Streit mit Donald Trump : Totgesagte leben länger - Rex Tillerson hält sich noch im Amt

US-Außenminister Rex Tillerson in Washington.  
US-Außenminister Rex Tillerson in Washington.  

Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Tillerson: Der Nachfolger von Tillerson steht in den Startlöchern.

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01. Dezember 2017, 11:39 Uhr

Washington | Schon als der ehemalige Exxon-Mobile-Chef sein Amt im Foggy Bottom antrat, fragten sich viele, wie lange dieser „Nobody“ im Nationalen-Sicherheits-Establishment als Amerikas Top-Diplomat wohl überleben werde. Noch mehr wunderten sich, wo Trump seinen Mann für den Job an der Spitze des US-Außenministeriums aufgegabelt hat.

Der Verdacht hält sich hartnäckig, der mit dem russischen Freundschaftsorden ausgezeichnete ehemalige Exxon-Mobile-Chef habe das Amt auf Empfehlung aus Moskau erhalten. Dass er seit seiner Vereidigung im Februar mit Verve daran ging, die einst glorreiche US-Diplomatie zu zerschlagen, spricht für den Eindruck, Tillerson handele nicht im nationalen Interesse der USA.

Nur - das ist nicht Grund, warum sein Verbleib im Amt abermals in Frage steht. Wie schon mehrfach zuvor als US-Medien über seine bevorstehende Demission mutmaßten. Nach den letzten Spekulationen über einen „Rexit“ im Oktober lud Tillerson ganz plötzlich zu einer raren Pressekonferenz, um seinen angeblich bevorstehenden Rücktritt ausdrücklich zu dementieren.

Tillerson nennt Trump einen Idioten

Es fiel auf, dass er die ihm zugeschriebene Aussage nicht zurücknahm, das Trump ein „moron“ (Idiot) sei. Wie US-Analysten zurecht hervorheben, gibt es im Verhältnis zwischen Trump und Tillerson zu viel Rauch, nicht zu glauben, dass es nicht auch lichterloh brennt.

Das ist der Kontext für den exklusiven Bericht der New York Times vom Donnerstag, wonach Trumps Stabschef John Kelly einen Plan habe, Tillerson in den kommenden Wochen loszuwerden. Das stimmt überein mit dem schon seit einiger Zeit allgemein erwarteten "Rexit" im neuen Jahr.

Wer oder was die Informationen an Trumps Lieblings-Gegner in der Presse durchgestochen hat, darüber kann nur spekuliert werden. Sicher scheint, dass der bisherige CIA-Chef Mike Pompeo bereits seit einiger Zeit die Gardinen für das Büro auf der siebten Etage im State Department vermisst.

Pompeo bringt sich in Position

Der Klassenbeste seines Jahrgangs an der Militärakademie von West Point holte sich nach Informationen der Washington Post bereits Ratschläge für den diplomatischen Top-Job bei republikanischen Außenpolitikern ein. Pompeo lotete ebenfalls aus, wen er für die vielen vakanten Spitzenpositionen im Außenministerium anheuern könnte.

Richtig zu sein scheint auch, dass der Harvard-Absolvent aus Arkansas, Tom Cotton, bereit ist, seinen Senatoren-Sitz gegen den Spitzenjob bei der CIA enzutauschen. Der Iran-Falke gehört zu den größten Fans des Präsidenten auf dem Kapitolhügel und positioniert sich schon seit einiger Zeit für höhere Weihen.

Pompeo und Cotton vereint nicht nur ein Abschluss in Harvard, sondern auch die Ergebenheit gegenüber Trump. Wie so oft bleibt der Präsident selbst die große Unbekannte. „Er ist hier"“, erklärte Trump, der Tillerson am Donnerstag gleich zwei Mal im Weißen Haus traf.

Analysten erkannten darin nicht gerade eine enthusiastische Unterstützung für den belagerten Minister, aber auch kein Anzeichen für einen kurz bevorstehenden Rücktritt. Zumal Stabschef Kelly Berichten widersprach, er habe den Plan für die Rochade im nationalen Sicherheitsteam ausgeheckt.

Dabei ist klar, dass Trump und Tillerson von Iran bis Nordkorea tatsächlich andere Vorstellungen haben. Während der Außenminister auf Verhandlungen setzt, sieht der Präsident darin nicht viel mehr als Zeitverschwendung. Genau das twitterte er, während sich Tillerson im Herbst in Peking darum bemühte, China diplomatisch stärker einzubinden.    

Der Texaner bewies bisher dicke Haut angesichts der laut CNN absichtlich geleakten Indiskretionen. Dem Vernehmen nach entdeckte auch die Delegation des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel, der den Minister am Donnerstag traf, keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit. Tillersons Sprecherin Heather Nauert erklärte ganz unaufgeregt, Außenminister Tillerson genieße seinen Job: „Er hat eine Menge Arbeit zu erledigen.“

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