„Fire and Fury“ – „Feuer und Zorn“ : Trump-Enthüllungsbuch seit heute auf Deutsch: Politik und Klatsch

Die deutsche Ausgabe des Enthüllungsbuches beim Druck.

Die deutsche Ausgabe des Enthüllungsbuches beim Druck.

300.000 Exemplare über das Chaos im weißen Haus wurden in Leck gedruckt. Ein Buch mit Unterhaltungswert.

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
16. Februar 2018, 06:28 Uhr

Michael Wolff war bislang eher schwer verkäuflich auf dem deutschen Buchmarkt. Von den ersten sechs  Büchern des US-Journalisten  wurde  nur eines ins Deutsche übersetzt:  „Der Medienmogul – Die Welt des Rupert Murdoch“ erschien 2009.  Es war alles andere als ein Bestseller.

Heute kommt ein zweites Buch dazu – und dieses wird, so viel ist jetzt schon sicher,  erfolgreicher sein. „Fire and Fury“ – „Feuer und Zorn“ – lautet der Titel von Wolffs Enthüllungsbuch über den US-Präsidenten Donald Trump. Es beschreibt das Chaos im Weißen Haus während dessen bisheriger Amtszeit und hat nach seinem Erscheinen in den USA weltweit für Aufsehen gesorgt.

Zu brisant sind die Details, die Wolff aus nächster Nähe beobachtet haben will, zu skurril die Worte und Taten des Präsidenten, die beschrieben werden, zu interessant der Blick durch das Schlüsselloch in das Leben der Familie Trump. Politik und Klatsch, eine Mischung, die viele Leser anspricht. Und gleichzeitig die Sorgen schürt, die diese Regierung schon immer geweckt hat. Denn in diesem um einige Scharfmacher und Claqueure erweiterten Familienbetrieb um den Sonnenkönig Donald ist der Affekt nicht selten der erste Ratgeber. „Er war der Anti-Faktenhuber. Er war der Anti-Experte. Er dachte mit dem Bauch. Er war der Jedermann“, heißt es über die Gründe für Trumps überraschenden Wahlerfolg. Sie beschreiben gleichzeitig seine Art des Regierens.

Wenn man Wolff glauben darf, dann gilt der Präsident auch unter seinen engsten Vertrauten im Weißen Haus als faul, überfordert, paranoid und narzisstisch. „Sie sahen sich als Bollwerke gegen Chaos, Impulsivität und Dummheit. Sie waren nicht so sehr Trump-Unterstützer als vielmehr ein Gegenmittel gegen Trump.“ Da sich bei Trump Amt und Privatleben vermischen wie bei keinem anderen US-Präsidenten, steht natürlich auch seine Ehe im Fokus. Wolff beschreibt sie als eine Farce: „Sie begegneten sich manchmal tagelang nicht, selbst wenn sie beide im Trump Tower waren. So wenig Melania wusste, wo er war, so wenig wusste sie, was er eigentlich tat, und ihr Interesse dafür war nicht sehr ausgeprägt.“

Wolff schildert viele Situationen und Dialoge, als wäre er dabei gewesen. Und zwar so viele, dass man sich als Leser durchaus fragen muss, wie ein Mann an so vielen Orten gleichzeitig gewesen sein kann. Dieser Mangel an Nachvollziehbarkeit seiner Quellen ist Wolff schon oft vorgeworfen worden. Und der Autor selbst räumt in seinem Vorwort ein, dass sich die Widersprüche und der lockere Umgang mit der Wahrheit, die für das Weiße Haus typisch seien, wie ein roter Faden durch sein Buch zögen. Er habe sich in bestimmten Fällen „für die Version entschieden, die mir wahr erscheint“.

Das ist eine methodische Schwäche, die zwar nicht das Unterhaltungspotenzial von „Feuer und Zorn“ schmälert, aber seinen Wert als investigatives Werk deutlich mindert. Dem Autor kann es egal sein, er ist im Gespräch, und sein Buch ist in den USA ein Bestseller. Der Erscheinungstermin von „Fire and Fury“ wurde in den USA drei Werktage vorgezogen, weil Trump sich abfällig über Autor und Werk geäußert und gleichzeitig eine Klage angestrengt hatte. Eine unverhoffte Publicity. Daraufhin bildeten sich zum Verkaufsstart am 5. Januar lange Schlangen vor den Läden, die erste Auflage war schnell vergriffen.

Am gleichen Tag wurden auch die deutschen Rechte verkauft, an Rowohlt. Mehrere Verlage sollen verhandelt haben, aber ihnen waren dem Vernehmen nach Preis und Risiko zu groß. Denn die Frage, wie sich ein Buch verkauft, dessen zentrale Inhalte weitestgehend bekannt sind, werden erst die kommenden Wochen beantworten. Rowohlt hatte seit Januar sieben Übersetzer an „Feuer und Zorn“ arbeiten  lassen; das Skandal-Buch, das im nordfriesischen Leck bei  CPI Clausen & Bosse in Sonderschichten gedruckt wurde, kommt mit einer selbstbewussten Start-Auflage von 300.000 Exemplaren in die Läden.  

Der Erscheinungstermin übrigens  wurde – wie in den USA – drei Tage vorgezogen. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen. Für das Buch, wohlgemerkt, nicht den Präsidenten.

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