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Polizei in SH : „Tri-tra-trullala": Theater um den Verkehrskasper

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landespolizei prüft, ob künftig noch aktive Beamte für die Präventionsarbeit eingesetzt werden können – Die Opposition hält dies für zwingend wichtig.

margret kiosz von
erstellt am 14.Apr.2016 | 11:45 Uhr

Kiel | Der Verkehrskasper ist in Schleswig-Holstein haushalterisch schon mehrere Tode gestorben. Doch jedes Mal ging der Vorhang wieder auf, und es hieß : „Tri-tra-trullala, der Verkehrskasper ist wieder da.“ Auch Innenminister Stefan Studt (SPD) wird sich – genauso wie seine Amtsvorgänger – nicht als Totengräber der lehrreichen Puppe betätigen, selbst wenn er seine Polizisten lieber gegen Internetbetrüger oder Einbrecher einsetzen würde.

Gerüchten, das Ende der Puppen stehe jetzt erneut unmittelbar bevor, widersprach der Minister deshalb am Mittwoch heftig. „Den Verkehrskasper gab es, gibt es und wird es in Schleswig-Holstein weiter geben.“ Als Vater von vier Kindern habe er selbst die überzeugende Wirkung dieser besonderen Form der frühkindlichen Verkehrserziehung erleben dürfen. „Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Aufgabe bei den großen sonstigen Herausforderungen unserer Organisation zwingend von jungen Polizeibeamten wahrgenommen werden muss. Alternativen dazu werden derzeit von der Landespolizei geprüft“, sagt Studt.

Auch das Signal des grünen Koalitionspartners war gestern eindeutig: „Wir Grünen sprechen uns durchaus dafür aus, dass diese Heilige Kuh der Polizeipräventionsarbeit weiter existiert.“ Die Veranstaltungen mit dem Kasper, der vor allem Kita-Kindern beibringt, wie man richtig die Straße quert, dass man fremde Sachen nicht einfach mitnehmen und keinen Müll in die Landschaft werfen darf, könnten aber zum Beispiel durch pensionierte Beamten erfolgen, meint Burkhard Peters.

Auch Werner Kalinka, der im vergangenen Jahrzehnt als CDU-Abgeordneter für den Kasper kämpfte, meldete sich jetzt als Vertreter der Christdemokratischen Arbeitnehmer (CDA) zu Wort: „Kinder lernen mit dem Kasper früh, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten sollten.“ Das sei „originäre Aufgabe der Polizei“. Die Puppenbühnen haben häufig mehr als 20.000 Kinder pro Jahr erreicht. „Was sich über so viele Jahre als so wertvoll erwiesen hat, sollte nicht immer wieder infrage gestellt werden.“ Es passe nicht zusammen, dass 500 neue Polizei-Planstellen geschaffen werden, die erforderlichen neun Planstellen beim Verkehrskasper aber dem Rotstift zum Opfer fallen, meint Kalinika. Zumal die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren laut Verkehrssicherheitsbericht weiterhin steigt.

Protest gegen mögliche Privatisierungsabsichten kommt von der FDP. Deren Vorsitzender Wolfgang Kubicki hält es für zwingend notwendig, dass weiterhin aktive Polizeibeamte in der Handpuppenbühne eingesetzt werden. „Nur wer entsprechende Erfahrungen hat, kann die besonderen polizeirelevanten Inhalte vermitteln“, so der Liberale.

Vor allem aber sei der Erstkontakt mit Polizisten in Uniform immens wichtig für die Kinder, „weil sie so schon früh Vertrauen zur Polizei aufbauen und Hemmungen oder Ängste gegenüber Polizisten abgebaut werden“. Das gelinge nur mit „richtigen“ Polizisten. Bei so viel parteiübergreifendem Einsatz für den Kasper dürfte der Vorhang für ihn noch lange aufgegehen.

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