zur Navigation springen

Nach Entlassung von Reince Priebus : Trumps neuer Stabschef John F. Kelly auf einer „Mission Impossible“

vom

Der neue Stabschef im Weißen Haus, John F. Kelly, steht den alten Problemen gegenüber. Und einem undisziplinierten Präsidenten, der Konflikt und Chaos zu seinem Markenzeichen gemacht hat.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2017 | 16:25 Uhr

Washington | Der ehemalige Vier-Sterne-General der Marines zierte sich, den neuen Job anzunehmen. Ein ums andere Mal erteilte der bisherige Heimatschutzminister dem Präsidenten einen Korb. Bis ihn Donald Trump nach dem Desaster bei der Gesundheitsreform mit allen möglichen Zusicherungen weichgekocht hatte. Fortan, so ventiliert der General, werde nur noch einer im Weißen Haus die Agenda mit dem Präsidenten abstimmen: Er selber.

 

Ob Kelly dabei mehr Erfolg haben wird als sein am Freitag gefeuerter Vorgänger Reince Priebus, hängt von der Rückendeckung ab, die Trump seinem designierten Stabschef gibt. „Er hat unglaubliche Disziplin, die Ordnung schaffen kann, wenn sich die übrigen Tiere im Zoo benehmen“, sagt der frühere CIA-Direktor John E. McLaughlin, der Kelly aus der Zusammenarbeit in früheren Positionen kennt. „Die Gefahr besteht darin, dass Trump Trump bleibt“.

Einen Vorgeschmack erhielt Kelly mit dem Twitter-Sturm, den Trump nach seiner peinlichen Schlappe bei der Gesundheitsreform im Kongress am Wochenende losbrach. Darin beschimpfte er dieselben Senatoren als „Narren“, die der Präsident für seine Steuerreform und andere Vorhaben einmal brauchen wird.

Zu denken geben muss Kelly auch der großkotzige Einzug des neuen Kommunikationschefs im Weißen Haus, Anthony „The Mouch“ Scaramucci. Der frisch geschiedene Hedgefunds-Manager meldete sich vergangene Woche mit einem vulgären Interview mit dem New Yorker zum Dienst. Darin titulierte er Priebus als „paranoiden Schizophrenen“ und Chefstrategen Stephen Bannon als „Schwanzlutscher“. 

Schlimmer noch für den neuen Stabschef ist der Anspruch des Trump-Alter-Egos, direkten Zugang zum Oval Office zu haben. Genau darunter litt das Weiße Haus von Anfang an. Trump schuf konkurrierende Machtzentren, die für ein Klima der Intrige und des Misstrauens sorgten und aus denen die beispiellosen Indiskretionen an die Medien sprudelten. 

Erst mit dem schwer gedemütigten Sean Spicer und nun mit dem ehemaligen Parteichef der Republikaner, Priebus, säuberte Trump das Weiße Haus endgültig vom Einfluss der traditionellen Republikaner. Es bleiben die feurigen National-Chauvinisten um Bannon, die erzkonservativen Fundamentalisten um Vizepräsident Mike Pence und der Familien-Clan, der von Jarred Kushner angeführt wird.

Es sei nicht klar, wie Kelly in einem solchen Umfeld mehr Erfolg haben könne als Priebus, meint Brian McKeon, der im Weißen Haus Barack Obamas mit der inneren Mechanik der Macht befasst war. „Der Präsident agiert als sein eigener Stabschef“. Und hat dafür erstaunlich wenig vorzuweisen. Trumps Zustimmungswerte sind nach nicht einmal einem halben Jahr niedriger als die jedes anderen Präsidenten. 

Der Kongress legte dem Präsidenten vergangene Woche mit Veto-sicheren neuen Sanktionen gegen Moskau Fesseln an, während Sonderermittler Robert Mueller das Netz der Ermittlungen in der Russland-Affäre immer weiter wirft.

Priebus erklärte seinen Rausschmiss auf FOX mit Trumps Wunsch, „in eine andere Richtung zu gehen“. Er habe „das Recht, den Knopf für den Neustart zu drücken“. Die offene Frage bleibt, wohin der neue Weg führt, wenn nicht in weiteres Chaos. Darauf deuten die anhaltende Kritik an Justizminister Jeff Sessions und anhaltende Gerüchte über den möglichen Abschuss von Sicherheitsberater H.R. McMaster hin. 

„Das fundamentale Problem besteht darin, dass Donald Trump ein Außenseiter ist, der keine Ahnung hat, wie man regiert“, meint Chris Whipple, Autor des Standardwerks (“The Gatekeepers”) über die Rolle der Stabschefs im Weißen Haus. Ohne vollständige Kontrolle begebe sich Kelly auf eine „Mission Impossible“. 

Kommentar von Thomas J. Spang

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe her. Das Desaster der ersten sechs Monate im Weißen Haus kann Donald Trumps deshalb niemand anderem zuschreiben als sich selbst. 

Der Präsident schuf konkurrierende Einflusszentren, in denen sein bisheriger Stabschef nicht mehr als ein Grüß-Gott-August war. Der Außenseiter brauchte Reince Priebus, weil der ehemalige Parteichef der Republikaner über die Kontakte verfügte, tausende offene Stellen in der Regierung zu besetzen. Wirkliche Macht gab er Priebus zu keinem Zeitpunkt. 

Jetzt säubert Trump das Weiße Haus von den letzten Überresten der traditionellen Republikaner, deren Partei er mit einer feindlichen Übernahme in Geiselhaft genommen hat. Der Präsident rächt sich damit für die demütigende Schlappe, die ihm Konservative der alten Schule bei der Gesundheitsreform bereitet haben.

Mit der Eliminierung eines Machtzirkels im Weißen Haus, ändert sich indes wenig. Sein neuer Stabschef John Kelly hat es weiterhin mit einem Team aus großmäuligen Selbstdarstellern zu tun, das von dem National-Chauvinisten Stephen Bannon über den Anführer des Trump-Clans, Jarred Kushner, bis hin zu dem halbseidenen Kommunikationschef Anthony Scaramucci kollektiv unter einer Überproduktion an Testosteron leidet.  

Das größte Problem von allen stellt die Attitüde des Präsidenten selber dar. Dass der Marine-General diese Schlacht gewinnen kann, darf zurecht bezweifelt werden. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen