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Comey-Memo : Trump legt sich die Schlinge um den Hals

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Für die Russen wird Trump immer mehr zum „nützlichen Narren“. Ein Kommentar unseres USA-Korrespondenten Thomas J. Spang.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 19:34 Uhr

Washington | Donald Trump gelang der unwahrscheinliche Aufstieg an die Macht, indem er die politischen Gravitationskräfte außer Kraft setzte. Diese holen ihn im Weißen Haus nun ein. Als Präsident gehen seine Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen nicht mehr so ohne Weiteres durch. Seine Worte haben Konsequenzen.  

Wenn er den FBI-Chef Comey bittet, die Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dessen Kontakten zu Moskau einzustellen, gilt das aus seinem Mund als Behinderung der Justiz. Der Rauswurf des Mannes, der über die strafrechtliche Aufklärung der Russland-Affäre wachte, zeigt seine Missachtung für die Gewaltenteilung. Sein unbekümmertes Ausplaudern von Staatsgeheimnissen an den russischen Außenminister im Oval Office, die Israel den US-Geheimdiensten mit strikten Auflagen überlassen hatte, gefährdet die nationale Sicherheit. Dass Wladimir Putin nun anbietet, seinem neuen Freund im Weißen Haus zur Seite zu springen, macht Trump vollends zu dem, was die Russen einen "polezni durak", einen nützlichen Narren nennen.

Es mag sein, dass seine oftmals schlecht informierten Anhänger in alldem nicht mehr als den Versuch der "linken Medien" oder der "ungewählten Staatsbürokratie" sehen, Trump zu sabotieren. Doch der irrationale Führerglaube seiner Fans hat seine Grenzen. Die findet der selbstherrliche Narzisst in den demokratischen Institutionen der USA, die sich bisher als erstaunlich robust erweisen.

Der Präsident trägt seinen Teil dazu bei, indem er in Interviews Motive offenlegt und sich selbst der Einflussnahme bezichtigt. Oder in Twitter-Beiträgen andeutet, es lägen Mitschnitte seiner Konversationen im Weißen Haus vor.  Trump hat sich damit selber die Schlinge um den Hals gelegt. Die spannende Frage ist nun, ob der Kongress den Mut hat, den Stuhl wegzutreten.

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