Atompolitik : Trump-Kim-Gipfel steht in Frage

Donald Trump und Kim Jong Un: Wird das geplante Treffen zustande kommen?

Donald Trump und Kim Jong Un: Wird das geplante Treffen zustande kommen?

Beide Seiten riskieren, den für den 12. Juni geplanten Gipfel in Singapur platzen zu lassen.

<p>„Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt', sagt US-Korrespondent Thomas Spang über Donald Trump.</p> von
18. Mai 2018, 17:31 Uhr

Washington | Wer blendet wen, fragen sich Experten nach dem jüngsten Schlagabtausch zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un. Ein bizarres Schauspiel, das auf der Bühne der Öffentlichkeit ausgetragen wird. In den Hauptrollen finden sich zwei Persönlichkeiten wieder, die beide für sich in Anspruch nehmen, Meister der Verhandlungskunst zu sein.

Trump kehrte nach den Drohungen Kims, den Gipfel abzusagen, zu seiner Übertreibungs-Taktik zurück. „Wenn wir einen Deal machen, wird Kim sehr, sehr glücklich sein“, lockte der Präsident den Führer Nordkoreas. Die USA seien bereit ihm „starke Sicherheiten“ zu geben. Andernfalls drohe ihm dasselbe Schicksal wie dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi. Nordkorea müsse mit der „totalen Dezimierung“ rechnen.

Kim seinerseits schickte seinen stellvertretenden Außenminister Kye Gwan vor, den Gipfel in Frage zu stellen. Bezugnehmend auf Äußerungen Trumps Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton, der öffentlich über ein „libysches Modell“ für Nordkorea sprach, erklärte Gwan, Pjöngjang sei nicht daran interessiert, einseitig seine Atomwaffen aufzugeben. Das Regime drohte darüber hinaus, den innenkoreanischen Dialog auf Eis zu legen, wenn die USA und Südkorea ihre Frühjahrsmanöver fortsetzten.

Falsche Erwartungen

Analysten erkennen eine Rückkehr zur ersten Runde im Atompoker, als sich Kim und Trump wechselseitig mit Unflätigkeiten und Drohungen überzogen. Der Grund für die Rückschritte seien falsche Erwartungen, sagt der Korea-Experte Ken Gause. Den Führern Nordkoreas sei es stets um das Überleben ihres Regimes und der Kim-Dynastie gegangen. „Die USA müssten beides garantieren können.“  

Genau daran bestehen Zweifel. Boltons Äußerungen in Verbindung mit der einseitigen Aufkündigung des über Jahre verhandelten Atomabkommens mit Iran stellten die Glaubwürdigkeit der USA als Verhandlungspartner in Frage. Darüber hinaus schwächte Trump den Hebel, den er über Peking hatte, Druck auf Kim auszuüben, als er China mit einem Handelskrieg drohte.

Darauf deuten der zeitliche Zusammenhang zwischen den beiden Kim-Besuchen in China und der neue Tonfall nach seiner Rückkehr hin. Gleichzeitig gibt es klare Hinweise darauf, dass der Handel über die chinesisch-nordkoreanische Grenze trotz der Sanktionen wieder an Intensität zunimmt.

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang gab Kim kürzlich bei einem Besuch in Japan Rückdeckung. Er lobte Nordkoreas einseitiges Atomtest-Moratorium und die angekündigte Schließung des Atomtestgeländes. „Nordkorea wartet auf ein entsprechendes Feedback aus den USA.“ 

Kein Druckmittel

Der Kolumnist Josh Rogin schreibt in der „Washington Post“, wenig sehe danach aus, dass die USA ihre Strategie des „maximalen Drucks“ wiederbeleben könnten. Dafür bräuchte es die Kooperation Chinas. Das Land habe in Reaktion auf die Handelsdrohungen sein Sanktionsregime gelockert.  

Sollte der Gipfel schon im Vorfeld platzen, hätte sich der US-Präsident, wie von vielen Experten lange befürchtet, gefährlich verzockt. 

Zumal es kein „libysches Modell“ für die Situation Nordkoreas gebe. Und zwar unabhängig davon, ob Trump die Äußerungen seines Nationalen Sicherheitsberaters Bolton richtig verstanden hat oder nicht. Weder werde Pjöngjang seine Atomwaffen sofort aufgeben noch dürfte sich die Nato an einer Militäraktion gegen eine bis an die Zähne auch konventionell bewaffnete Nuklearmacht beteiligen.

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