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Präsidentschaftswahlen in den USA : Trump, Clinton und Co.: US-Wahlkampf zwischen Pop und Politik

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Aus der Onlineredaktion

Ob als Spielzeug, auf dem Smartphone oder im Comicformat - Trump, Clinton und Co. machen sich in den USA nicht nur politisch breit.

Washington | Bernie Sanders rennt. Vorbei an rot gestrichenen Scheunen, abgeernteten Weizenfeldern und Strohballen. Auf Stimmenfang ist er nicht, hier im ländlichen Iowa. Bernie hat Appetit auf belegte Brötchen, und die liegen buchstäblich auf der Straße. Von orange-weiß gestreiften Verkehrshütchen lässt er sich nicht bremsen. Mühelos hüpft er über die Kegel und klaubt auf, was er kriegen kann. Agil ist er, dieser Bernie - bloß echt ist er nicht.

Als Held eines Smartphone-Spiels besteht der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten hier lediglich digital. Politik taucht in seiner poppig-bunten Welt nur am Rande auf. Zwar prangen die politischen Forderungen des echten Sanders auf Großplakaten am Straßenrand, der Hintergrund der eigentlichen Spielidee ist aber trivial: Ein Reporter hatte Sanders live versehentlich „Bernie Sandwiches“ genannt. Ein Versprecher als Vorlage für ein ganzes Spiel.

Die Popkultur in den USA spiegelt den schrillen Wahlkampf so, wie er sich selbst mitunter gebärdet: Politik mischt sich mit Klamauk, Nebensächlichkeiten überdecken Sachfragen. Wer am lautesten tönt, bekommt auch die meiste Aufmerksamkeit. Dutzende Apps lassen sich unter dem Stichwort „Trump“ finden. Beim Namen „Kasich“ poppt aber gerade mal ein einziges Spiel auf - mit Trump auf dem Vorschaubild.

Schwacher Trost für ruhigere Kandidaten: Besonders wohlgesonnen sind die Programmierer dem Milliardär nicht. Vor allem Gegner werden auf den Downloadportalen schnell fündig. Dem Republikaner die Faust ins Gesicht knallen? Ein Fingertipp genügt! Mithilfe eines pixeligen Weißkopfseeadlers ein Häufchen auf Trumps Kopf fallen lassen? Über 100 000 Android-Nutzer haben dazu bereits die Möglichkeit.

Ähnliche Symbolik transportiert ein Trump-Klopapier: Derb geht eben auch analog. Hier ist der Milliardär allerdings nicht allein, das Konterfei von Hillary Clinton lässt sich ebenfalls zweilagig erwerben.

Überhaupt sticht die Demokratin ihren republikanischen Rivalen aus, wenn es um mehr oder minder sinnvolles Spielzeug geht. Ein Stift, der auf Knopfdruck lacht wie Hillary? Ein Clinton-Nussknacker? Sollte in keinem demokratischen Haushalt fehlen. „No more nuts in the White House“ heißt es auf der bläulichen Verpackung. Wörtlich übersetzt: „Keine Nüsse mehr im Weißen Haus“. Mit Nüssen meint der Amerikaner aber unter anderem auch Idioten.

Erstmal muss Hillary Clinton sich noch gegen Sanders durchsetzen. Der hat sich mit seinem Slogan „Feel the Bern“ schon verewigt. Der Spruch ziert neben Stickern und Postern auch T-Shirts - oft ergänzt durch eine stilisierte Sanders-Brille unter schlohweißer, zerrupfter Halbglatze.

Überhaupt spielen Frisuren in einem haarigen Wahlkampf eine große Rolle. Trump-Gegner können ihre Aggressionen an der Haarpracht des Milliardärs abbauen. Besonders beliebt ist das Internettool „TrumpDonald.org“. Einziger Seiteninhalt: Trumps Kopf, um den herum der Besucher eine Trompete steuern kann. Die Augen des Republikaners folgen dem Blasinstrument dabei argwöhnisch. Ein Mausklick, die Trompete trötet und wirbelt Trumps Tolle durcheinander. Mehr als 100 Millionen Mal haben Menschen aus über 180 Ländern dem Präsidentschaftskandidaten so schon den Marsch geblasen.

Auch auf Facebook vergeht kein Tag mit Hunderten kleiner Spaßbildchen („Memes“) zu Trumps eigenwilliger Frisur. Ist das ein rotblondes Meerschweinchen mit Stab und Wanderbeutel, oder doch Trumps Haar auf der Suche nach einem neuen Leben? Und hat der außerirdische TV-Held Alf Recht, wenn er behauptet, der Milliardär habe die Frisur von ihm abgekupfert?

Selbst die Macher der amerikanischen Kult-Serie „The Simpsons“ konnten sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: In einem kurzen Spot wird Homer von mehreren tentakelartigen Haarsträhnen in die Frisur des Milliardärs hineingezogen. Zwischen Deckhaar und Kopfhaut entdeckt er dort eine geheimnisvolle Welt, in der Bigfoot und die verschollene Flugpionierin Amelia Earhart leben.

Ein zweiter Simpsons-Spot widmet sich auch den anderen Kandidaten. Harmonisch tanzen Rubio, Kasich und Co. zu dem Lied „How Sweet It Is“ über den Bildschirm. Dann aber lässt Ted Cruz seine demokratische Mitbewerberin Hillary Clinton zu Boden plumpsen - und die Zeichentrickfiguren fallen prügelnd und tretend übereinander her.

Die Mattscheibe ist nicht die einzige Bühne für Kandidaten im Cartoon-Format. Donald Trump spielt in einem Malbuch Schiffe-Versenken gegen Kim Jong Un, ein knallrotes Comiccover feiert Bernie Sanders in Superhelden-Manier als „schlimmsten Alptraum des obersten 1 Prozents“, und Hillary Clintons Leben gibt es schon für die Kleinsten im Bilderbuchformat. Spott oder Heldenkult? Augenzwinkern oder Ernst? Wo in den USA Popkultur aufhört und Politik anfängt, lässt sich manchmal kaum erkennen.

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erstellt am 28.Mär.2016 | 09:57 Uhr

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