Konflikt in Nordsyrien : Türkei warnt Assad: „Dann kann niemand uns stoppen“

Türkische Panzer fahren am 22. Januar in der Region Afrin (Syrien).

Türkische Panzer fahren am 22. Januar in der Region Afrin (Syrien).

Sollte Damaskus Soldaten entsenden und die YPG schützen, will die Türkei mit militärischen Schritten reagieren.

shz.de von
19. Februar 2018, 13:56 Uhr

Amman | Die kurdischen Kämpfer in der syrischen Ortschaft Afrin haben die Regierung in Damaskus aufgefordert, den Luftraum und die Grenze gegen türkische Angriffe zu verteidigen. „Darüber gibt es zur Zeit Verhandlungen mit der Regierung unter Vermittlung von Russland, aber es wurde noch keine Einigung erzielt“, sagte der ehemalige Vorsitzende der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim, am Montag in Berlin. Es sei nicht einfach, eine Vereinbarung mit der Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu treffen, „denn für uns macht es keinen Unterschied, ob wir von der Türkei unterdrückt werden oder von diesem Regime der Baath-Partei“, sagte Muslim.

Die türkische Regierung hat angekündigt, die YPG nach Afrin auch aus Manbidsch vertreiben zu wollen. Beide Regionen liegen westlich des Euphrats. Die größten Gebiete kontrolliert die YPG allerdings entlang der türkischen Grenze östlich des Euphrats. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.

Die syrische Regierung habe immer noch die Vorstellung, dass sie in dem Gebiet die vollständige Kontrolle übernehmen könnte, so wie vor 2011. Die Kurden würden dies jedoch nicht akzeptieren. Sie wollten Demokratie und Föderalismus. Muslim sagte, seine Partei wünsche sich von den USA und den Europäern Unterstützung in diesem Konflikt. Der Westen sei jedoch bisher weitgehend still geblieben, womöglich mit Rücksicht auf anstehende Rüstungsgeschäfte mit dem Nato-Land Türkei.

Syriens Kurden und die Regierung in Damaskus verhandeln seit mehreren Tagen

Die PYD (Partei der Demokratischen Union) ist die dominierende Partei in den kurdisch kontrollierten Gebieten in Nordsyrien und eng mit den syrisch-kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) verbunden. Die YPG sind Teil der Syrischen Demokratischen Kräfte, mit denen die USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zusammenarbeiten. Muslim steht seit einigen Tagen auf einer Liste der „meistgesuchten Terroristen“ der Türkei.

Syriens Kurden und die Regierung in Damaskus verhandeln seit mehreren Tagen über die Entsendung von regierungstreuen Kräften nach Afrin, wo die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die YPG vorgeht. Syriens staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete am Montagmorgen, die Regierungskämpfer würden die Region innerhalb der nächsten Stunden erreichen. Nach kurdischen Angaben gibt es aber bisher keine endgültige Einigung.

Drohungen aus der Türkei

Die Türkei hat die syrische Regierung vor einer Unterstützung der Kurdenmiliz YPG gegen die Offensive der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien gewarnt. „Wenn das Regime eindringt, um die YPG zu schützen oder ihren Schutz zu gewährleisten, dann kann niemand uns, die Türkei und die türkischen Soldaten stoppen“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag im jordanischen Amman.

Sollten die syrischen Truppen die Region dagegen von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der YPG „säubern“, sei das unproblematisch. Das gelte für die Regionen Afrin und Manbidsch, aber auch für die von der YPG kontrollierten Gebiete östlich des Euphrats.

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