Verurteilt wegen Beleidigung : Tortenwurf auf AfD-Politikerin: Kielerin geht ins Gefängnis

Umstritten: Die AfD-Vizechefin  Beatrix von Storch.
Der AfD-Politikerin Beatrix von Storch wurde bei einer Wahlveranstaltung in Kiel 2016 eine Rasierschaumtorte ins Gesicht geworfen.

Die Angeklagte will nach dem Angriff auf Beatrix von Storch keine Geldstrafe zahlen – und weiter mit Torten werfen.

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01. Februar 2018, 20:55 Uhr

Kiel/Lübeck | Ein Strafantritt als Protest-Ritual: Die linksautonome Szene will sich mit einem „Tortenwurf-Stand“ vor der Lübecker Justizvollzugsanstalt mit der Kielerin Lovis S. solidarisieren. Die 22-Jährige hatte im November 2016 der AfD-Politikerin Beatrix von Storch bei einer Wahlveranstaltung in Kiel eine Rasierschaumtorte ins Gesicht geworfen und war deshalb vom Amtsgericht Kiel wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 150 Euro verurteilt worden.

Da sich die Pädagogik- und Informatikstudentin weigert, zu bezahlen, muss sie am kommenden Montag, dem 5. Februar, eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagessätzen a zehn Euro antreten. „Ich möchte durch das Absitzen der Strafe darauf aufmerksam machen, dass Strafe und Knast nicht dabei helfen, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Ich werde weiterhin mit Torten werfen, wenn sich Politikerinnen wie Beatrix von Storch so menschenverachtend äußern“, erklärt Lovis S., die sich als Antifaschistin „Julia Pie“ nennt, ihren Entschluss.

Für den 5. Februar haben verschiedene antifaschistische und linksautonome Gruppen aus Kiel und Flensburg zu Solidaritätsaktionen vor der Lübecker Justizvollzugsanstalt aufgerufen. So soll unter anderem ein Tortenwurf-Stand aufgebaut werden, bei welchem mit Rasierschaum-Torten auf Portraits von AfD-Politikerinnen geworfen werden kann. Die Aktivisten wollen mit dieser Form gegen von Storchs „menschenverachtende Äußerungen“ protestieren.

Bei der Lübecker Polizei liegt allerdings noch keine offizielle Anmeldung einer Demonstration oder einer Kundgebung vor. Allerdings bestätigte Polizeisprecher Dierk Dürbrook, dass man entsprechende Hinweise habe und sich darauf vorbereite, das Geschehen „polizeilich zu begleiten“.

Lovis S. hatte das Urteil im Kieler Amtsgericht sitzend zur Kenntnis genommen und betont: „Ich möchte mich bei den Aktionsformen, die ich wähle, nicht daran orientieren, was gesetzlich anerkannt wird.“ Politischer Widerstand solle einzig daran bemessen werden, ob er moralisch legitim sei.


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