Tote bei Anti-„Hebdo“-Protesten

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18. Januar 2015, 16:12 Uhr

Die Veröffentlichung einer Mohammed-Karikatur in der neuen Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hat in der islamischen Welt zum Teil gewalttätige Proteste ausgelöst. Im zentralafrikanischen Niger wurden mehrere Kirchen angezündet, mindestens zehn Menschen starben. In Ägypten mahnten hohe islamische Gelehrte den Westen, dass Meinungsfreiheit mit gegenseitigem Respekt einhergehen müsse. Auch in anderen Ländern wie etwa Pakistan (Foto) kam es zu teils gewaltsamen Demos.

Ein örtlicher Journalist sagte, in Niamey, der Hauptstadt von Niger, seien am Wochenende mindestens sieben Kirchen angezündet worden, darunter das größte protestantische Gotteshaus. Auch französische Fahnen wurden verbrannt. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Angreifer ein. Die Bevölkerung des Wüstenstaates Niger ist überwiegend muslimisch.

Islamische Gelehrte der hoch angesehenen Azhar-Universität in Kairo riefen Muslime in aller Welt erneut dazu auf, die jüngsten Karikaturen zu ignorieren. Gläubige sollten sich nicht durch die „Ignoranz“ anderer verleiten lassen, hieß es in eine gestern veröffentlichten Erklärung. Dem Westen warfen die Gelehrten Provokation vor: Meinungsfreiheit bedeute nicht, andere in ihrem Glauben zu beleidigen: „So, wie wir an persönliche Freiheiten glauben, (...) glauben wir auch an gegenseitigen Respekt.“

Mit der Mohammed-Karikatur auf dem Titel wollen die Macher von „Charlie Hebdo“ einem Terrorangriff auf die Redaktion des Magazins trotzen. Dabei waren am 7. Januar zwölf Menschen getötet worden.

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