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Pjöngjang warnt vor Angriff : Atomstreit: Heftige Wortgefechte zwischen USA und Nordkorea

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Die Rhetorik wird immer aggressiver im Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA. Trump und Kim drohen sich gegenseitig mit militärischer Gewalt. Doch Interesse an einem Krieg kann niemand haben.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 20:43 Uhr

Im Krieg der Worte zwischen den USA und Nordkorea haben die USA nachgelegt. «Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren», schrieb Präsident Donald Trump auf Twitter. «Jetzt ist es weit stärker und kraftvoller als jemals zuvor.»

Wenig später richtete Verteidigungsminister James Mattis einen entschiedenen Aufruf in Richtung Pjöngjang: «Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihres Regimes und zur Zerstörung ihres Volkes führen würden.»

Tags zuvor hatte Trump Nordkorea offen gedroht: «Nordkorea sollte besser keine weiteren Drohungen gegen die USA machen. Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat. Er (Kim Jong Un) war über das normale Maß hinaus sehr drohend. Wie ich bereits gesagt habe, ihnen wird mit Feuer, Wut, und offen gesagt, Macht begegnet werden, wie es die Welt so noch niemals zuvor gesehen hat.»

Mattis fügte hinzu, das US-Außenministerium versuche alles, um die von Nordkorea ausgehende Bedrohung mit diplomatischen Mitteln zu lösen. Es müsse aber auch deutlich gemacht werden, dass die US-Streitkräfte über die präzisesten, erprobtesten und robustesten defensiven und offensiven Fähigkeiten der Welt verfügten. Einen Rüstungswettlauf könne Norkorea nur verlieren.

Pjöngjang hatte die Äußerungen Trumps mit der Androhung eines Raketenangriffs auf das US-Überseegebiet Guam im Pazifik gekontert. Die nordkoreanischen Streitkräfte zögen eine solche Attacke «ernsthaft in Erwägung», meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Plan zum Angriff könne «jederzeit» ausgeführt werden, sobald Staatschef Kim Jong Un die Entscheidung dazu treffe, sagte ein Armeesprecher. Die USA sollten ihre «rücksichtslosen militärischen Provokationen» unterlassen, so dass man nicht «gezwungen» sei, eine «unvermeidliche militärische Entscheidung» zu treffen.

US-Außenminister Rex Tillerson versuchte auf dem Rückflug von Malaysia, auf dem er einen Tankstopp auf Guam einlegte, die Gemüter zu beruhigen. Er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe , die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantworten wollen.

Regierungen in aller Welt, darunter die Bundesregierung in Berlin, die Führung in Peking und Australiens Regierung, mahnten alle Beteiligten zur Zurückhaltung. « Die Lage ist wirklich ernst. Ein weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen», sagte der Sprecher von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Martin Schäfer, in Berlin.

Gabriel selbst warnte bei einem Besuch in Entebbe (Uganda) davor, «dass wir ähnlich wie im Ersten Weltkrieg schlafwandlerisch in einen Krieg hineinmarschieren, bloß eben in diesem Fall in einen Krieg, der im Zweifel mit Atomwaffen geführt wird». Man dürfe auf Nordkoreas aggressive Rhetorik nicht im gleichen Tonfall antworten.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte, der Tonfall sei vorher intern besprochen worden. «Ton und Stärke des Statements wurden vorab diskutiert», sagte sie. Stabschef John Kelly und andere seien informiert gewesen.

Für Unruhe im Ausland sorgten auch Berichte über große Fortschritte Nordkoreas bei seinem Atom- und Raketenprogramm . Der US-Verbündete Südkorea will sein Militär nun umfassend reformieren - und schlagkräftiger machen.

Der außenpolitisch profilierte US-Senator John McCain mahnte Trump zur Zurückhaltung. «Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind», sagte der Republikaner dem US-Radiosender KTAR. «Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump bereit zum Handeln ist.» Auch weitere Politiker und Militärexperten mahnten, die Krise nicht unnötig zu befeuern.

Die von KCNA zitierten nordkoreanischen Drohungen nehmen direkt Bezug auf die US-Luftwaffenbasis Andersen auf Guam, von der die Vereinigten Staaten immer wieder strategische Bomber des Typs B-1 zu Militärmanövern in Richtung koreanische Halbinsel entsandt haben. Erwogen wird demnach ein Angriff mit ballistischen Raketen des Typs Hwasong-12, um die US-Streitkräfte auf Guam und ihre dort stationierten Bomber in Schach zu halten - schließlich sei die Insel der potenzielle «Ausgangspunkt für eine Invasion in Nordkorea».

Pjöngjang rechtfertigte dies mit einer Mobilisierung des US-Atomwaffenarsenals sowie jüngsten US-Raketentests und Übungen mit Langstreckenbombern über Südkorea. «Solche Militärmanöver der USA könnten in der momentan extrem heiklen Situation auf der koreanischen Halbinsel einen gefährlichen Konflikt provozieren», hieß es.

Nordkorea habe für die Entwicklung seiner strategischen Waffen «alles riskiert» und nutze sie «weder als Faustpfand, um Anerkennung von Dritten zu bekommen, noch für irgendeinen Tauschhandel». Vielmehr seien sie «ein wichtiges militärisches Mittel, um entschlossen den politischen und wirtschaftlichen Druck der USA sowie ihre militärischen Drohungen zu kontern».

In einer weiteren Stellungnahme kündigte ein nordkoreanischer Militärsprecher laut KCNA an, auf einen möglichen «Präventivkrieg» der US-Streitkräfte mit einem «grenzenlosen Krieg» zu reagieren, der «sämtliche Stützpunkte des Gegners ausrotten wird, auch auf dem US-Festland».

Inzwischen ist Nordkorea nach Erkenntnissen der USA und Japans in der Lage, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken - auch Interkontinentalraketen. Wie die «Washington Post» am Dienstag unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtete, habe Nordkorea nach Einschätzung des Geheimdienstes DIA (Defence Intelligence Agency) bei seinem Atom- und Raketenprogramm viel schnellere Fortschritte gemacht als bisher angenommen. Nordkorea habe einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur vollwertigen Atommacht getan, berichtete die Zeitung.

In Seoul hat das konkrete Folgen: Unter dem Eindruck der Gefahr aus dem Norden rief Südkoreas Präsident Moon Jae zu einer tiefgreifenden Reform der eigenen Streitkräfte auf. «Ich glaube, wir brauchen eine vollständige Verteidigungsreform im Sinne einer Wiedergeburt, anstatt nur einige Modifizierungen oder Verbesserungen durchzuführen», sagte Moon der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge bei einer Besprechung mit sechs Spitzenbefehlshabern seines Militärs. Demnach will Südkorea unter anderem Raketen mit höherer Sprengkraft anschaffen, um unterirdische Bunker zerstören zu können.

Die Nato zeigte sich «besorgt wegen der anheizenden und bedrohlichen Rhetorik». «Wir fordern Nordkorea auf, von weiteren Provokationen Abstand zu nehmen und seine nuklearen und ballistischen Raketenprogramme in einer vollständigen, nachprüfbaren und irreversiblen Weise aufzugeben, wie es die Vereinten Nationen verlangen», sagte ein Sprecher der «Heilbronner Stimme».

Trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea .

Über KCNA verbreitete Mitteilung

McCain bei KTAR

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