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Angriff auf Leitmedien : Trumps Twitter-Krieg gegen die Medien – Attacke auf „Morning Joe“-Moderatorin

vom

Trumps Feldzug gegen angebliche „Fake News“ eskaliert immer weiter. Die Angegriffene Mika Brzezinski reagiert besorgt.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 17:50 Uhr

Washington | Mika Brzezinski nimmt die Angriffe des Präsidenten gelassen. Persönlich. Um ihr Land und die Zukunft der freien Presse ist die Co-Moderatorin von „Morning Joe“ tief besorgt. „Es beunruhigt mich, was das einmal mehr über den Präsidenten der Vereinigten Staaten offenbart“, erklärte Brzezinski am Tag nach der Frontalattacke Trumps.  

Dieser hatte in einer morgendlichen Twitter-Tirade „Low IQ Crazy Mika“ und deren Partner „Psycho Joe“ angegriffen. Der Zeitpunkt des Tweets legt die Vermutung nahe, Trump auf die Aussage der Moderatorin reagierte, die ihm in ihrer Sendung vorhielt „jeden Tag zu lügen“. Eine faktische Aussage, die von der „New York Times“ in einer Liste akribisch dokumentiert wird („Trumps Lies“).

Der Präsident sieht darin nur „üble Nachrede“ von jemandem, den er zur Jahreswende noch in seinen Strandpalast von „Mar-a-Lago“ in Florida eingeladen hatte. Der Verbitterte nahm das zum Anlass, persönlich nachzutreten. „Sie blutete ganz schlimm von einem Facelift“. Die vulgäre Attacke rief die sexistischen Ausfälle gegen FOX-Kollegin Megyn Kelly während des Wahlkampfs in Erinnerung. 

Während der präsidiale Tiefschlag über die Lagergrenzen hinweg auf Kopfschütteln und Ablehnung stieß, verteidigte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee-Sanders den Präsidenten. „Er ist ein Kämpfer“, stellte sie den „Twitterer-in-Chief“ einmal mehr in die Opferrolle. „Die Amerikaner wussten, wen sie wählten“. 

Wohl wahr. Trump erweist sich im Amt als derselbe Bully, den er schon im Wahlkampf mimte. Nur das es diesmal Konsequenzen hat. Der Präsident meint es Ernst mit seinem Angriff auf die freien Presse. Die Eskalation seines seit Monaten geführten Kriegs gegen die Leitmedien startete Trump am Dienstag mit einem Freudentanz in den sozialen Medien über die Nöte seines Lieblingsfeinds CNN. Der Sender hatte eine Geschichte über Finanzkontakte zu einer russischen Bank von einem Mitglied des inneren Trump-Zirkels zurückgezogen und den Rücktritt von drei investigativen Reportern akzeptiert.

 

CNN ergriff diese drastische Maßnahme, nicht weil die Geschichte falsch war, sondern nur auf einer Quelle beruhte. Statt die hohen Standards und die Selbstkorrektur anzuerkennen, tat der Präsident sein Bestes, das Leitmedium zu unterminieren. „WOW, CNN musste eine große Russland-Geschichte zurückziehen und zwang drei Mitarbeiter zu kündigen. Was machen Sie mit all den anderen falschen Geschichten? FAKE NEWS“    

Bei einem privaten Dinner im Trumpeigenen Hotel für Spender und Geldgeber drohte der Präsident mit einer Klage gegen CNN. „Falls hier ein Anwalt ist, der denkt, wir hätten einen guten Rechtsstreit - ich habe das Gefühl, wir sollten das tun. Wäre das nicht ein Spaß?“

Das Kalkül hinter den fortgesetzten Angriffen auf die Leitmedien des Landes, zielt nach Einschätzung von Experten wie Roy Peter Clark vom „Poynter Institute“ darauf ab, „die Presse unglaubwürdig zu machen“. Damit versuche sich Trump gegen immer neue Enthüllungen in der Russland-Affäre und Korruptionsvorwürfe zu immunisieren.  

Und es wird ein Muster erkennbar. Je schlechter die Nachrichten für den Präsidenten, desto mehr geht er in die Offensive gegen deren Absender. Das war auch so nach dem blamablen Scheitern der Gesundheitsreform im US-Senat. „Einige in den Fake News Medien tun gerne so, als sei ich nicht voll bei der Gesundheitsreform engagiert. Falsch, ich kenne das Thema sehr gut und will einen Sieg für US“.

 

Trump meinte vermutlich die New York Times, die in dem vorausgegangen Tweet explizit ihr Fett abbekam. „Die scheiternde New York Times schreibt eine falsche Geschichte nach der anderen über mich.“

 

Ein weiteres Element in Trumps Krieg gegen die Qualitätsmedien sind die jüngsten Restriktionen im Briefing-Raum des Weißen Hauses. Entgegen jahrzehntelanger Praxis werden die Reporter immer häufiger genötigt, die Kameras abzuschalten. Während die Leitmedien unverdroßen und mit wachsendem Zuspruch bei ihrem Publikum in Qualitätsjournalismus und interne Prüfmechanismen investieren, feiert sich der Präsident selbst in seinen Golfclubs mit einem echten Stück an „Fake News“. In mindestens vier der 15 Clubs hängen Kopien eines angeblichen Trump-Covers von „Time-Magazin“ aus dem Jahr 2009 aus.  

„Ich kann bestätigen, dass dies kein richtiges TIME-Cover ist“, bestätigte eine Sprecherin gegenüber der Washington Post die peinliche Enthüllung. Seine sonst so aggressive Wadenbeißerin Huckabee-Sanders gab sich auf Nachfragen kleinlaut. „Wir können die Dekoration in den Trump-Golf-Clubs weder so noch so kommentieren“. 

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