist still im Hintergrund. Er hat zu diesem Zeitpunkt bereits ein persönliches Briefing vorab erhalten. Ein beispielloses Privileg für einen Mitarbeiter des Weißen Hauses, das Fragen aufwirft angesichts der Versuche Kushners, damals noch als Privatperson, an den Diensten vorbei einen Geheimkanal zu Moskau einzurichten. 

Laut einer investigativen Recherche der „Washington Post“, die auf Interviews mit mehreren Teilnehmern des täglichen Rituals gehört, verlangt Trump knappe Informationen. „Er konsumiert Geheimdienstinformationen wie alles sonst im Leben“, beschreibt Philip Rucker das Verhalten des Präsidenten. „Gefräßig und ungeduldig, begierig die glitzernden Brocken zu schlucken und oft gleichgültig gegenüber den Feinheiten.“

Der chronisch ungeduldige „Commander-in-Chief“ will nicht mehr als ein Blatt Papier erhalten, auf dem die wichtigsten Entwicklungen des Tages hinter Aufzählungspunkten aufgelistet sind. Wie in seiner Zeit als Baumagnat in Manhattan verlangt er von den Schlapphüten Visuelles - Bilder, Karten und Videos. Laut CIA-Chef Pompeo hat Trump ein Fabel für „Killer-Schaubilder“.

Den Geheimdienstlern in Fachreferaten bereitet nicht nur Sorge, ob Trump die wichtigen Differenzierungen verinnerlicht. Teilnehmer der Briefings äußerten auch Zweifel, ob der 70-jährige die sensiblen Informationen, Methoden und Quellen in ihrer Gänze versteht und für sich behält. Wie begründet die Skepsis ist, bestätigte Trump selbst als er am 10. Mai bei einem Treffen im Oval Office mit dem russischen Außenminister Sergej Lavorv und Sergej Kislyak munter Staatsgeheimnisse ausplauderte, die US-Geheimdienste mit strikten Auflagen von den Israelis erhalten hatten

Der Präsident der „Geheimdienste-Akademie“ Mark Lowenthal weiß, wie Experten in den Diensten damit hadern, „ihm brisantes Material zu überlassen“. Der Präsident als Sicherheitsrisiko? Lowenthal sagt der „Post“, dies sei das Ergebnis des Umgangs Trumps mit seinen Diensten. „Und jetzt kommt diese ganze Russland-Sache noch dazu.“  

Wenn Trump etwas nicht gefällt oder er mehr Informationen will, verteilt er Arbeitsaufträge. Bevorzugter Adressat des Präsidenten ist nach Aussagen des Nationalen Geheimdienstdirektors Coats nicht er selbst, sondern Sicherheitsberater McMaster. „General, gib mir mehr Informationen“, verlangt er dann.  

Spätestens nach 45 Minuten sind die Briefings vorüber. Dann erscheint Stabschef Reince Pribus in der Tür und erinnert die Teilnehmer, der Präsident habe noch etwas zu tun. 

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