zur Navigation springen

US-Geheimdienste drehen den Spieß um

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Während hohe deutsche Regierungsbeamte im Weißen Haus ein Ende der Bespitzelung durch die Supermacht verlangen, schalten der Direktor der Nationalen US-Geheimdienste, James Clapper, und NSA-Chef Keith Alexander auf Offensive. Scheinheilig seien die Klagen der Europäer, deren Spione selber horchten und spähten. Auch in den USA. Europäische Politiker, die sich öffentlich aufplusterten, wüssten oft nicht, „was ihre Geheimdienste tun“, erklärte Clapper süffisant bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus.

Parallel dazu streuten „hohe Mitarbeiter“ Informationen, wonach der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) 2008 ungewollt eine Liste mit 300 Telefonnummern von US-Bürgern ausgehändigt habe. Ein Hinweis auf angebliche Spionagetätigkeit der Deutschen auf US-Boden. BND-Chef Gerhard Schindler wies den Vorwurf der Amerikaner entschieden zurück.

Ihr Fett bekamen auch Franzosen und Spanier ab. Diese regten sich über Dinge auf, die ihre eigenen Geheimdienste angestellt hätten und schöben sie nun den Amerikanern in die Schuhe. Die Rede ist von den 70 Millionen abgegriffenen Telefon-Meta-Daten in Frankreich und den 60 Millionen Datensätzen in Spanien.

Clapper gab zu verstehen, dass er die ganze Aufregung um Angela Merkels Handy und die Überwachung der Kommunikation anderer Regierungschefs für übertrieben halte. „Es ist unersetzlich für uns zu wissen, was die Länder bewegt, was ihre Politik ist“, erklärte er.

Michael Allen, der unter George W. Bush als Berater für nationale Sicherheit im Weißen Haus arbeitete, hält es unterdessen für so gut wie ausgeschlossen, dass US-Präsident Barack Obama fünf Jahre lang nichts von den Lauschangriffen auf befreundete Regierungschefs gewusst haben soll.

Vom NSA-Abhörskandal soll nach Angaben der italienischen Wochenzeitschrift „Panorama“ auch der Vatikan unter dem damaligen deutschen Papst Benedikt XVI. betroffen sein. Unter den zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 mitgehörten Telefonaten sollen Verbindungen aus dem und in den Vatikan sein.

Gestern trafen Merkels außenpolitischer Berater Christopher Heusgen und Geheimdienst-Koordinator Günther Heiß im Weißen Haus zu Krisengesprächen mit Obamas Nationaler Sicherheitsberaterin Susan Rice und der Heimatschutz-Beauftragten Lisa Monaco zusammen. Die Bundesregierung verlangt von den USA ein Abkommen, mit dem die Amerikaner zusagen, auf die Ausspähung von Regierung, Behörden und diplomatischen Vertretungen zu verzichten.

Gestern Abend wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA sich weltweit heimlich in die Leitungen von Rechenzentren der Internetanbieter Google und Yahoo eingeklinkt hat, um die Daten von Hunderten Millionen Nutzerkonten abzugreifen. Dabei habe es sich um Absender- und Empfängerdaten bis hin zu Inhalten wie Text, Tonaufnahmen und Videos gehandelt, schreibt die „Washington Post“ unter Berufung auf Dokumente des Informanten Edward Snowden. Die betroffenen Firmen hätten überrascht und besorgt auf die Vorwürfe reagiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen