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Flucht aus Aleppo : Türkisch-syrische Grenze: 20.000 Flüchtlinge warten auf Weiterrreise

vom

Die Lage ist angespannt. Zehntausende Menschen warten auf syrischer Seite darauf, dass der Übergang ins sichere Nachbarland geöffnet wird.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 15:42 Uhr

Aleppo | Zehntausende Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo warten noch immer auf Einlass an der geschlossenen türkischen Grenze. Berichten zufolge harrten am Samstag bis zu 20.000 Menschen am Übergang Bab al Salam aus. In der grenznahen Stadt Asas hatten sich UN-Angaben zufolge bis zu 10.000 Syrer versammelt.

An der türkisch-syrischen Grenze droht eine neue humanitäre Katastrophe. Zehntausende Bewohner der Region um die syrische Großstadt Aleppo flüchten wegen heftiger Gefechte beim Vormarsch von Regimetruppen Richtung Türkei

Die humanitäre Lage schien jedoch zunächst unter Kontrolle: Lokalen Medien zufolge waren Hilfsgüter und auch Zelte an die Vertriebenen ausgegeben worden. Wann und ob die Flüchtlinge in die Türkei einreisen dürfen, blieb weiter unklar.

Was ist eigentlich in Aleppo los?

Die Großstadt Aleppo ist seit Mitte 2012 geteilt: Der Westen wird von Truppen des Machthabers Assad gehalten, während die östlichen Viertel unter Kontrolle der Rebellen stehen. Nun rücken die staatlichen Einheiten immer wieder vor - begünstigt durch russische Luftangriffe. Zusammen mit verbündeten Kämpfern der Schiitenmiliz Hisbollah und iranischen Einheiten eroberten die Regierungstruppen die Stadt Ratjan - insgesamt wurden auf beiden Seiten mehr als 120 Menschen getötet. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft der von Rebellen gehaltene Teil Aleppos Gefahr, eingekesselt zu werden. Der Verlust der Millionenstadt Aleppo wäre die bisher schwerste Niederlage für die Aufständischen. Die nun an der türkisch-syrischen Grenze Wartenden sind vor diesem Konflikt geflüchtet.

Wie reagiert die Politik?

 

Die Türkei will ihre Grenze für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge nicht grundsätzlich schließen. „Wir bleiben bei der Politik der offenen Grenze für Menschen, die vor der Gewalt des Regimes und den russischen Luftangriffen fliehen“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag nach Gesprächen mit EU-Kollegen in Amsterdam.

Von den Menschen, die vor den jüngsten Kämpfen um die Stadt Aleppo geflohen seien, habe die Türkei bereits 5000 aufgenommen. Weitere 50.000 bis 55.000 seien auf dem Weg und würden nicht alleingelassen werden.„Jemand muss Russland und den Iran stoppen, die unübersehbar das syrische Regime unterstützen“, sagte Cavusoglu auf die Frage, was die EU tun könne. Es würden auch Schulen, Krankenhäuser und Zivilisten angegriffen. Auf die Lage an der türkisch-syrischen Grenze ging Cavusoglu nicht ein.

US-Außenminister John Kerry machte Syriens Machthaber Baschar al-Assad und Russland schwere Vorwürfe. Mit ihren Bombardements töteten sie Zivilisten „in großer Zahl“, sagte Kerry am Freitag in Washington. „Das muss aufhören“, forderte er.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierungen, die für die Angriffe auf Aleppo verantwortlich seien, “scheinen ein Scheitern der Bemühungen um eine politische Lösung in Kauf zu nehmen“.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, den Konflikt mit seinen Bombardements gegen Rebellen anzuheizen. Frankreichs UN-Botschafter François Delattre verurteilte die Offensive des syrischen Regimes. „Man kann von der Opposition nicht erwarten, dass sie mit einer Pistole an der Schläfe verhandelt“, sagte Delattre am Freitag in New York.

Moskau wies die Schuldzuweisungen zurück. Russland setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, unterstütze die syrische Regierung aber im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September die Offensive der syrischen Regierungstruppen mit Raketen- und Bombenangriffen.

 

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