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Politik

18. Dezember 2017 | 06:54 Uhr

Tratschen auf hohem Niveau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 13:09 Uhr

In jedem Bekanntenkreis gibt es eine Person, die für die Verbreitung von Nachrichten zuständig ist. Für die guten ebenso wie für die schlechten. Das Verfahren ist denkbar einfach. Man sagt dem oder meistens der Betreffenden: Ich verrate dir mal etwas Brisantes. Aber wirklich nur unter der Bedingung, dass du die Sache vertraulich behandelst. Kein Wort zu niemandem. Das Ergebnis fällt wie gewünscht aus: Spätestens am nächsten Tag kennen mindestens 100 Leute das Geheimnis.

Und was im richtigen Leben funktioniert, das klappt natürlich erst recht in der Politik. Wer das nicht weiß, der ist nicht von dieser Welt, beziehungsweise von seinem Amt überfordert. So wie der gewesene Innen- und Agrarminister Friedrich. Dass er nicht versteht, wie Kommunikation geht, hatte er schon bewiesen, als er nach Amerika reiste und mit der Erkenntnis zurückkehrte: An dieser Abhörgeschichte ist nichts dran. Alles übertrieben. Kurz nach dieser Entwarnung kam dann heraus, dass alles noch viel schlimmer war und sogar das Handy der Chefin abgehört wurde. Die war verständlicherweise auch besonders sauer, als sie – natürlich erst aus der Zeitung – erfuhr, was Friedrich dem Gabriel unter dem Siegel der Verschwiegenheit – siehe oben – erzählt hatte.

Auch wenn es nicht zu beweisen ist, kann man davon ausgehen, dass es im gesamten Berliner Politikbetrieb keine einzige einigermaßen brisante Geschichte gibt, die nur ein einziger Mensch kennt. Nur einer hat das nicht gewusst, und das ist offensichtlich der gewesene Agrarminister.

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