zur Navigation springen

Fischer-Streit am Höchsten Gericht : Urteil in Dänemark: Dorsch aus Kattegat bleibt Deutschen vorbehalten

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Kattegat gehört zu Dänemark wie das Watt zu Schleswig-Holstein. Doch das Fischerei-Privileg haben Ausländer, und das bleibt auch so, hat das Höchste Gericht des Landes entschieden.

Kopenhagen | Ein klares Urteil ist gefällt, die Absurdität bleibt: Das dänische Höchstgericht, als letzte Gerichtsinstanz zuständig für Präzedenzfälle, hat entschieden, dass deutsche Fischer nach wie vor im Kattegat Dorsch fischen dürfen, Dänen aber nicht. Damit geht ein jahrelanges Tauziehen um die Rechte dänischer Fischer im Vergleich zu europäischen Konkurrenten zu Ende.

Deutsche Fischerboote machen sich in dem Meeresgebiet zwischen Jütland und der schwedischen Westküste die Netze voll, während die Dänen vor Anker liegen. Das Gericht hatte zu entscheiden, ob in diesem Streitfall dänisches, schwedisches oder EU-Recht zur Geltung kommt.

Dänen und Schweden dürfen, aufgrund nationaler Gesetzgebung, in bestimmten Zonen im Kattegat nicht auf Fischfang gehen, weil der Kattegat-Dorsch geschützt werden soll. Die Verteidigung der drei Fischer klagenden Fischer war jedoch der Ansicht, dass es gegen EU-Recht verstoße, auf dem Gebiet nationale Gesetze einzuführen. Die Fischer aus Gilleleje hatten auf der Jagd nach Kaisergranat im Kattegat gegen geltendes Recht verstoßen und waren gegen ihre Verurteilung bis vor die höchste Instanz gegangen.

Das Höchstgericht hat jetzt entschieden, dass die dänischen Gesetze gültig und von dänischen Fischern zu befolgen sind. Damit wurde ein Urteil aus zweiter Instanz bestätigt, nachdem die Fischer jeweils 63.000, 13.500 und 3.000 Kronen Strafe zahlen müssen.

Fischereiverband: Todesstoß für Hafen in Gilleleje

„Eine Katastrophe. Eine nächste Generation von Fischern wird es in Gilleleje nicht geben“, sagt Jan Nordahl Petersen, Ortsvorsitzender des Dänischen Fischereiverbandes in Gilleleje, gelegen in Nordseeland, am Eingang des Kattegats zum Öresund.

Die einzige Hoffnung sei nun, dass man durch politische Eingriffe beschließe, die dänischen Gesetze auflockert oder aufhebt. Doch da, so Petersen, sei er wenig optimistisch.

Den Prozess geführt haben die drei Fischer übrigens nicht selbst, das hat der Dänische Fischereiverband übernommen. Und dessen Direktor Niels Wichmann ist ähnlich enttäuscht. „Das einzige, worum wir die ganze Zeit gebeten haben, ist, den Fall vor den europäischen Gerichtshof zu bringen. Doch dem sind weder Stadt-, Land-, noch Höchstgericht gefolgt. Darüber sind wir sehr enttäuscht“, so Wichmann.

Greenpeace: Selbstmitleid der Fischer nicht zu ertragen

Birgitte Lesanner, Chefin von Greenpeace in Dänemark, ist froh über das Urteil und erschüttert über die Reaktion der Fischer: „Jetzt hat das Höchstgericht entschieden, dass sie illegal gefischt haben, und trotzdem haben sie weiter Selbstmitleid. Das provoziert mich einfach nur", sagte sie nach dem Urteil. Den Fischern und ihrem Verband sagt sie: „Ihr brecht willentlich das Gesetz – ein Gesetz, das gemacht wurde, um ein klitzekleines Stück Meer zu schützen, um einen Fischbestand zu sichern, von dem ihr lebt.“

Vor sechs Jahren war der Dorschbestand im Kattegat an einem Tiefststand angelangt, weshalb Dänemark und Schweden eine Übereinkunft darüber erzielten, dass in „Gebiet 3“ im Kattegatt nicht mehr gefischt werden darf. Die Fischer argumentierten, dass sie ja nur auf Kaisergranat fischen. Doch dabei, so die Greenpeace-Chefin, unterschlagen sie, dass sie mit ihren Schleppnetzen auch Dorschnachwuchs im Beifang haben und zugleich den Meeresgrund – das Laichgebiet der Dorsche – aufwühlen.

2010 montierten Greenpeace-Aktivisten GPS-Geräte an Fischerbooten in Gilleleje, um deren illegale Aktivitäten nachzuweisen. Das klappte – allerdings erhielt Greenpeace auch eine Strafe von 25.000 Kronen wegen der Aktion.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 17:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen