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Donald Trump gegen Bob Corker : US-Außenpolitiker warnt: Präsident könnte das Land in dritten Weltkrieg führen

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Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat fürchtet Donald Trumps Verhalten im Weißen Haus.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 19:49 Uhr

Washington | Der milde Südstaaten-Singsang des Senators aus Tennessee geht so wohlig ein, wie der Bourbon seiner Heimat. Doch was Robert Phillips „Bob“ Corker (65) der New York Times in einem 25 Minuten langen Telefon-Interview am Ende eines ungewöhnlich persönlichen Schlagabtauschs mit dem Präsidenten sagte, hat nichts mehr mit „Southern Comfort“ zu tun.  

„Er macht mir Sorgen“, sagt der mächtige Senator an der Spitze des Auswärtigen Ausschuss. „Er sollte jeden besorgen, dem das Wohl unserer Nation am Herzen liegt.“  Der Präsident, so Corker, habe bis heute das Gewicht des Amtes im Weißen Haus nicht verstanden und behandele dieses wie eine Reality-TV-Show.

„Seine unverantwortlichen Drohungen gegen andere Nationen könnten die USA auf den Weg in den Dritten Weltkrieg führen.“ Als Beispiel verwies Corker auf Trumps Twitter-Tiraden gegen Nordkorea, denen der Präsident am Montag eine weitere hinzufügte.

 

Trump habe wiederholt die Diplomatie unterminiert. „Ich weiß er hat uns während laufender Verhandlungen mit diesen Tweets geschadet.“ Vor kurzem erst brüskierte der Präsident seinen Außenminister Rex Tillerson, dessen Überlegungen zu Direktgesprächen mit Nordkorea er öffentlich als Zeitverschwendung bezeichnete. Später fügte Trump dem ominös hinzu: „Nur eines funktioniert.“

Corker sprang Tillerson zur Seite als dieser ins Visier Trumps geriet, nachdem gleich mehrere hohe Mitarbeiter an die Presse durchgestochen hatten, der Außenminister habe den Präsidenten einen „Volltrottel“ genannt. Tillerson gehöre neben Verteidigungsminister James Mattis und Stabschef John Kelly zu den Leuten, die das Land „vor dem Chaos“ retteten.

Eine Aussage, die der Senator in seinem Interview mit der New York Times bekräftigte. „Eine Menge Leute denken, das sei ein 'good cop, bad cop' Spiel“, bei dem Trump die Rolle des Bösen und die anderen die Rolle der Guten übernähme. „Das ist einfach nicht wahr“, sagt Corker.

Der Präsident sei so ein Risiko, dass mehrere hohe Mitarbeiter der Regierung alles täten, ihn vor seinen Instinkten zu schützen. „Ich weiß als Fakt, dass es jeden Tag zu einer Situation im Weißen Haus kommt, in der sie versuchen, ihn einzudämmen.“ 

Konflikt zwischen Corker und Trump beginnt via Twitter

Das Interview markiert den bisherigen Höhepunkt eines Schlagabtauschs zwischen Trump und seinem früheren Unterstützer, der mit unflätigen Tweets des Präsidenten über Corker seinen Anfang nahm. Dieser habe um seine Hilfe bei seiner Wiederwahl gebettelt, wollte Außenminister werden, wozu er „Nein“ gesagt habe, und bekomme nichts durchgesetzt.

„Bob Corker gab uns den Iran Deal und das war es.“ Corker schoss mit der Bemerkung zurück, jemand habe "in der KITA für Erwachsene im Weißen Haus" wohl die Frühschicht verpasst.

 

Analysten versuchen sich einen Reim darauf zu machen, warum Trump sich mit dem einflussreichen Senator anlegt, der sowohl seine Iran-Politik als auch die Steuerreform torpedieren kann. Da Corker nicht wieder antritt, braucht er in den kommenden 18 Monaten im Senat kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.

Was Trump gefährlich werden könnte, ist der Appell des Senators an seine Kollegen, öffentlich zu sagen, was sie privat dächten. „Bis auf ein paar wenige Leute, versteht die Mehrheit der Fraktion, mit wem sie es zu tun hat“, sagt Corker über Trump. „Es bedarf eines unglaublichen Einsatzes der Leute, um ihn herum, ihn in der Mitte der Spur zu halten.“   

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