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Minikompromisse : Trumps G7-Gipfel-Blockade erntet scharfe Kritik

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Während Trump seinen Auftritt als Erfolg wertet, sehen Entwicklungsorganisationen den Gipfel als gescheitert.

Der Streit der sieben großen Industrienationen auf ihrem ersten G7-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump ist auf scharfe Kritik gestoßen. Entwicklungsorganisationen warfen den Staats- und Regierungschefs nach dem Treffen in Taormina auf Sizilien Versagen vor. Die drängenden Probleme der Welt seien nicht angegangen worden.

Die Blockade-Haltung Trumps, der mit seiner „America-First“-Politik multilaterale Lösungen behindert, wirft auch einen Schatten auf die Vorbereitungen für den Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) Anfang Juli in Hamburg.

„Der G20-Gipfel muss nun dort einspringen, wo der G7 gescheitert ist“, sagte Friederike Röder von der Entwicklungsorganisation ONE. Trump habe eine „feindliche Verhandlungshaltung“ gezeigt, sagte Röder, die andere G7-Führer zugleich aufforderte, nicht alles mit sich machen zu lassen.

Der US-Präsident, der erst nach zähem Ringen zugestimmt hatte, den Kampf gegen den Protektionismus ins Abschlusskommuniqué aufzunehmen, verkaufte den Mini-Kompromiss hinterher als Erfolg. Die USA setzten sich für die „Beseitigung aller handelsverzerrender Praktiken“ ein, um wahrlich faire Wettbewerbsbedingungen zu erreichen, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrer Rückkehr den Zusammenhalt Europas. „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen“, sagte die CDU-Vorsitzende am Sonntag bei einer Wahlkampfanstaltung in München. „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.“

Nach seiner ersten Auslandsreise erwartet Trump daheim wieder ein aufgeheiztes Klima. Die Affäre um Kontakte seines Wahlkampflagers mit Russland hatte Trump auch unterwegs verfolgt. Die „Washington Post“ berichtete, dass sein Schwiegersohn und Topberater Jared Kushner im Dezember bei einem Treffen mit Moskaus Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, einen geheimen Kommunikationsdraht zum Kreml vorgeschlagen habe. Kushner gehörte damals Trumps Übergangsteam an.

Zudem könnte schon in den nächsten Tagen der von Trump gefeuerte FBI-Direktor James Comey vor einem Senatsausschuss aussagen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Trump versucht hat, FBI-Untersuchungen zur Russland-Affäre zu untergraben. Außerdem versuchen zwei Kongressausschüsse, Trumps früheren nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn zur Herausgabe von Unterlagen zu zwingen. Dabei geht es ebenfalls um Verbindungen zu Russland.

Die Enttäuschung über den G7-Gipfel war groß. „Die G7 verlassen den Gipfel, ohne einige der drängendsten Aufgaben unserer Zeit auch nur im Entferntesten angegangen zu sein“, sagte Jörn Kalinski von Oxfam. „Vor allem Trump gefällt sich in der Rolle des Spielverderbers vom Dienst.“ Er habe Lösungen für Millionen der ärmsten Menschen weltweit blockiert. Es stelle sich die Frage, „ob dieser Club der Reichen so noch eine Daseinsberechtigung hat“.

Wegen der Überlegungen der neuen US-Regierung, vielleicht aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, forderten Umweltschützer die anderen Staaten auf, jetzt noch mehr Druck zu machen. Trump will nächste Woche über einen Verbleib entscheiden. Er hält das Abkommen für unfair und schädlich für die Wirtschaftsentwicklung der USA. Nach China sind die USA der zweitgrößte Klimasünder der Welt.

„Wenn Amerika wackelt, müssen wir stehen“, sagte der Grünen-Chef Cem Özdemir. Es dürfe keine falsche Scheu vor harten Auseinandersetzungen geben. „Die restlichen Industrieländer müssen bis zum G20-Gipfel in Hamburg umso mehr Druck ausüben und mit ambitionierten Plänen vorangehen.“ Die US-Regierung dürfe nicht zum Bremsklotz der internationalen Klimadiplomatie werden.

Hilfsorganisationen bemängelten auch, dass die reichen G7 keine neuen Finanzzusagen für den Kampf gegen Hungersnöte in Afrika gemacht hatten. Die Gipfelteilnehmer hätten es versäumt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Menschen in Jemen, Somalia, Südsudan und Nigeria zu helfen. 20 Millionen Menschen sind dort von Hungersnöten bedroht. Für den UN-Hilfsappell von 6,9 Milliarden US-Dollar (6,1 Nrd Euro) liegen erst Zusagen über 30 Prozent vor.„Dieser G7-Gipfel ist ein Desaster für die hungernden Kinder in Afrika und Arabien“, sagte Marwin Meier von Worldvision.

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erstellt am 28.Mai.2017 | 11:13 Uhr

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