14-Jähriger stirbt : Tödlicher Angriff in Schule erschüttert Eltern und Kinder

Polizisten stehen auf dem Pausenhof der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, während zwei Schülerinnen gemeinsam ins Schulgebäude gehen.
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Polizisten stehen auf dem Pausenhof der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, während zwei Schülerinnen gemeinsam ins Schulgebäude gehen.

Schock in der Schule: Ein Achtklässler kommt morgens in die Schule und findet dort den Tod. Schüler und Eltern können nicht begreifen, was ein Mitschüler getan haben soll.

shz.de von
23. Januar 2018, 21:36 Uhr

So richtig fassen können es die Eltern noch nicht, dass gerade ein 14-Jähriger an der Schule ihrer Kinder getötet wurde. «Ich finde es ganz schlimm. Man ist noch richtig konfus», sagt eine Mutter.

Sie hat gerade ihren Sohn, einen Fünftklässler, von der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen nördlich von Dortmund abgeholt. Vier Stunden zuvor ist dort der Junge aus der 8a getötet worden - von einem 15-jährigen Mitschüler.

Am Abend, nach der Vernehmung des mutmaßlichen Täters, berichten Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der 15-Jährige den ein Jahr jüngeren Schüler erstochen habe, weil dieser die Mutter des 15-Jährigen mehrfach provozierend angeschaut haben soll. Deshalb habe er das Messer gezückt und zugestochen, so die Behörden.

Abdelkader Bouzea kannte das Opfer. «Ich war sein Fußballtrainer», erzählt der Mann vor dem Schultor. Noch am Morgen habe er dem 14-Jährigen eine Nachricht geschrieben, wann er zum Training kommen solle. Eine Antwort habe er nicht mehr erhalten.

Bange Minuten am Morgen, kurz nach Unterrichtsbeginn. «Wir mussten in den Klassen bleiben», erzählt Eren Karatas (14). Dann habe ein Lehrer gesagt, dass jemand erstochen worden sei. Direkt mitbekommen habe er die Tat nicht, aber gehört, dass es einen Streit zwischen Täter und Opfer gegeben haben soll. «Sie kannten sich wohl.»

An Unterricht ist nach der Tat nicht mehr zu denken. Eltern sollen ihre Kinder abholen. Alleine gehen darf niemand. Schüler mit Handy schreiben ihren Eltern oder rufen sie an. Einem 13-Jährigen steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben. Er erzählt, dass einige Mitschüler geweint haben, als sie in der Klasse auf ihre Eltern warten mussten. Um die Schüler kümmern sich am Vormittag auch Notfallseelsorger. Zu sehen ist, wie eine völlig aufgelöste Schülerin von zwei Erwachsenen in ein Gebäude begleitet wird.

Über den mutmaßlichen Täter gibt es nur wenige Informationen. Den Behörden zufolge ist der 15-Jährige polizeibekannt, gelte als aggressiv und unbeschulbar. Deshalb habe er vorübergehend eine andere Schule besucht. Am Dienstag habe er in der Kollwitz-Schule zusammen mit seiner Mutter auf einen Gesprächstermin bei einer Sozialarbeiterin gewartet, weil er zurück auf diese Schule sollte. Dabei sei es zu dem tödlichen Vorfall gekommen.

Nach Polizeiangaben hat der 15-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft. Er sei in Deutschland geboren und habe außerdem einen kasachischen Pass. Bei dem getöteten 14-Jährigen handelt es sich demnach ebenfalls um einen Deutschen.

Auch auf der Straße in der Nähe der Schule sprechen die Passanten über die Tat. «Sowas ist hier in Lünen noch nie vorgekommen», sagt eine 52-Jährige. Die Schule habe eigentlich einen guten Ruf. Man habe schon mal von kleineren Schlägereien gehört, aber in der Zeitung habe eigentlich nie etwas gestanden. Eine 68-Jährige zeigt auf ihrem Handy das Bild einer schwarzen Trauerschleife, die sie kurz zuvor von einer Bekannten bekommen hat. «Traurig» hat sie dazu geschrieben.

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