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Konflikt mit Kim Jong-Un : Trump brüskiert Tillerson, Nordkorea schaltet auf Durchzug

vom

Nordkorea zeigt wenig Interesse an direkten Gesprächen mit den USA. Außenminister Rex Tillerson deutete offene Kommunikationskanäle an.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 06:42 Uhr

Washington | Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident seinen Außenminister öffentlich demütigt. Während Tillerson ein ums andere Mal versucht, die Feuer einzudämmen, die Trump gelegt  hat, macht der Präsident unmissverständlich klar, wer die Richtlinien der amerikanischen Politik bestimmt. Im Fall Nordkoreas brüskierte er seinen Chef-Diplomaten öffentlich und in einem Ton, der Spekulationen über seine Zukunft im Kabinett auslöst.

„Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit verschwendet, indem er versucht, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln“, twitterte Trump am Sonntag nachdem Berichte über die Möglichkeit von Direktgesprächen zwischen den USA und Nordkorea Schlagzeilen machten. „Spar dir deine Energie," unterminierte der Präsident seinen Minister, der in Peking Gespräche mit der chinesischen Regierung geführt hatte. „Wir werden tun, was getan werden muss.“

 

Tillerson hatte in China erstmals über „drei offene Kanäle zu Pjöngjang“ gesprochen. „Wir sondieren“, fügte der US-Außenminister hinzu. „Wir fragen: Wollt ihr reden?“ Er deutete an, das Ziel direkter Gespräche könnte einen atomwaffenfreie Zone auf der koreanischen Halbinsel sein. Das wichtigste zu diesem Zeitpunkt sei jedoch, die Temperatur in dem Konflikt abzusenken. "Jeder hätte es gerne ein wenig ruhiger". 

US-Präsident Trump sieht das anders. Mit seinem Tweet goss Öl ins Feuer, das er mit der Androhung der „totalen Zerstörung“ Nordkoreas vor den Vereinten Nationen entfacht hatte. Pjöngjang fasste das als Kriegserklärung auf und drohte mit Vergeltung.

Nordkorea ignoriert Annäherungsversuche der USA

Die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert, räumte auf Nachfrage von Reportern in Washington ein, Nordkorea habe die Avancen der US-Regierung bisher ignoriert. „Trotz unserer Zusicherung, dass die Vereinigten Staaten kein Interesse an einem Zusammenbruch des gegenwärtigen Regimes haben, gaben die nordkoreanischen Vertreter nicht zu erkennen, an Gesprächen über eine nukleare Abrüstung interessiert oder dazu bereit zu sein.“

Das entspricht der Erwartung von Experten wie Michael J. Morell. Der frühere Übergangsdirektor des Auslandsgeheimdienstes CIA meint, Tillerson und Trump verfolgten eine unrealistische Strategie. Washington sollte das Ziel der De-Nuklearisiserung aufgeben und stattdessen an einer glaubwürdigen Abschreckung arbeiten.

Trump soll Cyber-Sabotage gegen Nordkorea erlaubt haben

Andere weisen darauf hin, Kim Jong-Un betrachte die Atombombe als Überlebensgarantie seines Regimes, weil sie Nordkorea gegen militärischen Druck von Außen immunisiert. Deshalb werde er unter keinen Umständen darauf verzichten. Hohe Mitarbeiter der US-Regierung warnten bereits vor dem Trump-Tweet, „zu viel“ in die Äußerungen Tillersons „hineinzulesen“. Selbst in den düstersten Zeiten der Beziehungen zwischen beiden Ländern habe es Gesprächsleitungen gegeben.

Wie das Blatt weiter berichtet, habe Trump eine bisher nicht bekannte Direktive unterzeichnet, die unter anderen Cyber-Sabotage gegen Nordkorea erlaube. Das Pentagon überarbeitet zurzeit seine Pläne, aggressiver auf Provokationen Nordkoreas zu reagieren. Falls Kim mit dem angekündigten Atomwaffentest über dem Pazifik ernst machen wolle, erwägen die Militärs unter anderen, die Startrampen zu zerstören oder Raketenabwehr-Systeme einzusetzen.

Trump hatte Tillerson zuvor schon bei Äußerungen zum Klimaschutz, Katar oder der NATO öffentlich widersprochen. In den US-Medien wird schon seit geraumer Zeit über erhebliche Frustrationen des Minister und Rücktritt-Absichten berichtet.

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