Neues Buch von John McCain : Todkranker US-Senator rechnet mit Präsident Trump ab

<p>US-Präsident Donald Trump (links) und Senator John McCain.</p>
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US-Präsident Donald Trump (links) und Senator John McCain.

Am Dienstag erscheint mit „The Restless Wave“ das neue Buch des republikanischen US-Senators John McCain.

shz.de von
22. Mai 2018, 14:12 Uhr

New York | Zweimal ging John McCain ins Rennen der US-Präsidentschaftswahlen. 2008 wurde er zum Spitzenkandidaten seiner republikanischen Partei nominiert und scheiterte am Ende gegen Barack Obama. Heute heißt der republikanische Präsident Donald Trump – und John McCain ist einer seiner schärfsten Kritiker.

Am Dienstag erscheint in den USA McCains siebtes Buch „The Restless Wave: Good Times, Just Causes, Great Fights and Other Appreciations“, das der an einem schweren Hirntumor leidende 81-Jährige zusammen mit seinem ehemaligen Stabschef Mark Salter geschrieben hat. Parallel dazu wird der Dokumentarfilm „John McCain: For Whom the Bell Tolls“ veröffentlicht. Und obwohl McCain in seinen Memoiren in erster Linie an die Meilensteine seines Lebens erinnert, kommt auch das nicht zu kurz, was ihm darüber hinaus wichtig ist: Seine Kritik am 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

Zuletzt machte der Senator aus Arizona beispielsweise von sich reden, indem er versuchte, die von Trump nominierte Gina Haspel als neue Chefin der CIA zu verhindern. Die ehemalige Geheimdienstmitarbeiterin steht wegen ihrer Folter-Vergangenheit stark in der Kritik. McCain wurde während seiner viereinhalbjährigen Kriegsgefangenschaft in Nordvietnam selbst Opfer von derartigen Misshandlungsmethoden. Zwar konnte er Haspel nicht verhindern, sorgte aber für eine Debatte zum Thema Folter, von der Trump der Meinung ist, dass sie „absolut funktioniert“. Über McCain sagte Trump übrigens einmal: „Er war ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“

<p>John McCain wird von einem vietnamesischen Arzt untersucht, nachdem er 1967 während eines Angriffs bei Hanoi abgeschossen wurde.</p>
dpa

John McCain wird von einem vietnamesischen Arzt untersucht, nachdem er 1967 während eines Angriffs bei Hanoi abgeschossen wurde.

 

Auch den Umgang mit Einwanderern spricht McCain in seinem Buch an. Während Trump Migranten als „Tiere“ bezeichnet, erinnert sich der ehemalige Jagdbomberpilot an eine Einbürgerungszeremonie von neuen US-Soldaten in Afghanistan. Diese, so schreibt er, bringen Opfer für die Amerikaner, die viele Amerikaner nicht für sie bringen würden. Trump selbst war dem Wehrdienst Ende der sechziger Jahre unter zumindest fragwürdigen Umständen entgangen.

Patriotische Pflicht

Auch was er anders machen würde, verrät John McCain. Sarah Palin beispielsweise, die ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska, mit der er 2008 die Präsidentschaftswahlen verlor, würde er nicht wieder zu seiner Kandidatin für das Vizepräsidenten-Amt machen. Stattdessen würde er Joe Lieberman bevorzugen - einen ehemaligen Demokraten und ein späteres unabhängiges Mitglied des Senats. Dass er das Dossier des britischen Geheimdienstmitarbeiters Christopher Steele über Trumps vermeintliche Kontakte nach Russland an den damaligen FBI-Chef James Comey weitergab, findet er dagegen bis heute richtig. Es sei seine patriotische Pflicht gewesen.

Am Ende seines Buches schreibt McCain, er wisse nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibe. Dessen Veröffentlichung aber zeigt, dass er sich nicht kampflos gehen will.

John McCain, Mark Salter: "The Restless Wave: Good Times, Just Causes, Great Fights and Other Appreciations"

Simon & Schuster; 416 Seiten; 26,99 Euro.

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