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Klimagipfel in Paris : UN-Konferenz beschließt Weltklimavertrag

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Durchbruch, Meilenstein und Wendepunkt: Umweltschützer bewerten den Vertragsentwurf positiv – aber auch als zu weich.

Paris | Der Weltklimavertrag steht: Die Pariser UN-Klimakonferenz hat am Samstag eine Vereinbarung zum Kampf gegen den Klimawandel beschlossen. Damit verpflichten sich erstmals nahezu alle Länder zum Klimaschutz. „Die Pariser Vereinbarung für das Klima ist angenommen“, sagte Konferenzleiter Laurent Fabius unter dem Jubel der Delegierten.

In Paris wurde lange um eine Nachfolge für das Kyoto-Protokoll gerungen. Der neue Weltklimavertrag hat den Anspruch erfolgreicher, zeitgemäßer und verbindlicher als das Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1997 zu sein. Die USA sind dem damaligen Protokoll nie beigetreten, Kanada trat 2011 aus.

Der Vertrag gibt das Ziel vor, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzten. Die 195 Länder wollen sogar versuchen, bei 1,5 Grad zu landen. Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase wie CO2 ausgestoßen werden, als gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können. Allerdings werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Ländern festgelegt - bislang reichen die vorliegenden Pläne nicht aus, um den Klimawandel auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.

Zahlreiche Umweltschützer werteten den Vertragstext als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas. Sie hätten sich aber früheres Handeln und mehr konkrete Verpflichtungen für die einzelnen Staaten gewünscht. „Die Entscheidung ist ein Durchbruch weltweit“, sagte Christoph Bals von Germanwatch. „Dass sich alle auf einem Pfad zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas begeben, bedeutet einen Wendepunkt in der Klimageschichte.“ Es gebe zwar keine Strafen bei Verstößen, aber Anreize, insbesondere für ärmere Staaten.

Auch Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig nannte den Text einen „Meilenstein“. Er schränkte aber ein: „Weder haben die Länder in Paris verabredet, ihre schwachen Klimaschutzziele nachzubessern, noch enthält das Abkommen robuste Verpflichtungen für die reichen Länder zur Unterstützung der armen Länder bei der Anpassung an die klimatischen Veränderungen.“ Deshalb sei das Abkommen ein wichtiger Anfang. „Aber die eigentliche Arbeit beginnt erst danach.“

Die in Paris vorgelegten Maßnahmen reichen nach Einschätzung von Greenpeace längst nicht aus, um die Erderwärmung wie angestrebt deutlich unter 2 Grad zu halten, und schon gar nicht, um sie auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Es ist klar, dass dieses Abkommen nicht das letzte Wort ist“, erklärte Greenpeace-Experte Martin Kaiser am Samstagabend. Deshalb müsse Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die EU dazu bringen, rasch ihre Klimaziele nachzubessern. Vor allem aber müsse Merkel mit einem deutschen Kohleausstieg zeigen, „dass die Hoffnung aus Paris berechtigt ist“.

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, beklagte viele Schlupflöcher in dem Abkommen. Die Herausforderung bestehe nun darin, sofort mit einer ambitionierten Umsetzung zu beginnen. Löblich sei, dass für die Entwicklungsländer ein Finanzpaket geschnürt wurde, um sie bei der Anpassung und bei der Bewältigung von klimabedingten Schäden und Verlusten zu unterstützen. „Leider zeigten mehrere große Schwellenländer und Ölstaaten keine Bereitschaft, sich an diesem Paket zu beteiligen“, klagte sie.

„Die Einigung enthält klare Signale“, sagte Jennifer Morgan von der Umwelt-Denkfabrik World Resources Institute. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte allerdings, das Abkommen sei „keine angemessene Antwort auf die Klimakatastrophe“. „Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

 

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erstellt am 12.Dez.2015 | 19:39 Uhr

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