Affäre um häusliche Gewalt : Trumps Stabschef John Kelly unter Druck

Stabschef Kelly (Foto) und Justiziar Don McGahn wussten seit Monaten von den Vorwürfen gegen „Gatekeeper“ Rob Porter.

Stabschef Kelly (Foto) und Justiziar Don McGahn wussten seit Monaten von den Vorwürfen gegen „Gatekeeper“ Rob Porter.

Kelly wusste von den schweren Missbrauchsvorwürfen gegen Rob Porter, den „Gatekeeper“ zum Oval Office.

shz.de von
09. Februar 2018, 18:58 Uhr

Washington | Der Stabschef im Weißen Haus John Kelly gerät in der Affäre um Rob Porter unter Druck. Er soll die Vorwürfe häuslicher Gewalt zweier Ex-Frauen gegen den „Gatekeeper“ zum Präsidenten ignoriert haben. Ein wenig zerknirscht räumte der Sprecher des Weißen Hauses, Raj Shah, ein, das Kommunikationsteam hätte im Fall des wegen Missbrauchsvorwürfen zurückgetretenen Stabs-Sekretärs Rob Porter mehr Fingerspitzengefühl beweisen sollen. „Das wäre in den vergangenen Tagen besser gegangen“, sagte Shah.

Wohl wahr. Statt sich eindeutig von der mutmaßlichen Gewalt gegen die beiden Ex-Frauen des streng gescheitelten Mormonen zu distanzieren, stellte sich das Weiße Haus schützend vor den 40-jährigen. Was Shah nicht verriet, konnten die Amerikaner am Freitagmorgen in der „Washington Post“ nachlesen.

Demnach half Kommunikationsdirektorin Hope Hicks persönlich, die explosiven Enthüllungen über Porters mutmaßlich gewalttätiges und beiliegendes Verhalten gegenüber seinen Ex-Frauen zu entschärfen. Hicks ist nicht nur Shahs Chefin, sondern sie soll auch ein romantisches Verhältnis zu Porter haben. Das berichten die US-Medien, die das Paar turtelnd in Washington sahen. 

Donald Trump habe sich über die Beziehung seiner engen Vertrauten Hicks genauso irritiert gezeigt wie über seinen Stabschef John Kelly, hieß es. Kelly hatte seinerseits sein Bestes gegeben, Porter gegen die ihm persönlich seit dem Herbst bekannten Vorwürfe abzuschirmen.

Der 67-jährige Vier-Sterne-General der Marines verteidigte Porter noch Anfang der Woche als „Mann von echter Integrität und Ehre“, über den er „nicht genug gute Dinge sagen kann“.

Kurz darauf veröffentlichte die „Daily Mail“ Fotos, die Porters erste Frau, Colbie Holderness, mit einem blauen Auge zeigten. Das Andenken eines wenig glücklichen Urlaubs 2005 in Florenz. Die zweite Frau des Harvard-Absolventen, Jennifer Willoughby, stellte dem Blatt Ermittlungs-Unterlagen zur Verfügung, die im Detail darlegen, wie Porter sie 2010 nach ihrer Trennung bedroht und Glas in ihrer Wohnungstür eingeschlagen habe.

Ebenso wie Kelly wusste auch Trumps Justiziar, Don McGahn, seit Monaten von den Vorwürfen, die durch Ermittlungen des FBI ans Tageslicht kamen. Die Bundespolizei, die für die Überprüfung von Personen mit Zugang zum Weißen Haus, Präsidenten und Staatsgeheimnissen zuständig ist, hatte McGhan bereits im Januar 2017 über die Vorwürfe informiert.

Als sich Kelly nach seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer erkundigte, warum das FBI Porter kein sauberes Führungszeugnis ausstellen könne, informierte ihn die Behörde über die Details. Die Affäre ist für alle Beteiligten auch deshalb brisant, weil der ehemalige Bürochef des mächtigen Senators Orin Hatch aus Utah nicht irgendeine Aufgabe hatte. Bis zu seinem Rücktritt am Mittwoch war Porter derjenige, der entschied, was auf Trumps Schreibtisch landete oder nicht.

Der „Gatekeeper“ des Oval Office galt als Kraft, die beruhigend auf den Präsidenten einwirkte, an einigen seiner Reden mitschrieb und vor allem Kellys rechte Hand war. Letzteres könnte dem Stabschef nun selber zum Verhängnis werden. Unnachgiebig haken die US-Medien nach, wie es sein könne, dass Kelly und McGahn seit Monaten von den Vorwürfen wussten, und sie ignorierten.

Wie auch nicht unbemerkt blieb, dass Porter nicht der erste und der einzige hohe Mitarbeiter ist, gegen den Vorwürfe häuslicher Gewalt erhoben wurden. Der ehemalige Chefstratege Steve Bannon und Trumps erster Wahlkampfmanager Cory Lewandowsky sahen sich ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt.

Sprecher Shah versuchte das Wegschauen im Fall Porter mit dem Argument aus der Welt zu reden, da „die Nationale Sicherheit nicht auf dem Spiel stand", habe man „die Ermittlungen nicht kurzschließen oder das Funktionieren des Weißen Hauses stören wollen“.

Dem Vernehmen nach erkundigte sich Trump bereits nach Ersatz für Kelly. Die „New York Times“ berichtet, der Präsident habe diskret vorgefühlt, ob sein Haushaltsdirektor Mick Mulvaney für den einflussreichen Job des Stabschefs im Weißen Haus geeignet sei. 

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