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Serie über Minderheiten : Transnistrien und Bergkarabach: Verdrängte Konflikte in Europa

vom
Aus der Onlineredaktion

Es gibt unterschwellige Konflikte, so genannte „frozen conflicts“, in Europa, die es kaum in die Medien schaffen. Jan Diedrichsen stellt einige davon vor.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 14:33 Uhr

Jan Diedrichsen hat sich in einer 20-teiligen Serie für den „Nordschleswiger“ in kritischer Perspektive der Situation der Minderheiten in den Staaten Europas gewidmet. Minderheitenpolitik ist ein ur-schleswig-holsteinisches Thema. Daher freuen wir uns, die Texte aus der Zeitung der deutschen Minderheit in Dänemark auch auf shz.de veröffentlichen zu dürfen.


Grenzstreitigkeiten und Fragen der nationalen Zugehörigkeit haben im Laufe der Geschichte in zahlreichen Regionen Europas für viel Leid gesorgt. Staaten streiten sich um Territorien, auf die sie meinen, ein Anrecht zu haben. Meist sind Minderheitenfragen mit entscheidende Auslöser dieser Konflikte. Diese Auseinandersetzungen – von denen es heute noch mehr gibt, als man im ersten Moment denken würde – haben ihre Wurzeln in zum Teil Jahrhunderte zurückführenden Auseinandersetzungen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhoben viele dieser unterschwelligen Konflikte ihr Haupt – nicht nur auf dem Balkan. Man spricht in diesen Fällen der trügerischen Ruhe auch von „frozen conflicts – eingefrorenen Konflikten“ – die es nur in die Medien schaffen, wenn wieder zu den Waffen gegriffen wird. Ich möchte zwei dieser „eingefrorenen Konflikte“ kurz vorstellen:

Transnistrien

Transnistrien ist nach einem Bürgerkrieg 1990-1992 durch die Loslösung von Moldawien entstanden. Der Transnistrien-Konflikt ist bis heute ungelöst. Transnistrien umfasst rund eine halbe Million Einwohner und wird zwar von keinem Staat oder internationalen Organisationen anerkannt, aber ist de facto seit 1992 unabhängig von der moldawischen Regierung in Chisinau. Transnistrien war in der Sowjetunion ein bedeutender Industriestandort und stand deshalb stark unter sowjetrussischem Einfluss. Unterstützt wird die Sezession allein durch Moskau. Über 1.000 russische Soldaten sind in Transnistrien stationiert. Moldawien will die abtrünnige Republik zurück, traut sich aber nicht, in den offenen Konflikt mit Russland zu treten.

Bergkarabach

Die Region Bergkarabach wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt – liegt aber geografisch im Staatsgebiet Aserbaidschan, im Südosten des Kaukasus. Der Streit um die nationale Zugehörigkeit Bergkarabachs führte 1992, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als „Ordnungsmacht“, zu einem blutigen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan. Die armenischen Streitkräfte unterstützten die Rebellen von Bergkarabach. Beim Waffenstillstand 1994 hatte Armenien einen Großteil des beanspruchten Gebiets besetzt. Alle Vermittlungsversuche des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und der EU, des Europarates sowie der OSZE scheiterten. Minderheitenkonflikte gibt es keine, da alle Minderheiten das Gebiet fluchtartig verlassen haben. Es ist ein klassischer „frozen conflict“ entstanden.

Weitere eingefrorene Konflikte:

Weitere europäische verdrängte Konflikte gibt es zwischen Russland und Georgien um Südossetien und Abchasien sowie zwischen Griechenland und der Türkei um Zypern. Beobachter befürchten derzeit, dass auch im Osten der Ukraine, in Luhansk und Donezk, die sich bereits zu unabhängigen Republiken erklärt haben, weitere solcher Konflikte in der Peripherie Europas entstehen.

Von Minderheitenschutz muss in diesen Regionen nicht geredet werden – dort passt man sich den Machtbedingungen an, oder man verlässt das Land.

Der Autor wurde in Sonderburg geboren und war bis 2014 Leiter des Sekretariats der Deutschen Volksgruppe in Kopenhagen und Direktor der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen. Er ist ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Minderheiten.

Lesen Sie alle bisherigen Teile der Serie. Sie finden die Artikel in den aufgeführten Links in der Sortierung neu nach alt.

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