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Kämpfe in Syrien : UN: Assad-Truppen haben 82 Zivilisten in Aleppo ermordet

vom

Die letzten rebellischen Viertel fallen an Assad. Tausende Zivilbürger sitzen auf engstem Raum fest. Die Situation „bricht einem das Herz“, sagt Kanzlerin Merkel.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2016 | 13:49 Uhr

Aleppo | Im syrischen Aleppo sind nach Informationen der Vereinten Nationen mindestens 82 Menschen von regimetreuen Truppen ermordet worden. Unter den Opfern in insgesamt vier Stadtvierteln befänden sich elf Frauen und 13 Kinder, teilte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Dienstag in Genf mit. Soldaten sollen nach den Berichten Zivilisten auf den Straßen, auf ihrer Flucht aus Aleppo und selbst in ihren Häusern in Ost-Aleppo getötet haben. Die wirkliche Zahl der Todesopfer dürfte nach Einschätzung der UN noch viel höher sein.

Assad-Truppen haben seit November stetig Teile der Rebellenhochburg Ost-Aleppo zurückerobert. Die Menschen sind den Kämpfen schutzlos ausgeliefert, warnt das Internationale Komitee des Roten Kreuzes am Dienstag in Genf. Mehr als 100.000 Menschen sitzen in einem Gebiet fest, das noch nicht an Assad gefallen ist und unter Beschuss steht.

Einige Flüchtende sollen auch von Regierungstruppen verhaftet worden sein. „In Aleppo gibt es überhaupt keine Menschlichkeit mehr“, sagte UN-Sprecher Jens Laerke vor Reportern. Nach UN-Schätzungen sollen immer noch Tausende Zivilisten in den Kampfzonen in Ost-Aleppo gefangen sein. Mindestens 37.000 hätten den letzten umkämpften Stadtteil verlassen.

Die in Aleppo eingeschlossene Syrerin Lina Shamy berichtet von den katastrophalen Umständen vor Ort und den Ängsten.

 

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande haben vom kommenden EU-Gipfel ein klares Signal für die Unterstützung der notleidenden Menschen igefordert. Merkel sagte am Dienstag in Berlin: „Die Situation ist desaströs. Sie bricht einem das Herz.“. Es müsse auf allen Ebenen dafür gesorgt werden, dass die Zivilbevölkerung geschützt und humanitäre Unterstützung möglich werde. Der Appell richte sich an das syrische Regime, aber auch an seine Unterstützer Russland und Iran.

Hollande forderte, alles zu unternehmen, um die Zivilbevölkerung aus dem Osten Aleppos herauszubringen und humanitäre Korridore zu schaffen. Er warf Russland vor, im Sicherheitsrat jeden Fortschritt zu blockieren. „Ohne die Russen kein syrisches Regime“, sagte er.

Merkel wie Hollande sprachen sich vor dem Gipfel am Donnerstag in Brüssel auch für eine Fortsetzung der EU-Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts aus. Wegen der unzureichenden Umsetzung des Minsker Abkommens müssten die Strafmaßnahmen „noch einmal verlängert“ werden, sagte Merkel. Hollande räumte aber ein, dass es Sanktionen nicht „auf ewig“ geben könne.

Merkel sagte, beim Gipfel wollten Deutschland und Frankreich angesichts der „fragilen Situation“ besonders im Mittelmeerraum auch Druck machen, dass es zu schnelleren Abschlüssen der geplanten Migrationspartnerschaften mit afrikanischen Ländern nach dem Vorbild des EU-Türkei-Abkommens komme. In diesem Zusammenhang fordere man auch eine beschleunigte Umsetzung des stockenden Rücksendungsmechanismus für Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland gekommen sind.

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