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Salzhemmendorf bei Hameln : Unbekannte werfen Molotowcocktail in Asylbewerber-Wohnung

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Eine Frau mit ihren drei Kindern waren im Nebenraum, als der Brandsatz durch das Fenster geworfen wurde.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 09:30 Uhr

Salzhemmendorf | Mit einem Molotowcocktail haben Unbekannte einen Brandanschlag auf eine Asylbewerber-Unterkunft in Salzhemmendorf bei Hameln verübt. „Der Brandsatz wurde in der Nacht zum Freitag durch ein geschlossenes Fenster in die Wohnung in dem ehemaligen Schulgebäude geschleudert“, sagte Polizeisprecher Jens Petersen. Ein Teppich und eine Matratze gerieten in Flammen.

Eine Mutter und deren drei kleine Kinder, die im Nebenraum schliefen, seien zum Glück unverletzt geblieben. Die Familie wurde in einer anderen Unterkunft untergebracht. Dort werden die Mutter und die Kinder psychologisch betreut.

Die von Anwohnern alarmierte Feuerwehr konnte den Brand löschen. Die Polizei fahndet nach einem flüchtigen Fahrzeug, das am Tatort gesehen wurde. Die Ermittler vernahmen am Morgen Zeugen zu dem Anschlag. Weitere Details wollte Polizeisprecher Petersen nicht nennen.

Der Molotowcocktail wurde durch dieses Fenster geworfen.

Der Molotowcocktail wurde durch dieses Fenster geworfen.

Foto: dpa
 

In der ehemaligen Schule sind nach Polizeiangaben mehr als 30 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern untergebracht.

Der Bürgermeister von Salzhemmendorf, Clemens Pommerening, ist entsetzte über den Brandanschlag in seiner Gemeinde. „Ich bin völlig fassungslos, niemand hätte sich vorstellen können, dass bei uns so etwas passiert“, sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Bei uns herrscht gelebte Willkommenskultur.“ Es habe nichts darauf hingedeutet, dass etwas Vergleichbares hätte passieren können.

Auch für die Polizei kam der Brandanschlag unerwartet: „Es gibt in Salzhemmendorf und auch im gesamten Landkreis keine rechte Szene“, sagte Polizeisprecher Jens Petersen. Es habe im Ort und in anderen Kommunen der Region in der Vergangenheit keine fremdenfeindliche Aktionen gegeben. Möglicherweise handele es sich um die Tat eines Einzelnen.

Auch in einer Asylbewerberunterkunft in Aue (Sachsen) ist am Freitag ein Brand ausgebrochen. Ursache und Hintergründe des Feuers in der bewohnten Unterkunft waren zunächst unklar, die Polizei gab keine näheren Auskünfte. Laut einem Bericht der Chemnitzer „Freien Presse“ wurde in dem Zusammenhang am Vormittag ein älterer Mann festgenommen. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage allerdings lediglich, dass es brennt. Ihren Angaben zufolge hatten Unbekannte bereits in der Nacht auf dem Gelände einen Müllcontainer angezündet.

Der Brandanschlag reiht sich in eine große Anzahl an Anschlägen ein, die in diesem Jahr auf Flüchtlingsheime verübt wurden. Eine Auswahl:

9. Februar 2015 In Escheburg (Schleswig-Holstein) wird ein brennender Benzinkanister in ein Zweifamilienhaus geworfen. An diesem Tag sollten sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen. Verletzt wird niemand. Ein 38-Jähriger wird als Täter identifiziert und verurteilt.
28. Februar 2015 In Liliental bei Bremen werfen Unbekannte einen Molotow-Cocktail an die Hauswand eines Einfamilienhauses. Dort hat die Gemeinde 15 Flüchtlinge untergebracht. Niemand wird verletzt.
4. April 2015 Tröglitz (Sachsen-Anhalt): Unbekannte legen Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Zuvor war der Ort in die Schlagzeilen geraten, als Bürgermeister Markus Nierth nach rechtsextremen Anfeindungen im März zurücktritt.
17. April 2015 Hepberg (Bayern): Unbekannte zünden eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft an. Zehn bis zwölf Personen hätten in den Wohncontainern unterkommen sollen. Der Sachschaden beträgt 10.000 Euro.
6. Mai 2015 Limburgerhof bei Mannheim: Unbekannte zünden eine noch nicht bewohnte Containeranlage für Flüchtlinge an. Der Sachschaden beträgt etwa 25.000 Euro.
28. Juni 2015 In Meißen (Sachsen) wird in der Nacht ein Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt. Verletzt wird niemand, da das Gebäude noch unbewohnt ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
29. Juni 2015 Ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Lübeck-Kücknitz verursacht Sachschaden in Höhe von 1000 Euro. Das Feuer im Rohbau konnte die Feuerwehr schnell löschen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe, so die Polizei.
18. Juli 2015 Remchingen-Singen (Baden Württemberg): Unbekannte legen ein Feuer und verursachen einen Schaden in Höhe von 70.000 Euro an einem Haus, welches als Flüchtlingsheim geplant war. Verletzt wird niemand.
16. Juli 2015 Reichertshofen (Bayern): Unbekannte brennen einen Gasthof nieder, der als Flüchtlingsunterkunft dienen solllte. An dem leerstehenden Gebäude entsteht hoher Sachschaden. Verletzt wird niemand.
26. August 2015 Unbekannte werfen in Leipzig einen Molotowcocktail in ein als Flüchtlingsheim geplantes Haus. Verletzt wird niemand, der Sachschaden kann gering gehalten werden. 56 Flüchtlinge sollten am Tag in das Haus einziehen.
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