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„Unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst spaltet seine Diözese / Seit seinem Amtsantritt traten 25 000 Katholiken des Bistums aus der Kirche aus / Wann reagiert der Papst?

Als 2010 der Augsburger Bischof Walter Mixa nach einer Affäre um angebliche Prügel für Heimkinder zurücktreten musste, atmete das katholische Deutschland auf. Einer der umstrittensten kirchlichen Würdenträger der jüngeren Geschichte war nicht mehr im Amt. Zum ersten Mal hatten medialer Druck und kritische Stimmen in der Kirche einen unfähigen Bischof aus dem Amt gejagt.

Nun scheint es ein wenig so, als würden sich die Dinge wiederholen. In Limburg, einer hessischen Kleinstadt mit 34 000 Einwohnern. Seit 1827 sitzt dort ein katholischer Bischof, zu dessen Diözese unter anderem die Millionenstadt Frankfurt/Main gehört. Es ist ein Bistum der Gegensätze, der Fachwerkhäuser und der Wolkenkratzer. Geprägt vom liberalen Franz Kamphaus, der als letzter katholischer Bischof in Deutschland dem Papst in der Frage der Schwangerschaftskonfliktsberatung die Stirn bot und als Bischof bescheiden in einem Priesterseminar logierte. Und nun geleitet von Franz-Peter Tebartz-van Elst: Ein Mann aus Kevelaer, vom rappelkatholischen Niederrhein, ein Bischof, dessen bisherige Amtszeit einem Desaster gleicht, und den der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller jetzt als „unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank“ charakterisiert. Worte, die Gewicht haben, war Schüller doch zuvor persönlicher Referent von Kamphaus.


Der Ruf nach Rücktritt wird lauter


Mittlerweile spricht der Vorsitzende des Priesterrats des Limburger Bistums, Reinhold Kalteier davon, dass der Bischof gehen müsse. Schuld daran ist das „Diözesanzentrum St. Nikolaus“, ein Verwaltungsgebäude, das zudem die Drei-Zimmer-Wohnung des Bischofs und eine Privatkapelle beherbergt. Sein Bau wurde noch vor Amtsantritt des umstrittenen Theologen begonnen. Damals war jedoch die Rede von nur 5,5 Millionen Euro Kosten. Seit Montag steht nun fest: Der Bau kostet 31 Millionen Euro. Der Bischof habe die Steigerungen zum Teil selbst verursacht, sagte der Sprecher des Vermögensverwaltungsrates, Jochen Riebel. Mitarbeiter des Bistums hätten berichtet, der Bischof habe von seinen Dienstreisen stets neue Ideen mitgebracht und sofort in den Bau einfließen lassen. „Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist“, sagte Riebel, Ex-Leiter der hessischen Staatskanzlei, der „Frankfurter Allgemeinen“.

In einer Zeit, in der Papst Franziskus die Armut der Kirche predigt, ist das eine verheerende Entwicklung. Zumal der Bischof wohl auch Kirchenrecht gebrochen hat, wenn er, wie Riebel weiter erklärte, für die Jahre 2012 und 2013 keine Haushaltspläne vorgelegt hat. Zum Vergleich: Im Erzbistum Hamburg ist es Standard, dass der Haushalt der Diözese für Jedermann einsehbar im Internet veröffentlicht wird.

Zudem gibt es den Streit um ein Erste-Klasse-Flugticket nach Indien: Mit dem „Spiegel“ stritt sich der Bischof um die Frage, ob er eine Reise nach Indien in der Luxusklasse antrat.


Luxusflug nach Indien: Staatsanwalt ermittelt


In einem Gespräch mit einem Redakteur erklärte er, nur Businessklasse geflogen zu sein – und dementierte diese Aussage dann in einer eidesstattlichen Erklärung. Doch das Magazin hatte das Gespräch auf Video gebannt. Im Internet ist es veröffentlicht. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Theologen wegen einer Falschaussage unter Eid. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ ist gestern ein entsprechender Strafbefehl ergangen. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, wollte diese Informationen auf Anfrage allerdings weder bestätigen noch dementieren. Bistumssprecher Martin Wind sagte, seines Wissens liege dem Bischof bislang kein Strafbefehl vor.

All diese Vorgänge haben die Glaubwürdigkeit des Bischofs zerstört – seit seinem Amtsantritt 2008 haben 25 000 Menschen im Bistum Limburg die katholische Kirche verlassen. Eine ganze Kleinstadt ist gegangen, freilich auch unter dem Eindruck der Missbrauchsskandale der letzten Jahre. Doch auch da tat sich Tebartz-van Elst nicht unbedingt als Speerspitze der Aufarbeitung hervor.

Immerhin aber scheint der Vatikan im Fall des Limburger Bischofs bereits alarmiert.Eine Sonderkommission der Deutschen Bischofskonferenz soll „alle Kosten, die Finanzierung und die eingeschlagenen Verfahrenswege“ beim Bau des „Diözesanen Zentrums“ überprüfen und erfassen.

Und dass Papst Franziskus bei Problem-Bischöfen zum Durchgreifen bereit ist, hat er schon an anderer Stelle eindrücklich bewiesen: In Slowenien wurden erst kürzlich die Erzbischöfe von Maribor und Ljubljana wegen eines Finanzskandals zum Rücktritt gezwungen.

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erstellt am 10.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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