Understatement ist in

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21. September 2014, 13:53 Uhr

Eine neue Mode breitet sich aus. Sie heißt „Understatement“. Wer beim Gespräch in gehobener Runde berichtet, dass er gerade einen Flachbild-Fernseher erworben habe, der sorgt für Langeweile. Aufmerksamkeit garantiert dagegen die Schilderung, wie man den schon ausgemusterten Röhren-Kasten wiederbelebt hat. Ähnliches passiert bei der Kleidung. Aufgedruckte Designer-Marken gelten nicht mehr als Hinweis auf Mitgliedschaft in der besseren Gesellschaft. Im Gegenteil. Wer es sich leisten kann, zeigt es nicht. An den herkömmlichen Statussymbolen lässt sich die Zugehörigkeit nicht länger erkennen. Auch in den Geschäften hat man sich darauf eingestellt, in dem Kunden am Grabbeltisch keinen Vertreter der Unterschicht zu sehen. Es könnte nämlich ein Rotarier sein, der sich gerade auf dem Trip zum öffentlich dokumentierten Verzicht befindet. Die neue Bescheidenheit bietet allerdings auch Raum für heimliche Sünder. Manches Jackett scheint auf den ersten Blick aus dem Hause Karstadt zu stammen. Bis ein verstecktes Label den berühmten Designer aus Paris verrät.

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